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Wirtschaft

Wird Südthüringen zum Problemfall?

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Oktober leicht gestiegen. Doch während sich leichte Krisen-Zeichen ausbreiten, zeigt sich der Ausbildungsmarkt wenig beeindruckt. Noch immer suchen Firmen händeringend Nachwuchs.



Wird Südthüringen zum Problemfall ?
Wird Südthüringen zum Problemfall ?  

Suhl - Wie sich die Bilder auf dem Arbeitsmarkt doch unterscheiden: Auf der einen Seite berichtete die Arbeitsagentur Suhl am Mittwoch, dass die Zahl der Arbeitslosen in der Region im Oktober leicht gestiegen ist. 9769 Personen ohne einen Job, das waren 24 mehr als noch im September. Deutlicher wird der Unterschied im Vergleich zum Vorjahr. "m Vergleich zum Oktober 2018 hat sich der Bestand an Arbeitslosen um 602 Personen oder 6,6 Prozent erhöht", berichtete Wolfgang Gold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Suhl fest. Ein Zeichen für die Eintrübung in der Wirtschaft. Gerade in der Automobilindustrie haben in den vergangenen Wochen Meldungen von Insolvenzen die Runde gemacht. Auch in Südthüringen.

Auf der anderen Seite steht der Ausbildungsmarkt, für den die Arbeitsagentur am Mittwoch ebenfalls Bilanz zog. "Das Überangebot an Ausbildungsstellen bleibt weiter bestehen und zeugt von der Beständigkeit des Südwestthüringer Ausbildungsmarktes", so Eckhard Lochner, Co-Geschäftsführer der Suhler Agentur. So hätten sich im Ausbildungsjahr 2018/19 insgesamt 2258 Bewerber um einen Ausbildungsplatz bei der Agentur gemeldet. . "Das sind 96 Personen weniger als im vergangenen Ausbildungsjahr", so Lochner. Von den 2258 Jugendlichen haben 2.219 einen Ausbildungsplatz oder eine schulische Ausbildung erfolgreich erlangt, lediglich 39 Bewerber waren zum 30. September dagegen noch nicht mit einem Ausbildungsplatz versorgt. Im vorletzten Ausbildungsjahr mussten noch 44 Ausbildungsstellenbewerber versorgt werden.

Auf der Angebotsseite sieht es laut Lochner ähnlich aus. 2902 Ausbildungsplätze meldeten die Unternehmen in Südwestthüringen, 75 weniger als im Vergleichszeitraum. Hier blieben noch 230 Stellen unbesetzt.

In bestimmten Bereichen ist die Nachfrage also weiterhin hoch. In anderen stagniert sie hingegen inzwischen. So dass sich der Süden und der Westen Thüringens anders entwickeln als der Rest des Landes. Denn insgesamt ist die Zahl der Arbeitslosen in Thüringen und Deutschland im Oktober noch einmal gesunken.

Probleme in der Industrie

"Die saisontypische Herbstbelebung und der Abbau der Arbeitslosigkeit hat sich im Vergleich zum Vormonat weiter fortgesetzt", sagte der Chef der Landesarbeitsagentur, Kay Senius. Allerdings gebe es innerhalb Thüringens große regionale Unterschiede in der Entwicklung, so Senius.

Regionen mit Industrie, etwa in den Kreisen im Süden und Westen des Landes mit Automobilzulieferern, spürten eine Konjunkturdelle: Dort sinke die Nachfrage nach Mitarbeitern und die Arbeitslosenzahlen stiegen an. In strukturschwachen Regionen gehe die Arbeitslosigkeit aufgrund der Altersstruktur zurück. "Immer mehr Firmen planen Kurzarbeit oder sind davon betroffen", teilte auch Stephan Fauth, der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Wirtschaft Thüringens mit. Die Situation auf den Weltmärkten verunsichere Thüringer Unternehmen in immer höheren Maße.

"Umso mehr ist es für die Wirtschaft wichtig, nach der Landtagswahl in Thüringen stabile Verhältnisse zu schaffen", so Fauth. Potenzielle Investoren müssten wissen, welche Rahmenbedingungen sie im Freistaat erwarteten. Nach den Wahlergebnissen von Sonntag stellt sich eine Regierungsfindung als schwierig dar. Stabile Mehrheiten für viele bisher denkbar Koalitionen gibt es nicht.

Michael Rudolph, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Hessen-Thüringen, bemängelte, dass die Zahl der Leiharbeiter insgesamt zwar gesunken sei, dafür aber die Zahl der ausländischen Zeitarbeiter gestiegen sei. "Das sind erschreckende Zahlen", so Rudolph. Immer mehr Unternehmen griffen aufgrund vermeintlich fehlender Fachkräfte verstärkt auf Leiharbeitskräfte aus dem Ausland zurück, darunter oft Geflüchtete. Dabei gehe es aber darum kurzfristig Löcher zu stopfen. Unternehmen sollten aus Rudolphs Sicht langfristige Perspektiven schaffen. "Eine Vertiefung der Spaltung am Arbeitsmarkt ist das Letzte, was wir jetzt brauchen."

Woran der Südthüringer Arbeitsmarkt derzeit krankt wird bei der Betrachtung der Rechtskreise deutlich: Während der Rechtskreis SGB II, also Hartz IV, einen leichten Rückgang aufweist, nimmt der Bestand an Arbeitslosen im Rechtskreis SGB III gegenüber dem letzten Monat leicht um 27 Personen zu. Im Rechtskreis SGB III sind die Arbeitslosen registriert, die noch im Bezug des Arbeitslosengeldes sind, also vor weniger als zwölf Monaten ihre Arbeit verloren haben.

"Wir haben eine deutliche Zunahme der Arbeitslosen im SGB III vor allem im Vergleich zum Vorjahr. Das ist auch auf eine steigende Zahl an Betrieben zurückzuführen, die Insolvenz angemeldet haben", so Gold.

Im Monat Oktober haben sich 2969 Personen arbeitslos gemeldet. Das waren 109 mehr als im September. Dem gegenüber stehen 2948 Personen, die sich aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet haben. Das sind 49 weniger als im Vorjahr und 286 weniger als im vergangenen Monat. Darunter nahmen 890 Personen im Oktober eine Beschäftigung auf, 122 weniger als im September. "Das ist ein Indiz dafür, dass sich die Firmen bei der Einstellung von Personal, es sei denn es handelt sich um dringend benötigte und seit längerer Zeit gesuchte Fachkräfte, zunehmend zurückhalten. Den Unternehmen fällt es weiterhin sehr schwer, geeignete Fachkräfte zu finden. Anforderungen der Stelle und Bewerberprofil passen oftmals nicht zusammen", erklärte Gold.

Die Südwestthüringer Unternehmen meldeten im Oktober 906 neue Stellen, seit Jahresbeginn insgesamt 9837. Im Vergleich zum Vormonat wurden immerhin 63 freie Stellen mehr gemeldet, im Vergleich zum Vorjahr jedoch 59 weniger. Der Bestand hat sich auf 5862 erhöht.

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Jolf Schneider

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Veröffentlicht am:
31. 10. 2019
00:00 Uhr

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Jolf Schneider

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31. 10. 2019
00:00 Uhr



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