Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Spielberichte

«Es sind Idioten»: Raketenwürfe überschatten Berlin-Derby

Der 1. FC Union gewinnt das emotionale Derby gegen Hertha BSC durch einen späten Elfmeter. Doch das Sportliche gerät in Berlin in den Hintergrund. Die Partie steht in der zweiten Halbzeit vor dem Abbruch. Auch nach dem Abpfiff gibt es Fan-Aggression.



1. FC Union Berlin - Hertha BSC
Das Spiel wurde wegen Leuchtraketenwürfen für mehrere Minuten unterbrochen.   Foto: Britta Pedersen/dpa

Raketenwürfe auf den Rasen, eine fünfminütige Unterbrechung wegen Pyro und ein versuchter Platzsturm: Mit ihrem unrühmlichen Verhalten haben Anhänger des 1. FC Union und Hertha BSC den 1:0 (0:0)-Sieg der Köpenicker im ersten Derby in der Fußball-Bundesliga überschattet.

«Ich verstehe die Emotionen, aber das geht über die Grenzen hinaus. Das Ganze muss sportlich bleiben», sagte Hertha-Coach Ante Covic nach dem emotionalen Fußball-Abend.

Wegen des Verhaltens der Fans des Verlierers stand die Partie am Rande des Abbruchs, in enger Abstimmung mit der Polizei entschied sich Schiedsrichter Deniz Aytekin für eine Fortsetzung. «Man muss viele Faktoren abwägen. Die oberste Priorität war natürlich die Sicherheit der Verantwortlichen, der Spieler, von uns allen», sagte der Referee. «Letztendlich haben wir dann auch in Abstimmung mit der Polizei - da waren wir in sehr engem Kontakt - entschieden, das Spiel zu Ende zu bringen.»

Nach dem Abpfiff stellten sich mehrere Union-Spieler vermummten eigenen Fans entgegen, die über den Rasen Richtung Hertha-Block laufen wollten. «Es ist unsere Pflicht, die eigenen Fans auch vor Dummheiten zu beschützen», erklärte Siegtorschütze Polter das Einschreiten.

Der Stürmer berichtete, dass eine Leuchtrakete während der ersten Halbzeit einen Meter neben seinen beiden Kindern und seiner Freundin auf der Haupttribüne eingeschlagen sei. «Das ist schrecklich und nicht zumutbar», sagte Polter. «Wenn man weiß, dass die eigenen Kinder getroffen werden könnten, wünscht man das keinem - weder blau-weiß oder rot-weiß.» Anschließend sei seine Freundin mit den Kindern von der Tribüne gegangen und habe das Spiel vor dem Fernseher verfolgt. «Meine Kinder hatten einen Schreck bekommen», sagte Polter. «Es sind Idioten, die sowas irgendwo hinzünden.»

Das Sportliche geriet in den Hintergrund: Polter schoss den 1. FC Union zum umjubelten Sieg im ersten Bundesliga-Duell mit dem Stadtrivalen Hertha BSC. Mit seinem verwandelten Foulelfmeter bestrafte der eingewechselte Stürmer am Samstagabend in der 87. Minute die Passivität der Gäste. «Wir haben das gut gemacht, dass wir uns nicht haben locken lassen. Wir hätten es noch zielstrebiger machen können. Wir waren die dominantere Mannschaft und sind deshalb der verdiente Sieger», sagte Union-Profi Christian Gentner bei Sky.

In einer insgesamt mäßigen Partie ohne zahlreiche Großchancen hatte Union vor 22.012 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei die größeren Spielanteile und belohnte sich spät. Durch den ersten Sieg im dritten Heimpflichtspiel gegen den Stadtrivalen insgesamt verkürzten die Köpenicker den Rückstand auf Hertha in der Tabelle auf nur noch einen Punkt.

«Ich wünsche mir, dass diese Stadt gut auf der sportlichen Ebene vertreten wird», hatte Hertha-Coach Ante Covic noch kurz vor Anpfiff in der Hoffnung auf ein friedliches Derby gesagt. Doch bereits kurz nach Anpfiff schossen die Hertha-Anhänger mehrere Raketen. Nach der Halbzeitpause zündeten beide Fanlager massiv Pyrotechnik, aus dem Gästeblock flogen mehreren Raketen auf den Rasen, eine schlug sogar knapp neben der Union-Spielerbank ein. Der souveräne Schiedsrichter Aytekin schickte die Mannschaften vom Feld in den Kabinengang, erst nach fünf Minuten konnte es weitergehen.

Union erwischte den deutlichen besseren Start. Nach nur drei Minuten köpfte Christopher Lenz nach Flanke von Stürmer Sebastian Andersson aus fünf Metern gegen den Lauf von Hertha-Keeper Rune Jarstein. Als gerade die dritte Leuchtrakete aus dem Hertha-Block über das Stadiondach segelte, prallte der Ball jedoch vom Innenpfosten wieder heraus. Hertha spielte mit Ibisevic und Dodi Lukebakio im Sturm - und verzichtete auf einen klassischen Spielmacher wie Ondrej Duda.

Der normalerweise defensiver orientierte Marko Grujic konnte dieses kreative Vakuum nicht füllen, entsprechend einfallslos gerieten die mauen Angriffsbemühungen der Gäste in der ersten Halbzeit.

Union versuchte es vor allem über die rechte Angriffsseite und stellte Herthas gebürtigen Berliner Maximilian Mittelstädt vor einige Probleme. Die Flanken von Union-Kapitän Christopher Trimmel gerieten jedoch zu ungenau. Wie Covic, der unter anderem Ibisevic und den aus Glasgow derbygestählten Dedryck Boyata zurück in die Startelf brachte, setzte auch Unions Urs Fischer auf Erfahrung. Neben Trimmel kehrte im Vergleich zum 3:1-Zweitrundensieg im Pokal beim SC Freiburg unter anderen Routinier Neven Subotic in die Startformation zurück.

Auch nach der Pause sahen zahlreiche prominente Gäste wie Union-Fan Robert Harting, Schauspieler Kida Khodr Ramadan und der Hamburger Sänger und Rapper Jan Delay nicht viele Chancen. Beide Teams gingen weiter nicht ins letzte Risiko - Union wurde aber mit dem Elfmeter nach Videobeweis doch noch belohnt.

Veröffentlicht am:
02. 11. 2019
22:40 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Christian Gentner Fußball-Bundesliga Hertha BSC Jan Delay Maximilian Mittelstädt Neven Subotic Ondrej Duda Polizei Robert Harting Rune Jarstein SC Freiburg Sebastian Polter Sänger
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Werder Bremen - Hertha BSC

19.10.2019

Lukebakio sichert Hertha in Bremen einen Punkt

Werder führt gegen Hertha BSC lange, verpasst aber die Vorentscheidung. Am Ende rächt sich das. Auch, weil ein Berliner Joker seine individuelle Klasse zeigt. » mehr

Hertha BSC - Borussia Dortmund

30.11.2019

Klinsmann-Comeback misslingt - Luft für Favre

Der Klinsmann-Effekt im ersten Spiel bleibt aus. Hertha rutscht auf Platz 16 ab. Der neue Hertha-Coach sieht dennoch hoffnungsvolle Signale. Für seinen BVB-Kollegen Favre hat sich die Situation erst einmal entspannt. Hum... » mehr

Hertha BSC - 1899 Hoffenheim

26.10.2019

Hoffenheim stoppt spektakulär Hertha-Serie

1899 Hoffenheim beendet die Positivserie von Hertha BSC und setzt den Aufwärtstrend fort. Beim spektakulären 3:2 holen sich die Kraichgauer Schwung für den Pokal, auch Berlin geht zuversichtlich in eine ganz wichtige Woc... » mehr

1. FC Union Berlin - Borussia Mönchengladbach

23.11.2019

Kein Top-Niveau: Spitzenreiter Gladbach verliert bei Union

Nach drei Ligasiegen in Serie kassiert Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach wieder einen Stimmungsdämpfer. Aufsteiger Union Berlin agiert abgezockt - und feiert einen besonderen Abschied. » mehr

1. FC Union Berlin - Werder Bremen

14.09.2019

Werder siegt bei Union - Videobeweis im Fokus

Werders Notelf trotzt in Berlin allen Widrigkeiten. Neuling Union nervt die Bremer, kann sich anders als zuvor gegen Dortmund aber nicht belohnen. Im Fokus steht einmal mehr der Videobeweis. » mehr

Hertha BSC - SC Paderborn 07

21.09.2019

Hertha feiert ersten Saisonsieg - Paderborn Tabellenletzter

Hertha BSC kann doch noch gewinnen. Gegen Aufsteiger SC Paderborn reicht es für die Berliner endlich zu drei Punkten. Überzeugend verläuft die Begegnung allerdings nicht. Die Freude ist aber groß. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Arnstadt Weihacnhtsmarkt

Weihnachtsmärkte Region |
» 50 Bilder ansehen

Razzia Bad Liebenstein Bad Liebenstein

Razzia Bad Liebenstein | 05.12.2019 Bad Liebenstein
» 13 Bilder ansehen

Glasbläser Reuß Gräfenroda Gräfenroda

Glasbläser Reuß | 04.12.2019 Gräfenroda
» 29 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
02. 11. 2019
22:40 Uhr



^