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Regionalsport

Was ist richtig, was ist falsch ?

Nein, mit Ruhm hat sich der Thüringer Fußball-Verband (TFV) in den zurückliegenden Wochen nun wahrlich nicht bekleckert.



Entzugserscheinungen: Auf solche spektakulären Szenen wie beim Landesklasse-Derby zwischen der SG Borsch und der SG Glücksbrunn Schweina am 25. August 2019 (Endstand 2:3) müssen die Fußballfans momentan verzichten.	Foto: Heiko Matz
Entzugserscheinungen: Auf solche spektakulären Szenen wie beim Landesklasse-Derby zwischen der SG Borsch und der SG Glücksbrunn Schweina am 25. August 2019 (Endstand 2:3) müssen die Fußballfans momentan verzichten. Foto: Heiko Matz   Foto: Heiko Matz

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln - die zugegebenermaßen schwierige Entscheidungsfindung über den Abbruch oder die Fortsetzung der Saison verlief in Zeiten der Corona-bedingten Unsicherheit wenig überzeugend. Dies gilt besonders für den Nachwuchsbereich, wo man binnen 24 Stunden die Pferde wechselte und von Fortsetzung auf Abbruch umschwenkte.

Andererseits hat niemand eine Patentlösung parat, denn die Weiterentwicklung der Pandemie lässt sich nicht vorhersagen. Die Fortsetzung der Spielzeit 2019/20 ab September könnte scheitern, wenn die Corona-Fallzahlen zu diesem Zeitpunkt wieder gravierend ansteigen. Würde das aktuelle Spieljahr abgebrochen und im Herbst die neue Saison gestartet, könnte die befürchtete zweite Pandemie-Welle möglicherweise dafür sorgen, dass auch die Serie 2020/21 nicht bis zum Ende gespielt wird.

Unsere Zeitung fasst die bisherigen Entwicklungen im Thüringer Fußball-Streit zusammen - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Ausgangslage

Am 13. März kam das Stoppzeichen. Aufgrund der Corona-Pandemie ruhte ab diesem Tag der Spielbetrieb im Thüringer Fußball, die Saison wurde unterbrochen. Schon bald keimte die Diskussion über das weitere Vorgehen auf. Die Meinungen waren geteilt, die Stimmung schwankte zwischen Abbruch und Abwarten. Wochenlang stocherten die Vereine im Nebel, bis der TFV am 5. Mai verkündete, die Saison bis zum 31. August auszusetzen und ab dem 1. Spetember fortzuführen. Diese Verlautbarung basierte auf einer Abstimmung der Vereine, die sich nach TFV-Angaben mit einer Mehrheit von rund 58 Prozent für die Saisonfortsetzung ab Herbst aussprachen, sofern es die behördlichen Verordnungen erlauben.

 

Nachwuchs als Streitfall

Der Beschluss, die Saison zu unterbrechen, galt zunächst auch für den Nachwuchsspielbetrieb. Interessanterweise hatte jedoch der Jugendausschuss des TFV völlig andere Vorstellungen und reichte den Antrag ein, die Vorgehensweise zu revidieren. Dies lehnte der TFV-Vorstand auf einer Tagung am 27. Mai rundweg ab, um nicht einmal einen Tag später die Kehrtwende zu vollziehen. Plötzlich war von einer "signifikant anderen Ausgangslage" die Rede. Der TFV berief sich auf Entwicklungen beim Bayerischen Fußball-Verband, wo sich eine Tendenz zum Abbruch in den Nachwuchsspielklassen abzeichnete. Somit wäre Thüringen der einzige DFB-Landesverband gewesen, in dem eine Fortsetzung der Saison im Nachwuchs erfolgt wäre. Eine überzeugende Begründung für den radikalen Schwenk fehlt bis heute. Hinter vorgehaltener Hand ist von Problemen mit dem DFB-net die Rede. Diese Datenbank ist die Grundlage für die Erstellung der Spielformulare - und sie ist technisch offenbar nicht dafür ausgelegt, eine Saisonverlängerung über den 30. Juni hinaus zu erfassen, zumal an diesem Stichtag viele Nachwuchsfußballer aufgrund der Altersklassenregelungen in eine neue Jahrgangsstufe wechseln.

 

Wachsender Unmut

Die Nachwuchs-Kehrtwende stand und steht dem TFV nicht gut zu Gesicht. Daniel Rudloff vom Vorstand des FC Eisenach machte seinem Unmut in einem offenen Brief an TFV-Präsident Wolfhardt Tomaschewski Luft: "Auf was sollen wir uns als Vereine verlassen können? Wie sollen Planungen aussehen? Sollen wir bei jeder Entscheidung erstmal zwei Tage warten, ob diese Bestand hat?" Mit dieser Meinung steht Rudloff nicht alleine da. Im Gegenteil, denn auch aus dem Erwachsenenbereich intensivierten sich die Rufe nach
einem Saisonabbruch. Lars Sänger vom Erfurter Verein Sport-Freunde Marbach brachte eine entsprechende Petition auf den Weg. Neun Klubs aus der Männer-Thüringenliga, die bereits frühzeitig für einen Saisonabbruch votiert hatten, meldeten sich mit einer gemeinsamen Erklärung zu Wort und bemängelten, dass eine ergebnisorientierte Kommunikation mit der TFV-Führung nicht zustande gekommen sei. In dem Schreiben unter der Überschrift "Saisonabbruch jetzt!" ist von einer "katastrophalen Situation" die Rede, in der sich der Thüringer Fußball befinde. "Es werden Beschlüsse gefasst, revidiert, Erklärungen abgegeben, Spekulationen angeheizt. Einigkeit in den Gremien des TFV - Fehlanzeige!"

 

Reaktion des Verbandes

Beim TFV vernahm man diese Stimmen sehr wohl, berief sich jedoch auf die Mehrheitsentscheidung der Vereine vom 5. Mai. Allerdings dämmerte es den Verantwortlichen, dass sie sich auf dünnem Eis bewegen, zumal erste Klubs mit der Einlegung von Rechtsmitteln drohten. So lässt sich wohl auch das Einlenken hinsichtlich des Außerordentlichen Verbandstages erklären. Dieser sollte am 20. Juni stattfinden und war zunächst Corona-bedingt in den Winter verschoben worden. Angesichts des allgemeinen Murrens kam der TFV-Vorstand am vorigen Samstag jedoch zum Entschluss, die Friedenspfeife anzuzünden und den Verbandstag nun auf den 18. Juli zu legen. "Die Tagesordnung, die dafür zu beschließen war, sieht unter anderem vor, den Beschluss vom 05.05.20 (Fortsetzung der Saison 2019/20) unter Berücksichtigung des Beschlusses vom 28.05.20 (Saisonabbruch im Nachwuchs) zu bestätigen und Ordnungsänderungen auf den Weg zu bringen", heißt es in einer TFV-Stellungnahme. Diese wurde kurz nach ihrer Veröffentlichung um folgenden Nachsatz ergänzt: "Natürlich ist dabei auch ein Abbruch möglich."

 

Fazit

Wie auch immer letztlich entschieden wird - das Tischtuch zwischen dem Verband und den Vereinen hat große Risse bekommen. Die Kritik am Hin und Her des TFV ist absolut nachvollziehbar und auch berechtigt. Andererseits existiert ein Mehrheitsbeschluss für die Saisonfortführung. Das verbindende Element zwischen den Konfliktparteien ist die Unsicherheit über den Fortgang der Pandemie. Egal, was die Klubs wollen oder was der TFV beschließt - kommt es erneut zu Corona-Ausbrüchen wie im März, rollt kein Ball mehr. Also: Was ist richtig, was ist falsch? Diese Frage lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös beantworten.

 
Autor
Ulrich Klemm

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Veröffentlicht am:
27. 06. 2020
12:45 Uhr

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Autor
Ulrich Klemm

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Veröffentlicht am:
27. 06. 2020
12:45 Uhr



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