Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

Lokalsport Ilmenau

"Sperrfrist" vom Landratsamt

Im Ilm-Kreis sollten die Sporthallen bis zu den Sommerferien geschlossen bleiben, obwohl das Land die Nutzung ab Anfang Juni wieder erlaubt. Diese rigide Regelung überraschte. Zumal andere Kreise das anders handhaben.



"Ins Kegelsportzentrum ist wieder Leben eingezogen": Leider handelt es sich um jenes von Meiningen, und das Foto entstand auch bereits am 2. Juni! Foto: P. Kiel
"Ins Kegelsportzentrum ist wieder Leben eingezogen": Leider handelt es sich um jenes von Meiningen, und das Foto entstand auch bereits am 2. Juni! Foto: P. Kiel  

Ilm-Kreis - Der Optimismus war gar groß: Liebe Sportfreundinnen und Sportfreunde! Ab Dienstag, dem 02. 06. 2020, werden die kreiseigenen Sporthallen für den Trainings- und Sportbetrieb wieder geöffnet , kündigte der Vorstand des SV Ichtershausen seinen Mitgliedern an und schickte das verlangte Infektionsschutzkonzept gleich mit, das man künftig beim endlich wieder möglichen Training beachten müsse. Aber es blieb ein typischer Fall von "Denkste! - wie bei so vielen anderen Vereinen mit der gleichen Hoffnung. Denn: Wir haben uns entschieden, die Sporthallen vor den Sommerferien nicht mehr für den Vereinssport zu öffnen , erklärte Landrätin Petra Enders in der letzten Woche auf Nachfrage. Es sei in der Kürze der Zeit nicht möglich, für jede Halle ein eigenes Hygienekonzept zu entwickeln. Zudem hätten die Vereine auch wenig Bedarf angemeldet.

Anderswo geht’s anders

Dieses klare "Nein!" vom Landratsamt erstaunte insofern, da Vergleiche mit anderen Kreisen zeigen, dass es auch anders geht: In Schmalkalden-Meiningen zum Beispiel hatten zu Wochenbeginn schon 17 Vereine das Training aufgenommen, von weiteren dreien lagen Anträge mit dazugehörenden Hygienekonzepten vor. "Wir haben ein allgemeines Hygienekonzept auf der Basis einer Empfehlung des Landessportbundes erstellt. Das müssen die Vereine, die trainieren wollen, akzeptieren und einhalten. Sie legen dann noch eigene Konzepte gemäß ihrer Sportart vor", erläutert Susanne Reum das dortige Vorgehen, die Fachbereichsleiterin Ordnung und Sicherheit sowie Corona-Krisenstabsleiterin im Landratsamt Schmalkalden-Meiningen. "Es muss natürlich auch kontrolliert werden, ob alles eingehalten wird." Und so konnte Freies Wort bereits am vergangenen Samstag in seiner Meininger Ausgabe verkünden: "Ins Kegelsportzentrum (an der Meininger Multihalle - d. Red.) ist wieder Leben eingezogen - Bei der kontaktlosen Sportart Kegeln ist es ja auch kein Problem, ,Corona-gerecht‘ zu agieren."

Im Wartburgkreis wurden zwar die kreiseigenen Schulsporthallen weiterhin für den Vereinssport gesperrt, weil sie als Ausweichräume für den Präsenzunterricht der Schulen und die Abschlussprüfungen vorgehalten werden. Aber in kommunalen Hallen liegen Erlaubnisse zum Training vor, meldete Freies Wort dort.

Und um auch mal einen Blick in die andere Richtung zu tun: Die kommunale Sporthalle von Katzhütte (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) ist ebenfalls bereits für den Trainingsbetrieb freigegeben, nachdem der dort aktive Sportverein Motor Katzhütte-Oelze mit der Gemeinde zusammen ein angepasstes Hygienekonzept entwickelte. Das basiert ebenfalls auf den Empfehlungen des Landessportbundes und muss durch die jeweiligen Abteilungen speziell an jene Sportarten, die betrieben werden, angepasst werden.

Muster-Konzepte

Dass sich in all diesen Fällen die Eigentümer auf die Hygienekonzepte der Vereine verlassen, ist nachvollziehbar: Schließlich wissen die Sportler selbst am besten, wo und wann in ihrer Sportart hygienisch problematische Situationen auftreten können, die in Corona-Zeiten vermieden werden sollten bzw. komplett tabu sind.

Genau deshalb haben in vielen Sportarten die deutschen Dachverbände Muster-Hygienekonzepte ausgearbeitet, die sich die Vereine dann nur noch auf die Bedingungen in der von ihnen genutzten Sportanlage quasi "zuschneidern" müssen. Und das tut man auch im Ilm-Kreis.

Schon als vor wenigen Wochen die (Outdoor-)Sportplätze durch das Land Thüringen freigegeben worden waren, nutzte etwa in Ilmenau Germania-Trainer Horst Grohmann ein Musterkonzept, das der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für seine Talentestützpunkte erarbeitet hatte, um es an die Bedingungen fürs Training im Hammergrund-Stadion anzupassen. Ähnliche Muster-Hygienekonzepte gibt es im Tischtennis (eigene Bälle mitbringen, Tische desinfizieren, keine Doppel etc.) oder auch im Badminton (nur sechs Kinder pro Halle, etwas versetzte Felder wegen der Abstandsregelung, kein Spiel direkt vorn am Netz, kein Felder-Wechsel durch die Spieler etc.).

Kathrin Hasse, Tischtennis-Trainerin beim SV 1880 Unterpörlitz: "Wir werden diese Vorgaben des Dachverbandes einhalten und warten nur darauf, dass wir in die Halle dürfen." Ihr Badminton-Kollege Thomas Pohl vom gleichen Verein berichtet sogar von einer Freiluft-Alternative fürs leider noch verbotene Hallentraining: Sogenanntes Air-Badminton (ebenfalls vom Dachverband entwickelt), u. a. mit etwas schwereren Bällen, auf die man zurückgreifen müsse, wenn die Halle verschlossen bleibe.

Dabei wissen auch die Eigentümer um die Eigenverantwortung der Sportvereine beim Nutzen ihrer Sportstätten. Die Stadt Ilmenau etwa erklärte auf eine diesbezügliche Anfrage unserer Zeitung: Insofern Vereine als Verantwortliche gegenüber ihren Mitgliedern die Einrichtungen für ihre speziellen Aktivitäten in Anspruch nehmen, sind diese selbst zur Erfüllung der Auflagen aus den §§ 3 bis 4 und insbesondere § 5 der aktuell gültigen Thüringer SARS-CoV-2-Maßnahmenfortentwicklungsverordnung vom 12. Mai verpflichtet und müssen daher eigene Infektionsschutzkonzepte entwickeln und im Alltag praktisch umsetzen. Was aber voraussetzt, dass die Sporthallen überhaupt erst mal geöffnet werden!

Inzwischen scheint zumindest die Stadt Ilmenau erkannt zu haben, wie problematisch so eine "Allgemeinsperre" werden kann, denn in ebenjener Antwort wurde auch dezidiert erklärt: Derzeit wird in Abstimmung mit den jeweils nutzenden Vereinen die Öffnung der örtlichen Kegelbahnen und Schießsportanlagen vorbereitet. Und im turnusmäßigen Pressegespräch des Oberbürgermeisters am Dienstag erklärte das Stadtoberhaupt: Wir haben geklärt, dass Sportstätten, die nur von einzelnen Akteuren oder Vereinen genutzt werden, wieder geöffnet werden können. Wenn ein Hygienekonzept vorliegt, spricht aus unserer Sicht nichts gegen eine Nutzung.

Wirklich kein Bedarf?

Schwer nachvollziehbar erscheint schließlich die Aussage, die Vereine hätten wenig Bedarf angemeldet. Die Beispiele vom Tischtennis und Badminton in Unterpörlitz ließen sich fortsetzen, etwa mit den Trampolinspringern des SC Rotor Arnstadt mit ihrem Trainer Klaus-Dieter Schargitz. Das Landratsamt hatte zwar in einem Rundschreiben vom 15. Mai, das unserer Redaktion vorliegt, die Vereine aufgefordert, es zu melden, wenn sie unter den aktuellen Bedingungen ihre Hallenzeiten nicht oder nur partiell ausschöpfen wollen. Aber es müssten ja massenhaft Abmeldungen eingegangen sein, um damit ein generelles Schließen bis zum Schuljahresende zu rechtfertigen. Außerdem sah die Corona-Welt, speziell jene im Sport, am 15. Mai noch ganz anders aus als am 2. Juni.

Hinzu kommt der Zeitfaktor: Die Sommerferien beginnen am 20. Juli, danach bleiben viele Sporthallen, ferienbedingt, weiter geschlossen bis Ende August. Um diese Zeit hatte in früheren Jahren in vielen Sportarten der Wettkampfbetrieb längst begonnen - schwer vorstellbar, dass da vorher kein Bedarf an Training vorhanden sein soll.

Autor

Ralf Brückner
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
11. 06. 2020
14:36 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bürgermeister und Oberbürgermeister Coronavirus 19 Deutscher Fußball-Bund Landessportbünde Landräte Sportarten Sporthallen Städte Unterpörlitz Vereine
Kreis
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mit dem TTC Großbreitenbach am vorzeitigen Saisonende auf Rang drei der 2. Bezirksliga, Staffel 2: Spitzenspieler Norman Triebe. Archivfoto: Andreas Heckel

15.04.2020

Schade um die Spiele, die nun alle ausfallen

Im Thüringer Tischtennis ist die Saison 2019/20 abgebrochen und mit dem Stand nach den letzten Punktspielen gewertet worden. » mehr

Diesmal allein auf weiter Flur: Andreas Gerhardt vom TV 1920 Ilmenau bei der Platzpräparation. Foto: TV 1920

24.04.2020

"Wir warten auf das Freizeichen von Herrn Ramelow"

Traditionell beginnt in Thüringen am 1. Mai die Punktspiel-Saison im Tennis. Daraus wird 2020 nichts. Trotzdem scharren die Racket-Schwinger gewaltig mit den Hufen. » mehr

Zurück auf überregionaler Ebene: Der Großbreitenbacher Philipp Tresselt, hier im Februar 2018 beim Regionalligaspiel gegen den TSV 1860 Ansbach, schlägt künftig bei Hydro Nordhausen in der Oberliga Mitte auf. Foto: Ralf Tresselt

05.06.2020

Zwei Ilm-Kreis-Spieler künftig neu in der Oberliga

In der Wechselperiode im Tischtennis, die sich alljährlich bis zum 31. Mai erstreckt, gab es im Ilm-Kreis zwei recht spektakuläre Wechsel. » mehr

Starker Verein: Die Volleyballer des SV TU Ilmenau (in Schwarz, gegen SSV Weimar) haben ihren Anteil daran, dass ihr Verein der zweitgrößte im Ilm-Kreis ist. Archivbild: Andreas Heckel

12.05.2020

Wer regiert den Sport im Ilm-Kreis?

Der Kreissportbund bleibt mit seinen über 18 000 Mitgliedern die größte Organisation im Ilm-Kreis und legt, entgegen dem Landestrend, sogar wieder zu. » mehr

Viele Pokale für viele junge Badminton-Spieler: Die Ilm-Sporthalle war zwei Tage lang voll ausgelastet. Fotos (2): Andreas Heckel

22.01.2020

"Das haben die hier schon drauf"

Belohnter Aufwand: Abermals bewähren sich beide Ilmenauer Badminton-Vereine als Ausrichter eines Mammutturniers. » mehr

Nach oben hangeln: Auch das Sport- und Spielfest für Arnstadts Kindergärten gehörte zu den Aktivitäten 2019 der Sportjugend des Ilm-Kreises. Foto: Berit Richter

03.06.2020

Was die Ilm-Kreis-Sportjugend so alles tut - oder gern tun möchte ...

Internationale Jugendbegegnungen, Ferienfreizeiten, Kindergarten-Sportfeste, der Rennsteiglauf-Juniorcross - die Sportjugend Ilm-Kreis ist auf vielen Ebenen aktiv. Doch aktuell liegt alles auf Eis. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand in Meiningen Meiningen

Brand Spartenheim Meiningen | 04.08.2020 Meiningen
» 17 Bilder ansehen

Brand Muellverbrennung

Brand Müllverbrennung Zella-Mehlis | 02.08.2020 Zella-Mehlis
» 25 Bilder ansehen

Waldbrand Lauscha

Waldbrand Lauscha | 02.08.2020 Lauscha
» 7 Bilder ansehen

Autor

Ralf Brückner

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
11. 06. 2020
14:36 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.