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Sport

BVB-Coach Favre: «Denke nicht an Aufgeben»

Lucien Favre sorgt für Rätselraten - mal wieder. Trotz kryptischer Aussagen nach dem 0:1 im Ligagipfel gegen die Bayern denkt der BVB-Coach jedoch nicht an eine ähnliche Flucht wie 2015 aus Mönchengladbach. Und doch wird über seine Zukunft diskutiert.



Lucien Favre
Hatte nach der Heimpleite gegen die Bayern Gesprächsbedarf: BVB-Coach Lucien Favre.   Foto: Federico Gambarini/dpa-Pool/dpa

Erst sorgte BVB-Trainer Lucien Favre für große Aufregung, war aber bereits einen Tag später um Schadensbegrenzung bemüht.

Erschrocken über die große Resonanz für seine kryptischen Aussagen direkt nach dem Titel-Knockout im Ligagipfel gegen den FC Bayern, dementierte der Dortmunder Fußball-Lehrer umgehend Spekulationen über seinen vorzeitigen Abschied: «An Aufgeben denke ich überhaupt nicht. Gestern waren wir alle enttäuscht, meine Worte im Interview direkt nach dem Spiel scheinen aber vielfach falsch verstanden worden zu sein.»

Nur wenige Stunden später wurde er sogar noch deutlicher und schwor dem BVB via Sky die Treue: «Ich werde weitermachen.» Und via «Bild» sagte er: «Ich bin glücklich in Dortmund, habe einen Vertrag bis 2021 und will unbedingt auch nächste Saison auf der Bank sitzen.»

Wie Favre versuchte auch Hans-Joachim Watzke, die Diskussion um die Zukunft des Schweizers schnell wieder einzufangen. «Es gibt aktuell überhaupt keinen Anlass für eine Trainerdiskussion», sagte der BVB-Geschäftsführer den Zeitungen der «Funke Mediengruppe». «Wir spielen eine sehr, sehr gute Rückrunde, hatten vor dem Spiel 27 von 30 Punkten geholt, sind überall gelobt worden. Lucien Favre lag nichts ferner, als jetzt eine Diskussion loszutreten.»

Gleichwohl dürfte die Debatte um Favre den BVB nun bis zum Saisonende begleiten. Die Reaktionen auf den TV-Auftritt des 62-Jährigen gaben einen Vorgeschmack. Auf die Sky-Frage, ob er Sorge vor neuerlicher Kritik habe, kein Titel-Trainer zu sein, hatte er geantwortet: «Das sagt man hier seit Monaten. Ich lese nicht die Zeitung, aber ich weiß, wie es geht. Ich werde darüber sprechen in ein paar Wochen.»

Bei einem Grübler wie Favre stimmen solche Aussagen nachdenklich. Schließlich ist sein spektakulärer Abgang in Mönchengladbach im September 2015, als er die dortige Borussia nach sechs Pflichtspiel-Niederlagen zum Saisonstart überraschend und gegen den Willen der Vereinsführung verließ, noch in bester Erinnerung. Das könne man aber nicht vergleichen, versichert Favre. «Es gibt Menschen, die mich gut kennen und wissen, was in Berlin und Gladbach wirklich vorgefallen ist», sagte er: «Aber das hat hier in Dortmund damit mal rein gar nichts zu tun. Ich wüsste wirklich keinen Grund, warum ich aufhören sollte» Dortmund sei «meine bisher schönste Trainer-Station», so der 60-Jährige.

Die Schlussfolgerung von Sky-Experte Lothar Matthäus ließ nicht lange auf sich warten: «Ich habe mir gleich gedacht: Lucien Favre weg, Niko Kovac kommt. Das war mein erster Gedanke nach der Aussage gerade eben. Wahrscheinlich sucht Dortmund ab Sommer einen neuen Trainer.» Diese Aussage von Matthäus sei «wirklich unglaublich und für mich auch nicht akzeptabel», sagte Favre der «Bild».

Doch der Weltmeister von 1990 war nicht der einzige, der an ein nahes Ende der bisher knapp zweijährigen Amtszeit von Favre beim Revierclub glaubt. Flugs verwies die «Bild» auf angeblich monatelange Kontakte der BVB-Bosse zum ehemaligen Bayern-Coach Kovac, der besser «ins Malocher-Land Ruhrgebiet passe» als der vertraglich noch bis 2021 an die Borussia gebundene Schweizer.

Nach dem Achtelfinal-Aus in der Champions League und im DFB-Pokal sowie dem 0:1 gegen die nun um sieben Punkte enteilten Bayern geht der mit großen Ambitionen in die Saison gestartete Revierclub wohl erneut leer aus. «Jetzt entscheiden nur noch die Bayern, ob sie es machen oder nicht»», kommentierte Abwehrchef Mats Hummels die folgenschwere erste Heimniederlage der Saison.

Favre hat der Borussia zwar eine ansehnliche Spielkultur vermittelt und genießt bei den weitaus meisten Profis höchsten Respekt. Er gilt aber auch als Zauderer. Schon am Ende der vergangenen Saison, als sein Team einen zwischenzeitlichen Neun-Punkte-Vorsprung auf die Münchner noch verspielte, stand er in der Kritik. Und auch als der BVB Ende November zur Halbzeit mit 0:3 daheim gegen den SC Paderborn (Endstand 3:3) zurücklag, schien sein Schicksal besiegelt.

In den Wochen zuvor hatte Favre mit der Vorgabe der Vereinsführung gefremdelt, um den Titel mitspielen zu wollen. Das deuteten Kritiker als weiteren Hinweis auf den fehlenden Mut des zumeist wortkargen Schweizers, der sich nach ihrer Einschätzung vor allem in Spitzenspielen auf die Mannschaft überträgt. So blieb die eigentlich angriffsstarke Borussia in beiden Duellen mit den Bayern (0:4/0:1) torlos.

Vereinsboss Watzke sieht dennoch keine Anzeichen für eine Kapitulation des Fußball-Lehrers: «Ich habe Lucien Favre in den vergangenen Wochen als sehr fokussiert empfunden. Er machte überhaupt nicht den Eindruck, unter Druck zu stehen.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 05. 2020
18:31 Uhr

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