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Von Berlin nach New York - im Tiefflug

Der querschnittsgelähmte Neuhaus-Schierschnitzer Mike Bischoff startet beim Berlin-Marathon. Mit dem Handbike saust er in nur 1:37 Stunden durch die verregnete Hauptstadt.



Durch das verregnete Berlin: Mike Bischoff bewältigt die Strecke beim Berlin-Marathon in nur einer Stunde und 37 Minuten - ein neuer persönlicher Rekord für den Mann aus Neuhaus-Schierschnitz.
Durch das verregnete Berlin: Mike Bischoff bewältigt die Strecke beim Berlin-Marathon in nur einer Stunde und 37 Minuten - ein neuer persönlicher Rekord für den Mann aus Neuhaus-Schierschnitz.   » zu den Bildern

Berlin - Mike Bischoff gehörte zu den ganz normalen Typen. Gäbe es da nicht diesen Tag im April 2003. Ein Tag, der sein Leben für immer auf den Kopf stellte. "Ich hatte einen Motorradunfall. Seitdem bin ich ab dem dritten Brustwirbel querschnittsgelähmt", bringt es der heute 43-Jährige kurz und nur scheinbar schmerzlos auf den Punkt. Bischoff war zwar fortan an den Rollstuhl gefesselt und somit stark bewegungseingeschränkt, doch "ich habe mein ganzes Leben lang Sport gemacht, und mir fehlte die Bewegung." Keinesfalls konnte der mittlerweile in Mitwitz bei Coburg Wohnende aber gleich als Rollstuhlfahrer durchstarten, hatte sich zwar vor zwei Jahren ein Handbike zugelegt, doch "lange Zeit konnte ich es gar nicht nutzen, da ich große Nervenschmerzen hatte und so gut wie alles weh tat, sobald man sich irgendwie bewegte. Ein Thema für sich ...", meint der Blondschopf, der lieber über den Sport als über sein Handicap redet. Darüber, dass er im Dezember 2015 ganz langsam mit dem Handbike-Training begann, dass er am Anfang daheim, auf Rollen, gerade so vier, fünf Kilometer schaffte.

Ein spitzbübiges Grinsen folgt. Jedenfalls habe er einfach mal rausgehauen: "Ich fahre irgendwann den New-York-Marathon". Und dieses Ziel habe er dann nicht mehr aus den Augen verloren und wurde auch im Training immer besser. Nebenbei erkundigte sich Bischoff auch, wie er als Rollstuhlfahrer überhaupt nach New York komme, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssten. "Alles nicht so einfach", kommentiert er das Prozedere. Doch lernte er dabei auch Gleichgesinnte aus ganz Deutschland kennen und startete im Januar 2017 in Miami, wo er eine Einladung nach New York bekam. "Für November! Diesen Jahres!"

Und praktisch auf dem Weg nach New York liegt - zumindest für Bischoff und einige andere Sportverrückte - nun eben mal Berlin, genauer gesagt der Berlin-Marathon, für Läufer einer der schnellsten Kurse auf diesem Planeten. Am vergangenen Wochenende gab's die nunmehr 44. Auflage dieses Massenspektakels- mit gut 40 000 Finishern, darunter auch Handbiker Mike Bischoff. Doch der Mann aus Neuhaus-Schierschnitz hätte um Haaresbreite seinen lang ersehnten Start absagen müssen. "Harnwegsinfekt", verbunden mit unbeschreiblichen Krämpfen im Unterleib, lautete die Diagnose drei Tage vor dem Berliner Spektakel. Doch "dann dachte ich mir aber, dass ich das sicher bereuen würde", philosophierte Bischoff über eine Absage. Doch diese kam nicht für ihn in Frage. "Wozu fahre ich sonst nach Berlin und tue mir den Stress an? Mit Medikamenten war es erträglich", erinnert sich Bischoff, den kurz nach dem Start aber andere Probleme begegneten. Sie fielen geradewegs vom Himmel: Regen!

Auf einem Handbike liegt man "fünf bis acht Zentimeter über der Straße und nimmt quasi alles an vorhandener Feuchtigkeit auf", beschreibt Bischoff seine Hatz durch Berlin, die er mehr oder weniger total durchgeweicht beendete. Durchgeweicht, aber glücklich, denn: "Ich kam auf meine eigene Rekordzeit von einer Stunde und 37 Minuten." Das schien Bischoff all die Qualen wert gewesen zu sein. Und der Handbiker lässt sich auch Tage danach nicht in die Schublade "Einmal und nie wieder" pressen, denn im November soll die Krönung folgen: "New York wird entspannt. Da geht's um den Spaß, nicht um die Zeit. Und ich fahre dann mit dem Trikot von Radcore Sonneberg."

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Lars Fritzlar
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Veröffentlicht am:
01. 10. 2017
17:43 Uhr

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Lars Fritzlar

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Veröffentlicht am:
01. 10. 2017
17:43 Uhr



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