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Bayern «heiß» auf Geister-Double - Bayer will endlich Titel

Der FC Bayern will im großen Geister-Finale die Rekordrückrunde mit Pokal und Double vergolden. Leverkusen kämpft gegen das Verlierer-Image. Nach dem Sané-Transfer steht in Berlin ein anderer Jungstar im Fokus. Das Ambiente ist selbst für Champions denkwürdig.



DFB-Pokal-Finale
Im Berliner Olympiastadion spielen der FC Bayern München und Bayer Leverkusen um den DFB-Pokal.   Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa » zu den Bildern

Der Dauersieger will nach dem Sané-Coup das Geister-Double, der ewige Zweite die jahrzehntelange Titel-Tristesse beenden.

Den goldenen DFB-Pokal vor Augen wies Manuel Neuer vor dem reizvollen Cup-Finale zwischen seinem FC Bayern München und Bayer Leverkusen mit Wehmut auf den denkwürdigen Abschluss einer sorgenreichen Saison im deutschen Fußball hin. «Das wird auch für mich eine Lebenserfahrung sein», sinnierte der so finalerprobte Nationalmannschaftskapitän vor dem Endspiel im leeren Olympiastadion.

Ohne buntes Rahmenprogramm und knisternde Atmosphäre mit rund 75.000 Fans wollen die Protagonisten das in über 160 Länder übertragene Finale trotzdem zu einem großen Fußball-Spektakel werden lassen. «Es ist natürlich immer ein Höhepunkt der Saison, jetzt mit einem anderen Ambiente», erklärte Bayern-Kapitän Neuer. «Wir nehmen das so an, wie es ist und sind ganz heiß, diesen Pokal zu gewinnen.»

Beim Abschlusstraining der Teams in der traditionsreichen Spielstätte waren die am Samstag (20.00 Uhr/ARD und Sky) leeren Fankurven schon in Vereinsfarben dekoriert. «Schreibt Geschichte» war in großen Buchstaben im Leverkusener Block zu lesen. «Schon als man als kleiner Junge mit dem Kicken angefangen hat, wollte man Titel holen, wollte man gewinnen», drückte Bayer-Kapitän Lars Bender seine Sehnsucht aus. Nach 27 trophäenlosen Jahren will Leverkusen endlich wieder etwas gewinnen - und nach acht zweiten Plätzen das belächelte «Vizekusen»-Image ablegen.

Die Werkself kennt als eine von zwei Mannschaften überhaupt das Gefühl eines Sieges über die Flick-Bayern. Doch der große Favorit vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw - der erstmals in der Geisterspiel-Ära wieder ins Stadion darf, dort den neuen Bayern-Star Leroy Sané aber noch nicht spielen sieht - ist der Rekordcupsieger aus Bayern. Der 20. Pokalerfolg und das 13. Double sollen her. «Wir versuchen alles, dass wir das Double wieder nach München holen», sagte Hansi Flick vor seinem ersten Endspiel als Chefcoach.

Der Von-null-auf-hundert-Trainer Flick könnte sich wie Pep Guardiola im Jahr 2014 gleich in seiner ersten Bayern-Saison am doppelten Trophäenglück erfreuen - und in der Champions League geht es im August weiter. «Wir gehen alles an, das sind unsere Ziele», sagte der 55-Jährige. Über die Verpflichtung von Sané, der einen Fünfjahresvertrag unterschrieb, mochte Flick 30 Stunden vor dem Endspiel nicht großartig reden.

Da stand Leverkusens Ausnahmekönner Kai Havertz mehr im Fokus. Der 21-Jährige kann sich als einer der größten Hoffnungsträger im deutschen Fußball seinen neuen Club praktisch selbst aussuchen. Bayern gilt als ein Topkandidat - wenngleich der Transfer in diesem Sommer nach dem Multi-Millionen-Einkauf Sané unwahrscheinlich ist. «Kai kann für uns im Finale sehr wichtig sein», sagte Trainer Peter Bosz. An seinem Ablösewert von rund 100 Millionen Euro ändert das Finale im Olympiastadion nichts. Aber mit einem großen (End-)Spiel kann er seinen sportlichen Wert auf großer Bühne dokumentieren.

Beide Trainer waren am Freitag bemüht, den Blick weg von den exquisiten Einzelkönnern hin zur mannschaftlichen Geschlossenheit in den eigenen Reihen zu lenken. Bei Leverkusen fehlen dabei allerdings Dailey Sinkgraven und Paulinho, bei Bayer ist Thiago nach seiner Leistenoperation wieder eine Option. Und Löw darf sich freuen, dass der seit Oktober verletzte Auswahlspieler Niklas Süle nach seinem Kreuzbandriss erstmals wieder im Bayern-Kader stehen könnte.

«Er hat eine sehr gute Entwicklung gemacht», sagte der langjährige Nationalmannschaftsassistent Flick. Als Teil des Kaders würde Süle am Samstag so gerne mit dem acht Liter Schampus fassenden «Pott» vor der mit roten und weißen Fanclub-Bannern dekorierten Kurve jubeln.

Die Leverkusener Kollegen berichteten vom emotionalen Fan-Abschied durch einige hundert Anhänger vor der Abreise in die Hauptstadt, in der die Geisterkulisse so gut wie möglich ausgeblendet werden soll. «Das hat für uns keine Auswirkungen auf die 90 Minuten. Da geht es darum, ein Fußballspiel zu gewinnen», sagte Bender.

Das Fehlen der Fans wegen des strengen Hygienekonzepts im Olympiastadion tut DFB-Präsident Fritz Keller «in der Seele weh». Immerhin wird Bundestrainer Löw mal wieder live reihenweise Nationalspieler erleben können. Knapp 700 Personen im und um das Stadion sind notwendig, um den Ablauf des Finals zu gewährleisten.

Der Münchner Geister-Express, der 20 von 21 Pflichtspielen in diesem Jahr gewann, kam am erfolgreichsten durch die schwierige Corona-Zeit. «Wir spielen am Samstag gegen die aktuell beste Mannschaft in Europa», sagte Leverkusens Sportchef Rudi Völler, der noch ohne Titel mit Bayer ist. «Es reicht nicht, an die Grenzen zu stoßen. Wir müssen darüber hinausgehen, wenn wir gewinnen wollen.»

Für beide Finalisten geht es nach dem Saisonende und einer kurzen Verschnaufpause auf internationaler Bühne weiter. Im August spielt Bayer die Finalrunde der Europa League in Nordrhein-Westfalen. Und der FC Bayern nimmt die Champions League mit dem Finale am 23. August in Lissabon in den Fokus.

© dpa-infocom, dpa:200703-99-658770/6

Veröffentlicht am:
03. 07. 2020
15:53 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
03. 07. 2020
15:53 Uhr



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