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Von der Geschichte einer Bahn und der Gelassenheit von Sportlern

Top-Favorit Johannes Ludwig gewinnt das Internationale Sommerrodeln von Ilmenau souverän. Bei den Damen nutzt Jessica Degenhardt (Altenberg) das Fehlen von Seriensiegerin Dajana Eitberger.



Kurvenfahrt des Siegers: Johannes Ludwig vom WSV Oberhof ist beim Sommerrodeln nicht zu schlagen. Foto: Gerhard König
Kurvenfahrt des Siegers: Johannes Ludwig vom WSV Oberhof ist beim Sommerrodeln nicht zu schlagen. Foto: Gerhard König  

Ilmenau - Ach, wie schade! Ausgerechnet im 30. Jubiläumsjahr der Ilmenauer Rennrodel-Kunststoffbahn "Wolfram Fiedler", und nachdem sie übers Jahr so aufwendig saniert und optisch aufgemöbelt worden war - mit nicht geringem Eigenanteil des gastgebenden RC Ilmenau -, steckten nur zwei Flaggen am Auslaufhang: Neben der deutschen nur noch die italienische - die allerdings zum ersten Mal. Im Jahr zuvor hatte allein die Qualifikation für die beiden letzten Startplätze des Männer-Feldes 13 Fahrer aus fünf Nationen vereint. Aber die sonstigen Stammgast-Nationen wie Österreich, Polen, Tschechien oder Slowakei konnten oder wollten diesmal nicht kommen. Immerhin: Die tschechischen Nachbarn hatten zwei Wochen zuvor ausgiebig in dieser fast einmaligen Sportstätte trainiert ("fast", weil es in Zwickau noch eine zweite gibt, etwas kürzer und etwas älter). Denn wenngleich Wettkämpfe auf Rollenschlitten nur einen beschränkten Aussagewert haben: Als Trainingsstätte über die Sommermonate ist so eine Kunststoffbahn extrem wertvoll und damit fast mit Hans Renners berühmten Skisprungmatten vergleichbar.

Ein letztes DDR-Produkt

Am 7. Oktober 1989, also vor 30 Jahren, war die 430 m lange Kunststoffschlange mit acht Kurven und zwölf Prozent Gefälle übergeben worden: Ein letztes Produkt der DDR, die damals schon ihren Untergang erahnen ließ: Am Abend nach der Einweihung wurde unten in der Stadt, an der Ilmenauer Festhalle, eine Protest-Demo brutal aufgelöst.

Und auch die Bahn selbst zeugte eher vom Nicht-mehr-Funktionieren der Planwirtschaft: Sie entstand nämlich außerhalb staatlicher "Bilanzen" und war damit ein Produkt der damals allgegenwärtigen Schattenwirtschaft mit ihren Tauschgeschäften: "Die Bahn ist mit Adidas-Turnschuhen und Goldbrand gebaut worden", so ein legendärer Satz eines der Erbauer im Rückblick.

Für die jeweils 17 Starterinnen und Starter der Elite- und der Jugend-Rennen war dieser Ilmenauer FIL-Sommerrodel-Cup aber eher Anlass zum Rückblick auf die zu Ende gehende Sommervorbereitung und ihren Trainingseffekten. Und da konnte etwa Johannes Ludwig recht zufrieden damit sein, dass er als einziger in drei Läufen jeweils unter 20,50 Sekunden geblieben war und mit 4,20 Sekunden auch die beste Startzeit hatte. Offenbar funktioniert sein "Abwesenheit-Training" im neuen Wohnort Walsrode (Niedersachsen), wohin er mit seiner Familie gezogen ist, der besseren beruflichen Perspektiven wegen. "Ich kann dort athletisch die Trainingspläne umsetzen. Und für die fahrtechnischen Feinheiten komme ich dann jeweils nach Oberhof. Ich will angreifen: Mein letzte Winter mit den vierten Plätzen, der hat mich schon ein wenig gewurmt."

Hinter Sebastian Bley und Florian Berkes (beide RT Suhl) ordnete sich Sascha Benecken als zweiter heimischer Top-Fahrer auf Rang vier ein, vor dem aufstrebenden Junioren-Weltmeister Max Langenhan (BRC Friedrichroda), der aber seinen dritten Lauf leicht vergeigte. Namensvetter und Vorjahressieger Andi verzichtete auf einen Start: "Ich könnte ja nur verlieren", scherzte er.: "Entweder bin ich ein schlechter Fahrer oder ein schlechter Trainer."

Die werdende Mutter Dajana Eitberger konnte derweil entspannt und Autogramme gebend zuschauen, wie die Start-starke Jessica Degenhardt vom RRC Altenberg ihr Fehlen auf der Startliste zum Triumph nutzte. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass es diese Chance für die Konkurrenz 2020 kein zweites Mal geben soll: "Wenn alles wie geplant abläuft will ich Ende April, Anfang Mai wieder ins Training einsteigen." Und damit bestätigen, dass mit Kindern an der Seite zwar mehr Gelassenheit, aber keineswegs weniger Ehrgeiz ins Leben eines Leistungssportlers einziehen werden. So zumindest prophezeite ihr das Familienvater Johannes Ludwig vor laufendem Mikrofon ...

Autor

Ralf Brückner
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Veröffentlicht am:
08. 09. 2019
20:32 Uhr

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Autor

Ralf Brückner

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Veröffentlicht am:
08. 09. 2019
20:32 Uhr



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