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Regionalsport

"Wir müssen Geduld haben"

Der Amateursport in Deutschland ist zurzeit ausgebremst, der November-Lockdown zur Reduzierung der Corona-Neuinfektionen hat die Sportstätten weitestgehend verwaisen lassen.



Darauf müssen die Fußballfans derzeit verzichten: Rassige Zweikämpfe wie hier im Thüringenliga-Duell zwischen Sonneberg und Geratal.	Foto: Carl-Heinz Zitzmann
Darauf müssen die Fußballfans derzeit verzichten: Rassige Zweikämpfe wie hier im Thüringenliga-Duell zwischen Sonneberg und Geratal. Foto: Carl-Heinz Zitzmann   » zu den Bildern

Der Amateursport in Deutschland ist zurzeit ausgebremst, der November-Lockdown zur Reduzierung der Corona-Neuinfektionen hat die Sportstätten weitestgehend verwaisen lassen. Thüringen bildet da keine Ausnahme, vom Gewichtheben über Badminton bis hin zum Schach ruht der See mindestens bis Monatsende still. Das betrifft natürlich auch die Fußballer, die im Spätherbst normalerweise die Hinrunde abschließen und Pokalspiele absolvieren. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet Sven Wenzel, Spielausschussvorsitzender des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV), über die Herausforderungen des Spielbetriebs in Zeiten der Virus-Pandemie.

Zur Person

Sven Wenzel ist 50 Jahre alt und arbeitet hauptberuflich als Fachmann für Beregnungstechnik in einem bundesweit tätigen Unternehmen für Golfplatzbau und -pflege. Seit seinem 13. Lebensjahr war der Thüringer als Fußball-Schiedsrichter aktiv, in der Wendezeit wurde er im Alter von 20 Jahren in den Spielausschuss des damaligen Kreisverbandes Weimar gewählt. Seit vier Jahren leitet Wenzel den Spielausschuss des TFV und sitzt zudem im Spielausschuss des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV). Die aktive Schiedsrichterei hat er mittlerweile aufgegeben: "Auch mein Tag hat nur 24 Stunden."


Herr Wenzel, in den vergangenen Tagen gab es mehrere Videokonferenzen des TFV mit den Klubs aus der Thüringenliga und der Landesklasse. Sind konkrete Ergebnisse herausgekommen?

Konkret haben wir noch nichts festlegen können, weil wir auf die Entscheidungen von der politischen Seite warten müssen, wie es nach dem November weitergeht. Wir haben uns darauf verständigt, in der 48. Kalenderwoche, also der Woche ab dem 23. November, weitere Konferenzen abzuhalten. Bis dahin rechnen wir damit, dass wir konkretere politische Wegweisungen erhalten.

In anderen Bundesländern ist bereits die Winterpause ausgerufen worden, dort gibt es in diesem Kalenderjahr keinen Spielbetrieb mehr. Wäre das nicht auch eine Lösung für Thüringen, um den Schwebezustand zu beenden?

Ich habe bei den Gesprächen gemerkt, dass die meisten Vereinsvertreter recht optimistisch sind, was die Fortsetzung der Saison betrifft. Außerdem wäre es fatal, jetzt eine vorzeitige Winterpause zu beschließen und dann wenig später von politischer Seite die Information zu erhalten, dass der Erwachsenensport ab Dezember wieder erlaubt ist. Klar wäre es schöner, wenn wir schon etwas beschließen könnten. Aber so ist die Lage im Moment leider nicht. Wir müssen Geduld haben.

Im Frühling und Sommer gab es jede Menge Streit um die Frage, ob die Saison 2019/20 abgebrochen, unterbrochen oder bis in den Herbst hinein verlängert werden sollte. In der Öffentlichkeit hat man diesen Fußball-Zoff zum Teil kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen, weil eine klare Linie fehlte. Was ist schiefgelaufen?

Wir alle - der TFV, die Vereine, die Kreisverbände - haben im Sommer vieles nicht richtiggemacht. Es ist nicht optimal gelaufen, das ist uns bewusst. Aber es nützt nichts, jetzt monatelang nachzukarten. Wir haben in der Gesamtbetrachtung alle nicht die beste Rolle gespielt. Aber nur durch Zurückblicken kommen wir nicht vorwärts.

Blicken wir voraus: Sollte die Winterpause verkürzt werden, um die im November nicht durchgeführten Spiele möglichst bald nachzuholen?

Das war ein Thema in den Videokonferenzen und es gibt auch die Bereitschaft dazu. Man muss allerdings differenzieren. In Südthüringen, also in der Landesklasse-Staffel 3, könnte eine kürzere Winterpause aus territorialen Gründen schwieriger werden als anderswo. Es gibt zwar Kunstrasenplätze, aber wenn es schneit oder friert, sind die ja auch nur eingeschränkt oder gar nicht nutzbar.

Und wie sieht es mit dem viel diskutierten Kaltstart der Punktspiele im Dezember aus - vorausgesetzt, dass der November-Lockdown nicht verlängert wird?

Wir haben als Spielausschuss in den Videokonferenzen mehrere Varianten als Diskussionsgrundlage vorgelegt. Eine Variante ist der Kaltstart, also die schnelle Wiederaufnahme der Punktspiele ab dem Wochenende 5./6. Dezember. Es gibt nach meinem Eindruck ein geteiltes Meinungsbild darüber - mit einer leichten Tendenz, den Kaltstart ohne längere Vorlaufzeit ernsthaft ins Auge zu fassen. Aber es ist absolut nachvollziehbar, wenn Vereine auch sagen: Wir wünschen uns eine Vorlaufzeit mit Training, bevor wir wieder Punktspiele bestreiten.

Gehen Sie davon aus, dass die Saison 2020/21 vollständig absolviert werden kann?

Ich wünsche es mir, aber Sicherheit gibt es nicht. Wegen der Ungewissheit haben wir uns ein klares Ziel gestellt. Es lautet, dass wir in allen Spielklassen die erste Halbserie zu Ende bringen wollen. Das wäre ein erster wichtiger Meilenstein. Deshalb wollen wir nach dem Ende des Lockdowns dort im Spielplan weitermachen, wo wir unterbrechen mussten. Das heißt: Wenn im Dezember oder zu einem anderen Zeitpunkt wieder gespielt werden kann, finden zuerst die Spiele statt, die im November ausgefallen sind.

Und danach?

Wenn ich nur auf die Thüringenliga und die Landesklasse schaue, gibt es recht unterschiedliche Tendenzen, wie es dann weitergehen soll. In der Thüringenliga sehe ich die Tendenz, dass die Vereine alle angesetzten Spiele bis zum Saisonende durchziehen wollen. In der Landesklasse gibt es auch Überlegungen, die Hinrunde durchzuziehen und anschließend einen Playoff-Modus anzuwenden.

Ist das überhaupt möglich?

Ja, denn wir haben die Spielordnung angepasst. Für diese Saison gibt es die Möglichkeit, nach der Beendigung der Hinrunde Playoffs durchzuführen. Und grundsätzlich haben wir in der Spielordnung neu verankert, dass eine Quotientenregelung wie in der vorigen Saison angewendet werden kann, falls eine Saison nicht komplett durchgezogen wird. Voraussetzung für die Quotientenregel ist allerdings, dass über 50 Prozent der angesetzten Spiele absolviert sind.

Wenn Sie über die laufende Saison hinausblicken: Befürchten Sie eine Abmeldungswelle von Mannschaften? Viele Fußballer, die längere Zeit nicht spielen und trainieren können, werden sich Gedanken darüber machen, das Hobby zu wechseln!

Das wird es schon geben, dass einige merken: Auf der Couch ist es ja auch ganz schön! Wir haben bei diesem Thema Sorgenfalten und es gibt vorrangig in den unteren Spielklassen auch schon Mannschaften, wo es mit der Besetzung eng wird. In der Verbandsliga und den Landesklassen sehe ich das im Moment nicht. Da habe ich eher das Gefühl, alle scharren mit den Hufen und wollen so schnell wie möglich wieder auf den Platz. Aber es macht keinen Sinn, unsere Sorgen zu verheimlichen. Das wird in anderen Sportarten ähnlich sein, dass es dort Abmeldungen gibt als Folge der eingeschränkten Trainings- und Spielmöglichkeiten.

Bleibt die Frage: Macht Ihnen das Ehrenamt als Spielausschussvorsitzender eigentlich noch Spaß?

Ja, es macht noch Spaß. Es ist eine Herausforderung, man muss im Moment noch mehr Zeit investieren als sonst. Aber das ist die Sache wert.

Interview: Ulrich Klemm

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Veröffentlicht am:
13. 11. 2020
08:32 Uhr

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13. 11. 2020
08:32 Uhr



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