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Sport

Am Tropf der Lockerungen: Bundesliga vor größter Hürde

Die politisch Verantwortlichen sind vom Bundesliga-Konzept offenbar überzeugt, doch für einen schnellen Start braucht es ein klares Signal. Auf das akribisch ausgearbeitete Hygienekonzept folgt im Werben um Akzeptanz nun eine Charmeoffensive bei Kritikern.



Pappkameraden
In Mönchengladbach sind im Borussia-Park bereits Pappaufsteller von Fans für mögliche Geisterspiele aufgestellt.   Foto: Marius Becker/dpa

Im peniblen Ringen um weitere Corona-Lockerungen sehnt die Fußball-Bundesliga das wohl größte Zugeständnis von allen herbei: das klare Startsignal der Politik für eine schnelle Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Während die sportliche Fortsetzung ohne Publikum vor zwei Wochen bei Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten überhaupt kein Thema war, erhoffen sich Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Proficlubs im Wartestand beim nächsten Treffen an diesem Donnerstag den nächsten Schritt. Bei einer Zustimmung aus dem Kanzleramt sollen die verbleibenden neun Spieltage möglichst schon Mitte oder Ende Mai beginnen.

Doch danach sieht es zunächst nicht aus, auch die milliardenschwere Bundesliga hängt am Tropf der Lockerungen, die die Politik nach dem Shutdown Stück für Stück ermöglicht. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer wollte sich am Mittwoch in Berlin nicht festlegen, ob darüber spätestens bei der für den 6. Mai geplanten Unterredung von Kanzlerin und Regierungschefs der Länder entschieden wird. «Für die Neubewertung ist das aktuelle Infektionsgeschehen entscheidend», betonte Demmer. Sie sagte, für die Profis gelten «natürlich die gleichen Infektionsschutzregeln wie für alle anderen auch».

Werden beispielsweise die Ausgangsbeschränkungen bundesweit verlängert, verzögert sich auch die Rückkehr der Bundesligisten in ein reguläres Mannschaftstraining und damit wohl auch der Neustart der Saison, über den momentan für 16. oder 23. Mai spekuliert wird. Im ständigen Ringen um Kompromisse in diversen Branchen wird die Politik nicht allzu viel Rücksicht auf den 30. Juni nehmen können, den die DFL als Stichtermin für das Saisonende veranschlagt hat.

Das auch für den Spitzensport zuständige Bundesinnenministerium steht einer Ausnahmeregelung für Geisterspiele dagegen jetzt schon offen gegenüber - vorausgesetzt das Gesamtkonzept stimmt. Dass eine Erlaubnis für die Bundesliga zwangsläufig an Lockerungen für den Breitensport und für Spielplätze geknüpft wären, sieht man hier nicht. «Man kann eben für bestimmte Situationen eigene Regeln schaffen, die aber nicht überall immer hundertprozentig so umsetzbar sind - etwa auf Spielplätzen», sagte Ministeriumssprecher Steve Alter. Als Beispiel nannte er die Ausnahmeregelung für ausländische Erntehelfer wegen des Saisonkräfte-Mangels in der Landwirtschaft.

Mit ihrem Hygiene- und Sicherheitskonzept hat die DFL nicht nur einige wichtige Politiker überzeugt, sondern offenbar auch zwei wichtige Hürden genommen. Das Bundesarbeitsministerium hat in Sachen Arbeitsschutz grünes Licht für Spiele der 1. und 2. Liga unter Ausschluss von Zuschauern gegeben. «Es sind Wege gefunden worden, Risiken zu minimieren und den Arbeitsschutz auch einzuhalten. Die politische Entscheidung, die noch andere Gesichtspunkte beinhaltet, die müssen jetzt andere treffen», sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Zuvor hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) darüber berichtet.

«Die Signale aus dem Arbeitsministerium haben uns natürlich gefreut», sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in einem Interview von «Münchner Merkur» und «tz» (Donnerstag). Auch die Sportministerkonferenz hält laut einer Beschlusslage, die der dpa vorliegt und über die die «Rheinische Post» zuerst berichtet hatte, die Fortsetzung des Spielbetrieb ab frühestens Mitte Mai «für vertretbar». Rummenigge erklärte, natürlich müsse der Fußball von Spiel zu Spiel den Beweis erbringen, dass man mit den Vorgaben vorbildlich und diszipliniert vorgehe. «Wir wollen und werden unserer Verantwortung gerecht werden», betonte er.

Seit der Einstellung des Spielbetriebs am 13. März haben DFL und die Vereine in knapp sieben Wochen hart gearbeitet, so dass eine Fortsetzung nun in absehbarer Zeit wieder greifbar erscheint. Weil es weiter viele vehemente Kritiker gibt und selbst leidenschaftliche Fans die Zustände in der Branche lautstark beklagen, sollen die Corona-Krise und vor allem die darauffolgende Zeit nun auch zur Bewältigung der derzeitigen Imageprobleme genutzt werden.

«Wenn wir die Krise überstanden haben sollten, muss sich im Fußball einiges ändern», sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der ZDF-Sendung «Markus Lanz». Man müsse wieder «puristischer werden», meinte Watzke und monierte konkret «die Sachen wie Gold-Steak-Geschichten und die ganze Protzerei».

Liga-Chef Christian Seifert ging sogar noch weiter und brachte Obergrenzen bei Spielergehältern, Beraterhonoraren und Ablösesummen ins Gespräch. «Wir wollen nicht einfach nur irgendwie durch die Krise kommen und dann weitermachen wie bisher», sagte Seifert der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Auch er habe in der Bundesliga genügend Dinge gesehen, erlebt und gehört, «die mich nicht unbedingt begeistern». So geht es auch vielen Betrachtern, die nun vehement gegen eine schnelle Rückkehr argumentieren und eine Sonderrolle des Fußballs beobachten und ablehnen. «Wir wollen keine Sonderrolle, aber der Profi-Fußball ist ein Beruf - und wir möchten gewährleisten, dass dieser Beruf unter Einhaltung bestimmter Vorschriften wieder ausgeführt werden kann», sagte Rummenigge.

Aktuell geht es aber um die Rettung der Saison. Und da wurden mit dem Konzept der DFL wichtige Schritte gemacht. «Der Arbeitsschutz der Spieler, Trainer und Betreuer kann bei vollständiger Umsetzung des Konzepts weitgehend sichergestellt werden», heißt es aus dem Arbeitsministerium mit Blick auf das weiterentwickelte Konzept in einem Schreiben von Staatssekretär Björn Böhning (SPD). In einem Schreiben ans Arbeitsministerium, das dem RND und der «Bild-Zeitung» ebenfalls vorliegt, hatte die DFL von einer «Quasi-Quarantäne» der Spieler gesprochen.

Sollten sich die Konzepte bewähren, könne dies laut Beschlussvorlage der Sportministerkonferenz (SMK) auch auf die Frauen-Bundesliga und den DFB-Pokal ausgeweitet werden. Knackpunkt bleibt die Frage: Was ist bei einem Positiv-Test? Die SMK hält in diesem Fall Quarantänemaßnahmen für das betroffene Team für erforderlich.

Watzke ist zuversichtlich: «In diesem geschlossenen System bin ich ziemlich sicher, dass wir es hinkriegen, dass es keinen Fall gibt. Mit diesem System, was wir jetzt bilden, gibt es kaum eine Branche, die eine so höhere Sicherheit hat. Ein Geisterspiel ist eine der sichersten Veranstaltungen überhaupt.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
29. 04. 2020
18:27 Uhr

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29. 04. 2020
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