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Lokalsport Sonneberg

"Die Zeit für den Lauf ist abgelaufen"

Zum letzten Mal fällt am Sonntag, 15. September, auf dem Sportplatz in Blechhammer der Startschuss zum traditionellen Steinachtallauf.



All die vergangenen knapp 40 Jahre dasselbe Bild am Start des Steinachtallaufes: Breit gezogen ist das Läuferfeld auf dem Sportplatz in Blechhammer. Hier ein Bild aus dem Jahre 2010.	Fotos: Carl-Heinz Zitzmann (3), SV Blechhammer/Archiv (3)
All die vergangenen knapp 40 Jahre dasselbe Bild am Start des Steinachtallaufes: Breit gezogen ist das Läuferfeld auf dem Sportplatz in Blechhammer. Hier ein Bild aus dem Jahre 2010. Fotos: Carl-Heinz Zitzmann (3), SV Blechhammer/Archiv (3)   » zu den Bildern

Zum letzten Mal wird Uwe Oberender vom Landratsamt Sonneberg am Sonntag, 15. September, nach Blechhammer fahren, seine Pistole auspacken und zwei Startschüsse abfeuern - um 9.30 Uhr schickt er die Wanderer, eine Viertelstunde später die Läufer der 39. und letzten Auflage des traditionsreichen Steinachtallaufes auf die Strecken. Abgesehen vom GutsMuths-Rennsteiglauf hat wohl kein anderer Lauf in der Region dieses Eigenschaftswort "traditionsreich" verdient, auch wenn in acht Tagen der letzte Vorhang fällt.

39. (und letzter) Steinachtallauf

Termin: 15. September 2019

Start/Ziel: Sportplatz in Blechhammer

Strecken: 1,4 km (Juniorlauf), 3 km, 10 km, Halbmarathon und 10-km-Wanderung (geführt) - Startzeiten: 9.30 Uhr (Wandern), 9.45 Uhr (alle Läufe)

Voranmeldungen, Telefon: 03675-744338 (ab 16 Uhr) - Internet: www.steinachtallauf.com - Post: Christa Demmler, Alte Schulstraße 5, 96515 Sonneberg

Meldeschluss (Lauf): 15. September 2019, 8.30 Uhr (Nachmeldung vor Ort)

Verpflegung: Tee nach 5 und 10 km, Speisen und Getränke im Ziel

 

Stefan Schneider, der Vorsitzende des gastgebenden SV Blechhammer, gibt sich sichtlich Mühe, den dicken Frosch in seinem Hals runterzuschlucken, doch das will einfach nicht klappen. Klar sei er traurig, aber trotzdem wollen er und seine Mitstreiter in einer Woche ein guter Gastgeber sein, wenn auch mit der einen oder anderen dicken Träne im Auge.

 

"Es ist uns wirklich nicht einfach gefallen", beginnt der 41-Jährige dann doch zu reden. "Aber letztlich haben wir uns entschieden, den Lauf künftig nicht mehr auszurichten." In den vergangenen Jahren hätte sich der "Untergang" dieser Traditionsveranstaltung angedeutet - glasklar in den sinkenden Teilnehmerzahlen. Am Ende habe dann auch der Rückhalt in der Bevölkerung und auch im Verein gefehlt. Und längst macht das Gerücht vom Ende des Steinachtallaufes die Runde. Das erfährt Schneider, seit sechs Jahren Vorstand beim SV Blechhammer, selbst als Zuschauer beim Sonneberger Spielzeuglauf, Ende August. "Dirk Eichhorn aus Steinach ist da auf mich zugekommen und meinte: ‚Ist das denn euer Ernst. Es ist doch ein so schöner Lauf. Eigentlich wollte ich diesmal pausieren, aber wenn es wirklich der Letzte ist ...’, hat er gesagt."

Der endgültigen Entscheidung war ein langwieriges Prozedere vorausgegangen, denn so "mir nichts, dir nichts" lösche man dieses Spektakel nicht einfach aus dem Laufkalender.

Zunächst waren die Mitglieder im Verein gefragt worden, anlässlich der Jahreshauptversammlung im späten Frühjahr dieses Jahres. "Der Lauf war eigentlich die wichtigste Agenda dieses Abends", erinnert sich Schneider. "Wir haben offen diskutiert, das Für und Wider abgewogen", ergänzt er. Selbst Sonnebergs Bürgermeister Dr. Heiko Voigt bezeichnete als Anwesender die Debatte als "sachlich geordnet". Die Tendenz sei aber schon zur Mitgliederversammlung herauszulesen gewesen. "Man hat aus den Mitgliedern herausgehört. Die Zeit für den Lauf ist abgelaufen", so das bedauerliche Fazit Schneiders nach dieser Mitgliederversammlung.

So einfach wollte es sich der Vorstand des SV Blechhammer dann aber auch nicht machen. Eine weitere Vorstandssitzung folgte, in der die Meinungen auch nicht deckungsgleich schienen. Auch eine Abstimmung über das Wohl und Wehe dieses Laufes im Vorstandsgremium fand keine gescheite Mehrheit - weder in die eine noch in die andere Richtung. "Doch am Ende blieb uns beinahe nichts anderes übrig", entschuldigt sich Schneider. "Doch so leid es uns auch tut, am Ende war einfach der Rückhalt nicht mehr da." Das sei einer der Gründe gewesen, die zu der Entscheidung geführt hätten. Am Ende sei aber zu erkennen gewesen, dass "wir es auch organisatorisch nicht mehr stemmen können", sucht Schneider nach den passenden Worten und einer Erklärung. Die immer neue Suche nach so dringend benötigten Helfern, aber auch die Bürokratie hätten da sicherlich auch eine Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt.

"Aber schauen wir uns mal die Starterzahlen der letzten Jahre an", erklärt der Vereinschef. "Natürlich macht es mehr Spaß, wenn du den ganzen Aufwand für, ich sage mal, 130, 140 Läufer machst und nicht für 65", gibt Schneider zu bedenken und ergänzt: "Da war aber einfach keine Steigerung in Sicht."

Auch neue Ideen hätten den Weg in die traditionsreiche Veranstaltung gefunden - allerdings nicht mit einschlagendem Erfolg. So habe man vor zwei Jahren bei allen Läufen im Umkreis mit Flyern für den Steinachtallauf geworben - ohne spürbaren Erfolg. Selbst am Streckenangebot wurde gefeilt. Zum Halbmarathon, der zehn und drei Kilometer gesellte sich im Jahr 2017 auch eine 1400 Meter kurze Strecke hinzu. "Das wurde auch angenommen", berichtet Schneider, "von sechs, sieben Läufern."

Tapfer hält sich aber auch die Vermutung, dass die Strecke einfach zu schwer sei für Gelegenheitsläufer. "Sie ist schon anspruchsvoll", lobt Schneider den Kurs. "Selbst bei den drei Kilometern geht es erst mal gleich bergauf", schwärmt er mit zaghaftem Grinsen und betont. "Aber die Strecken sind auch schön, wirklich schön, weil sie zu gut 99 Prozent durch den Wald gehen. Wo findest du das heute noch?"

Damals, im Jahre 1980, sollen Wanderer und Volkssportläufer der BSG Keramik Sonneberg beim gerade gegründeten KFA Wandern/Bergsteigen/Orientierungslauf und Volkssportlauf darauf gedrängt haben, einen eigenen Lauf ins Leben zu rufen. Nach intensiven Gesprächen mit dem Kreissportbund und der SG Hüttengrund/Blechhammer einigte man sich kein halbes Jahr später trotz prall gefülltem Lauf-Kalender darauf, immer am dritten September-Sonntag den Steinachtallauf mit Start und Ziel auf dem Sportplatz in Blechhammer auszutragen. Der erste Startschuss fiel am 20. September 1981; den großen "Kanten" (20 km) gewann (und nicht zum letzten Mal) Rennsteiglauf-Legende Dieter Wiedemann aus dem benachbarten Hasenthal. "Er konnte ja fast mit Hausschuhen zu uns rüberlaufen", scherzt Schneider beim Durchblättern der Chronik.

Unvorstellbar groß war die Resonanz bereits zur zweiten Auflage: 263 Läufer und 211 Wanderer kamen in den Engnitzgrund. "So viele Starter könnten wir heute gar nicht mehr stemmen", gesteht der Blechhammerer Vorstand ein. Er selbst sei aber noch nie gelaufen - "meine Frau Sandra schon" -, sondern machte sich früh als Helfer unter vielen flügge. Auch sein "Amtsvorgänger" beim SV Blechhammer, Bernd Schuhmann. Nur er war aber von Anfang an dabei.

Und am kommenden Sonntag, am 15. September? "Wir bieten wieder alles wie sonst üblich", verrät Schneider. Keine Trauerflor, kein verheulter Abgesang, sondern gescheite Verpflegung, ein Zelt, dazu abwechslungsreiche Beschallung und gute Laune mit Christa Demmler. "Und klar werden wir uns auch bei den Helfern bedanken", ergänzt Schneider noch. Aber das angedachte Helferfest sei für alle Helfer der kulturellen Highlights im Ort wie Sonnenwendfeuer, Kirmes, Mundartabend und Sportlerfasching. "Ich habe trotzdem ein mulmiges Gefühl", gesteht Schneider. "Heute, aber gewiss auch am 15. September."

Es gibt aber noch Hoffnung für eingefleischte Steinachtallauf-Fans, denn der Vereinschef murmelt dann noch: "Es muss ja kein Abschluss für immer sein, aber die Voraussetzungen sollten dann schon besser sein, und der Rückhalt und die Bereitschaft zu helfen", ergänzt er und scheint schon wieder mittendrin im Tagesgeschäft zu sein. "Wissen Sie", holt er aus und runzelt die Stirn, "für Sonntag fehlen mir noch zwei, drei Leute, die ich unbedingt noch brauche - an ganz wichtigen Stellen. Wir werden sie auch finden, selbst wenn dann der Vorhang dann für immer fällt..."

Autor

Lars Fritzlar
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 09. 2019
00:00 Uhr

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Autor

Lars Fritzlar

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 09. 2019
00:00 Uhr



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