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Regionalsport

Rekordflut auf der Dorfwiese

Neustädt bei Gerstungen geht in die deutsche Leichtathletik-Geschichte ein. Im kleinen, erlesenen Starterfeld beim 4. Kugel-Cup purzeln einige persönliche Bestmarken. Auch wenn er unzufrieden mit der eigenen Leistung ist, fühlt sich Ex-Weltmeister David Storl pudelwohl.



Mit Wucht: David Storl, Weltmeister von 2011, versucht, seine ganze Kraft und sein Körpergewicht hinter die Kugel zu bringen. Das ist ihm in Neustädt gut, aber noch nicht optimal gelungen. Fotos (3): Gerhard König
Mit Wucht: David Storl, Weltmeister von 2011, versucht, seine ganze Kraft und sein Körpergewicht hinter die Kugel zu bringen. Das ist ihm in Neustädt gut, aber noch nicht optimal gelungen. Fotos (3): Gerhard König   » zu den Bildern

Neustädt/Gerstungen - "Es muss doch nicht immer alles nur kaputt- gemacht werden. Es ist schön, dass man versucht, hier etwas aufzubauen", ist ein Grund, warum der erste deutsche Kugelstoßweltmeister David Storl auf der Rasenanlage in Neustädt am Start war. Freilich wollte er auch seinem Freund die Einladung nicht ausschlagen. Heiko Wendorf vom Eisenacher LAV kam vor vier Jahren auf die Idee, in seiner Wahlheimat Neustädt einen Kugelstoß-Wettbewerb auszurichten. In diesem Jahr lockte der Leichtathletik-Enthusiast einige deutsche Spitzenstoßer in die 300-Seelengemeinde.

Auf einem Stück Wiese, welche für den Rest des Jahres brachliegt, richteten die rührigen Organisatoren um Wendorf die kleine Kugelstoßanlage her und ließen es den Athleten an nichts fehlen. Aus aller Munde erhalten die Neustädter viel Lob für ihr Organisationstalent.

"Ich bin froh, dass das Land Thüringen seine Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie am Samstag aufgehoben hat", freute sich Heiko Wendorf. Somit wurde sein 4. Stoßer-Cup zum ersten offiziellen Wettkampf für die starken Männer und Frauen. Und weil Steven Richter, der U18-Athlet vom LV 90 Erzgebirge, mit seinen 21,08 m zuerst an diesem heißen Nachmittag für eine neue deutsche und persönliche Jahresbestleistung mit der 5-Kilo-Kugel sorgte, geht der Tag in die Geschichtsbücher des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ein. Nur wenig später legte Julia Ritter bei den Frauen in Sachen deutsche Jahresbestleistung nach. Gleich zweimal wuchtete die 21-jährige Bundespolizeimeisterin die 4 kg schwere Kugel auf 17,76 Meter. Das waren immerhin 14 Zentimeter weiter als je zuvor in ihrer noch jungen Karriere.

"Ich hatte bisher nie etwas von diesem Ort gehört. Sicherheitshalber reisten wir einen Tag eher an. Es machte riesigen Spaß. Ich hatte mich riesig auf diesen ersten Wettkampf gefreut", sprudelte es aus der Glückseligen, die sich mit ihrem gelungenen Auftritt ins Gespräch für eine Olympia-Fahrkarte 2021 nach Tokio brachte. "Vielleicht kam mir die lange Vorbereitungszeit mit der längeren Wettkampfpause entgegen. Wir Kugelstoßer stehen im Normalfall nicht auf lange Vorbereitungszeiten. Es hat sich gelohnt. Jetzt will ich die 18-Meter-Marke knacken und bei der deutschen Meisterschaft im August meine Leistungen bestätigen. Ich würde gern wieder hierherkommen. Vielleicht finden dann ein paar Zuschauer mehr den Weg zu dieser schönen Anlage."

Publikumsliebling Kappel

Technische Probleme bei seinen Stößen ließen den zweifachen Weltmeister David Storl (SC DHfK Leipzig) weniger glücklich dreinschauen. "Ich hatte mir für diesen Wettkampf mehr vorgenommen als die 20,24 m. Im Training lief es wesentlich besser", erklärte der Perfektionist, der Mitte Juli seinen 30. Geburtstag feiert. Bereits beim Einstoßen zeigte sich der Hüne nervös, hegte Selbstzweifel. Vielleicht sollte der erfahrene Athlet einmal auf die gesetzten Ziele vor und beim Wettkampf verzichten und einfach nur zeigen, dass er Spaß an seinem Sport hat, was bekanntermaßen vieles leichter macht, auch beim Stoßen mit der 7,26 kg schweren Kugel.

Wesentlich entspannter, aber nicht mit minder großen Zielen startete Para-Olympiasieger und Weltmeister Niko Kappel in diesen Wettkampf. Die Frohnatur flachste, lachte und zeigte sich bei seinen Stößen konzentriert. "Über meine persönlichen Kontakte zu Heiko Wendorf fand ich den Weg hierher. Ich sah es als gute erste Wettkampfmöglichkeit. Es hat riesigen Spaß gemacht, auch wenn ich mit meiner Leistung nicht zufrieden bin. Die Atmosphäre ist toll. Es tut jedem Sportler gut, unter Wettkampfbedingungen seine Leistung zeigen zu können", meinte der Bankkaufmann, der sich in seinem Heimatort Welzheim als CDU-Mitglied im Gemeinderat einbringt. Der Mann vom VfL Sindelfingen wuchtete seine Vier-Kilo-Kugel 13,41 Meter weit. Nach dem Wettkampf knieten sich einige Zuschauer und Athleten vor dem sympathischen Sportsmann nieder - natürlich nur, um beim Erinnerungsfoto auf Augenhöhe zu sein. Der "Behindertensportler" der Jahre 2016 und 2017 begleitete die Fotoaktionen mit lockeren Sprüchen. Klar, dass er zum Publikumsliebling avancierte.

Die Nordhäuserin Chantal Rimke, die erst im Vorjahr zum Sportclub nach Jena wechselte, war Thüringens einzige Vertreterin. Unter den Augen ihrer Trainerin Petra Felke, die einstige Weltklasse-Speerwerferin aus Jena, erwischte sie im letzten Versuch die Kugel optimal. Das Eisen landete bei 14,19 m, die ihr in der U 16 den Sieg einbrachten.

Auch wenn die Athleten mehr Zuschauer verdient hatten, jene die gekommen waren, bereuten es nicht. Sie durften eine Kugelstoßer-Familie erleben, die imstande war, schnell ihre Herzen zu erobern.

Autor

Liane Reißmüller
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
15. 06. 2020
11:40 Uhr

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Liane Reißmüller

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Veröffentlicht am:
15. 06. 2020
11:40 Uhr



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