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Sport

4000 bei Hertha? Geisterspiele in Bielefeld und Gladbach?

Positive Corona-Tests, immer weniger Zuschauer in den Stadien und eine weitere Spielabsage. Die zweite Welle der Corona-Pandemie kommt auch im Profifußball an.



Geisterspiel
Arminia Bielefeld droht gegen den FC Bayern ein Spiel vor leeren Rängen.   Foto: Friso Gentsch/dpa

Die zweite Welle der Coronavirus-Pandemie erfasst den deutschen Profifußball mit voller Wucht.

Angesichts steigender Infektionszahlen im ganzen Land werden am kommenden Wochenende nur wenige Spiele in der Bundesliga und 2. Liga mit mehr als ein paar Hundert Zuschauern stattfinden. Zudem vermelden die Clubs nach - und wegen - der Länderspielpause weitere Corona-Fälle. Das Zweitligaspiel des VfL Osnabrück gegen den SV Darmstadt 98 wurde deshalb verlegt, nachdem zahlreiche Spieler der Niedersachsen in Quarantäne mussten.

«Wir müssen gemeinsame Lösungen finden und die Nerven behalten», sagte Borussia Mönchengladbachs Cheftrainer Marco Rose der Deutschen Presse-Agentur und mahnte: «Es geht ja nicht nur um uns. Es geht um das große Ganze und viele Hygienekonzepte in der Kultur, in der täglichen Arbeit und um das normale Leben. Wir sollten alles dafür tun, einen neuerlichen Lockdown zu vermeiden.»

In etlichen deutschen Städten stieg die Zahl der Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner pro Woche über die kritische Marke 50. Ab einem Wert von 35 sollen eigentlich keine Zuschauer zu Sportveranstaltungen zugelassen werden, die Entscheidung treffen aber die lokalen Behörden vor Ort. Das führt zu unterschiedlichsten Voraussetzungen für das Wochenende.

Das Spitzenspiel des FC Augsburg gegen RB Leipzig, für das 6000 Karten verkauft waren, findet vor leeren Rängen statt. Am Donnerstag hatten sich in Augsburg 64,1 Menschen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage infiziert. RB darf in der Champions League kommende Woche in Leipzig (derzeit 11,5) gegen Istanbul Basaksehir vor 8500 Zuschauer spielen. Die Stadt Mainz (66,8) kippte unter der Woche die Erlaubnis für 6800 Zuschauer bei der Bundesliga-Partie des FSV am Samstag gegen Bayer Leverkusen. Nur 250 dürfen kommen.

Eintracht Frankfurt muss seine Heimspiele wegen stark gestiegener Corona-Zahlen bis 31. Oktober ohne Publikum austragen, teilte die Stadt Frankfurt mit. Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) sagte zur Begründung: «Das ist jetzt der Weg, dass es bei solchen Infektionswerten keine Veranstaltungen mit Publikum mehr gibt. Wir kommen in dieser Situation nicht drum herum, wir können nicht ausscheren und Sonderwege gehen. Es tut mir verdammt leid.» Zuletzt betrug die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohnern an sieben aufeinanderfolgenden Tagen noch 70,9 und war damit nicht mehr weit entfernt von der höchsten Warnstufe des Landes Hessen.

Hertha BSC geht dagegen trotz stark steigender Fallzahlen im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und einem Wert von über 50 derzeit von etwa 4000 Zuschauern gegen den VfB Stuttgart aus. Immerhin: Der Verein will vor dem Spiel die Zuschauer über den Stadionsprecher noch einmal daran erinnern, dass Gesänge in der Hauptstadt-Verordnung verboten sind.

Der positive Corona-Test bei Neuzugang Mattéo Guendouzi nach dessen Reise zur französischen U21-Nationalmannschaft hat dabei keine Auswirkungen, weil der 21-Jährige keinen Kontakt zur Mannschaft hatte. «Es war schon sehr kompliziert mit der Verpflichtung. Jetzt ist der «Worst Case» eingetroffen», sagte Trainer Bruno Labbadia. Am Mittwochabend verzeichnete auch Zweitligist 1. FC Nürnberg zwei positive Test. Aus dem Ausland werden fast täglich neue Fälle gemeldet, zuletzt prominent der von Superstar Cristiano Ronaldo von Juventus Turin.

In Deutschland stellt die sich zuspitzende Corona-Lage den Wert der von der Politik genehmigten Testphase für die Rückkehr der Zuschauer infrage, die eigentlich nach der kommenden Woche enden soll. Erlaubt ist bei niedrigen Corona-Werten die Auslastung der Stadionkapazität von bis zu 20 Prozent.

«Für alle Fans, die jahrelang solchen Spielen entgegengefiebert haben, ist das sehr schade», sagte Arminia Bielefelds Sportchef vor der Partie des Aufsteigers gegen den FC Bayern am Samstag, die wenn überhaupt vor 300 Zuschauern steigen wird. Auch in Ostwestfalen stiegen die Corona-Zahlen zuletzt zu stark. Die TSG 1899 Hoffenheim kann hingegen für das Spiel gegen Borussia Dortmund an diesem Samstag aktuell mit 6030 Zuschauern planen.

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge hatte jüngst den finanziellen Schaden einer Saison komplett ohne Zuschauer auf zwischen 50 und 200 Millionen Euro beziffert. Geisterspiele bleiben aber im Vergleich zum kompletten Stillstand das kleinere Übel. «Das wissen wir alle: Wenn die Saison nicht zu Ende gespielt werden könnte, wären das für alle existenzielle Probleme», sagte Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz am Donnerstag.

Überraschend von einem positiven Effekt berichtete Preetz' Amtskollege von Stadtrivale Union, Oliver Ruhnert. «Ich weiß nicht, ob Spieler wie Joel Pohjanpalo oder Loris Karius oder Max Kruse für uns ein Thema gewesen wären, wenn es Corona nicht gegeben hätte. Denn wir haben klar gesagt: Das geht bei uns, und hier ist Ende», sagte der der «Welt». Auf Transfers bezogen, habe «Corona nicht nur geschadet, sondern auch geholfen», sagte Ruhnert. Er ergänzte aber auch: «So schlimm diese ganzen damit einhergehenden Probleme in Bezug auf das Virus auch sind.»

© dpa-infocom, dpa:201015-99-956104/7

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15. 10. 2020
16:17 Uhr

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15. 10. 2020
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