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Bayern als Zweiter nun Favorit - «Haben keine große Klappe»

Die neun Punkte Rückstand sind aufgeholt, im Meister-Rennen zieht der FC Bayern mit dem BVB gleich. Psychologisch scheint der Titelverteidiger trotz Platz zwei im Vorteil. Sticheleien Richtung Dortmund gibt es trotzdem keine.



Die Bayern marschieren wieder
Der FC Bayern lag im Kampf um die Meisterschaft bereits neun Punkte hinter dem BVB, ist nun aber wieder gleichauf.   Foto: I. Fassbender

Kuschel-Kurs statt Kampfansage: Nachdem sie die Uhr im Meister-Rennen auf null gestellt hatten, verzichteten Stars und Bosse des FC Bayern München generös auf markige Sprüche.

Es klang im Gegenteil fast schon ein wenig nach Mitleid mit dem Rivalen, als Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem 5:1 (2:1) bei Borussia Mönchengladbach in Richtung Dortmund sagte: «Wir werden jetzt keine große Klappe haben. Schließlich hat Dortmund uns auch nicht mit hämischen oder arroganten Kommentaren belästigt, als wir unsere Krise hatten.»

Insgesamt neun Punkte haben die Bayern auf den BVB aufgeholt, alleine sieben in den letzten vier Spielen. Die Tabelle weist die Dortmunder wegen der um zwei Treffer besseren Tordifferenz noch als Tabellenführer aus, doch spätestens seit Samstag ist der FC Bayern wieder der Top-Favorit. Und das wissen beide Konkurrenten offenbar nur zu gut.

So sprach Bayern-Star Thomas Müller von «einer Situation wie gemalt» und ergänzte: «Das Momentum ist auf unserer Seite. Wir hätten im Winter nicht gedacht, dass wir zu diesem Zeitpunkt auf Punktegleichstand sind. Wir haben aber schon länger Lunte gerochen.»

Gleichzeitig herrschte beim BVB nach dem überraschenden 1:2 (0:1) beim FC Augsburg das große Wehklagen. «Jetzt haben wir noch mehr Druck», sagte Mittelfeldspieler Thomas Delaney. Und der externe Berater Matthias Sammer kritisierte, die Dortmunder seien «nicht wie ein Champion, sondern wie eine Durchschnittsmannschaft in der Bundesliga» aufgetreten. Schon im Vorfeld hatte Sammer mehrfach die Reife der Mannschaft in Frage gestellt. Man ist geneigt zu sagen: So lange, bis sie es geglaubt hat.

Manager Michael Zorc kritisierte am Sonntag die Einstellung seines Teams. «Es kann nicht sein, dass verunsicherte und qualitativ unterlegene Gegner uns allein durch Laufbereitschaft und Begeisterung komplett aus dem Spiel nehmen», sagte er den «Ruhr-Nachrichten». Er habe «in den vergangenen Wochen das Gefühl, dass die letzten zwei, drei Prozent in puncto Fokussierung fehlten», erklärte Zorc weiter.

In München glauben sie derweil wieder fest an den Titel. Für diese Selbstsicherheit spricht auch und gerade die aufgesetzt wirkende Bescheidenheit. «Wir sind nicht so vermessen, dass wir sagen, es ist alles schon geklärt», betonte Rummenigge. Und ergänzte dann: «Das ist mal wieder eine emotionale Saison, nachdem wir sechs Mal hintereinander recht deutlich Meister geworden sind. Das ist nicht das, was man sich im Fußball an Emotionalität wünscht.» Es klang schon ein wenig wie der Dank des Siegers an den fairen Verlierer.

Daran, dass sich die Bayern nun nicht mehr aufhalten lassen, glaubt jedenfalls auch Rummenigge fest, das klang klar durch. Und sein designierter Nachfolger Oliver Kahn analysierte im ZDF: «Sie sind absolut wieder auf Kurs. Wir alle kennen ja die gefräßigen Bayern. Die nehmen sich dann die Auszeit, wenn es nicht so schlimm ist. Nämlich in der Hinrunde.»

Die Anzeichen, dass Kahn im neuen Jahr einsteigt und dann nach einer Übergangs-Phase Rummenigge beerbt, verdichten sich derweil immer mehr. Nach Präsident Uli Hoeneß in der Vorwoche sprachen nun auch die beiden Protagonisten überraschend deutlich über die Personalie. Rummenigge nannte das geplante Modell «eine gute Geschichte».

Zu der entwickelt sich nach nun elf Siegen aus zwölf Bundesliga-Spielen auch die Zusammenarbeit mit Trainer Niko Kovac, der im Herbst noch akut um seinen Job bangen musste. «Nach dem 3:3 gegen Düsseldorf haben wir uns zusammengesetzt und gesagt, so kann es nicht weitergehen», erinnerte sich Rummenigge: «Glücklicherweise haben die beiden Parteien zueinandergefunden.» Kovac glaubte derweil auch zu wissen, warum. «Ich habe Ruhe bewahrt», erläuterte er: «In München ist es nicht immer ganz einfach, es wird viel erzählt und geschrieben. Aber die Ruhe war der entscheidende Punkt.»

In Mönchengladbach am Samstag wäre ein Sieg mit sieben Toren Unterschied nötig gewesen, um die Tabellenführung zu übernehmen. Und nach der besten Saisonleistung wären in der Tat noch mehr Tore möglich als die von Javi Martinez (2.), Thomas Müller (11.), zweimal Robert Lewandowski (47./90.+1/Foulelfmeter) und Serge Gnabry (75.); Lars Stindl gelang der Gladbacher Treffer (37.). «Aufgrund der Torchancen hätte man heute sicher Erster werden können», sagte Kovac. Durchaus möglich scheint aber, dass die Bayern nun doch als Tabellenführer in den Showdown am 6. April in München gehen.

Sticheleien in Richtung Dortmund, das versichern die Münchner, wird es aber auch im Hinblick auf das direkte Duell keine geben. «Eine Kampfansage gibt es nicht», versprach Torhüter Manuel Neuer: «Es ist immer sehr fair abgelaufen, so wollen wir das auch fortsetzen.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 03. 2019
14:57 Uhr

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03. 03. 2019
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