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Verband kritisiert Flaute beim Windkraft-Ausbau in Thüringen

Bis zum Jahr 2020 sollen 30 Prozent des Thüringer Energieverbrauchs mit Strom aus Biogas-, Wasser-, und Windanlagen gedeckt werden. Doch beim Ausbau der Windenergie hakt es laut Experten gewaltig.



In Thüringen entstehen nach Meinungen des Windenergie-Verbandes zu wenig neue Windräder.
In Thüringen entstehen nach Meinungen des Windenergie-Verbandes zu wenig neue Windräder.  

Altenfeld/Erfurt - Der Ausbau der Windenergie ist in Thüringen deutlich ins Stocken geraten. «Wir beobachten seit dem zweiten Halbjahr 2018 einen dramatischen Einbruch bei Neugenehmigungen und beim Zubau von Windanlagen», sagte der Thüringer Landesvorsitzende des Bundesverbands WindEnergie (BWE), Frank Groß. Grund seien fehlende neue Windvorranggebiete sowie deutlich höhere Genehmigungsauflagen.

Das Ziel der Landesregierung, auf etwa einem Prozent der Landesfläche Windkraftanlagen aufzustellen, sei damit in weite Ferne gerückt. Die aktuell existierenden 863 Anlagen nehmen rund 0,3 Prozent der Fläche ein. «Wir rechnen damit, dass es in den kommenden zwei bis drei Jahren kaum noch einen Zubau an Windenergieanlagen in Thüringen geben wird.»

Im Jahr 2016 wurden Groß zufolge in Thüringen 91 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 296 Megawatt genehmigt. 2017 sank die Zahl auf 15, aktuell gebe es für sechs Anlagen mit 23 Megawatt grünes Licht. «Eigentlich hätten im Mai 2018 alle vier Planungsgemeinschaften in Thüringen einen neuen Regionalplan zur Genehmigung vorlegen müssen, keine davon hat sich bisher daran gehalten.»

Lediglich die Planungsgemeinschaft Mittelthüringen habe im Juni einen Teilplan eingereicht, der mit 0,6 Prozent Fläche aber ebenfalls deutlich unter der Zielvorgabe liege. Theoretisch könnten nach aktuellem Genehmigungsstand noch 34 Anlagen errichtet werden.

Ob diese Zahl erreicht werde, sei jedoch fraglich: Einige der nach der Genehmigung ausgeschriebene Anlagentypen könnten aktuell nicht wirtschaftlich betrieben werden. «Wir rechnen damit, dass es in den kommenden zwei bis drei Jahren kaum noch einen Zubau an Windenergieanlagen in Thüringen geben wird.»

Dem Infrastrukturministerium zufolge beraten die Planungsgemeinschaften derzeit intensiv über die Neuausweisung. Es sei derzeit noch nicht möglich, künftige Flächen und Potenziale abzuschätzen.
Dabei macht sich auch der wachsende Widerstand von Windkraftgegnern bemerkbar: «Die Landesregierung sucht den Dialog und wirbt mit viel Transparenz für den weiteren Ausbau der Windenergienutzung», sagte die Ministeriumssprecherin Antje Hellmann.

Sowohl bei der Erarbeitung des Windenergie-Erlasses als auch bei den regionalen Planungsgemeinschaften gebe es daher Bürgerdialoge und Öffentlichkeitsbeteiligungen. Aktuell sind 44 Bürgerinitiativen im «Thüringer Landesverband für Energiewende mit Vernunft» organisiert, die Gegner neuer Anlagen unterstützt und berät. Der Verband lehnt Anlagen im Wald kategorisch ab, erklärt der Vorsitzende Thomas Heßland.

Die Windräder stellten eine Gefahr für Vögel und Fledermäuse dar, so ein Kritikpunkt. Zudem fordert der Verband wegen Lärmbelästigung und sinkender Immobilienpreise für Häuser in der Nähe der Anlagen einen Mindestabstand zu Wohnhäusern, der mindestens zehn Mal so groß ist wie die Höhe des jeweiligen Windrads.

Eigentliches Ziel sei aber ein grundlegendes Moratorium für den Ausbau der Windenergie, so Heßland. «Die Energiewende in ihrer jetzigen Form tut vor allem etwas für das gute Gewissen der Gesellschaft, hat aber letztlich keinen positiven Effekt für den Planeten.» Die von der Landesregierung anvisierte Verdreifachung der Fläche sei der falsche Weg.

Ziel müssten massive Energieeinsparungen und das Umdenken jedes Einzelnen sein, sagt Heßland. Ständig nötige Netzregulierungen, der Bau teurer Zwischenspeicher, Gefahren für die Tierwelt und das Bereithalten konventioneller Energieanlagen, um die Grundlast zu sichern, bringe weder finanziell noch aus Umweltsicht Verbesserungen. Der BWE dagegen wirft den Windkraftgegnern eine «zum Teil unsachliche Darstellung der Tatsachen» vor.

2016 lag der Anteil der Windkraft dem Infrastrukturministerium zufolge bei rund 23 Prozent der Gesamtstromerzeugung im Freistaat. Insgesamt kamen 57 Prozent der Energie aus erneuerbaren Energien. Der hohe Anteil in Thüringen hängt allerdings auch damit zusammen, dass es in Thüringen relativ wenige konventionelle Kraftwerke gibt.

Nach den Plänen der rot-rot-grünen Landesregierung soll Thüringen bis zum Jahr 2040 seinen Energiebedarf zu 100 Prozent selbst aus einem Mix verschiedener erneuerbaren Energien decken. dpa
 

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Veröffentlicht am:
08. 09. 2018
09:36 Uhr

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08. 09. 2018
09:36 Uhr



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