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Wirtschaft

Thüringer Pflegekräfte besonders häufig krank

Pflege ist ein Knochenjob. Kein Wunder also, dass Beschäftigte in der Pflege häufiger krank werden als der Durchschnitt. In Thüringen sind die Zahlen nach Daten der Techniker Krankenkasse besonders hoch.



Pflegekraft und ältere Dame
Ein Pfleger geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor.   Foto: Christoph Schmidt/Archivbild

Erfurt - Sind das schon Anzeichen für die Überlastung der Beschäftigten in der Pflege in Thüringen? Der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse kommt zu dem Ergebnis, dass Beschäftigte in den Pflegeberufen deutlich häufiger krankgeschrieben sind als die Beschäftigten insgesamt. Besonders dramatisch ist die Lage nach Angaben der TK in Erfurt, wie eine gesonderte Auswertung der Daten für den Freistaat ergeben hat. So kamen die Berufstätigen, die bei der TK versichert sind, im vergangenen Jahr insgesamt auf rund 15 Arbeitsunfähigkeitstage je Beschäftigtem im Jahr. In Thüringen waren es mit 17,7 Tagen schon deutlich mehr. Bei den Beschäftigten in den Pflegeberufen steigt die Zahl der AU-Tage sogar auf 24,7 im Jahr. Damit liegt Thüringen auch in dieser Berufsgruppe deutlich über dem Bundesdurchschnitt von knapp 23 Tagen.

Besonders dramatisch ist die Situation nach Darstellung von Guido Dressel, Landeschef der TK in Erfurt, bei Frauen, die in Pflegeberufen arbeiten. Sie kommen in Thüringen auf mehr als 29 Fehltage. Das ist nach Brandenburg der absolute Spitzenwert. Im Bundesdurchschnitt waren weibliche Beschäftigte in der Pflege an rund 25 Tagen krankgeschrieben. Die deutlich niedrigeren Werte bei den männlichen Beschäftigten sind laut Dressel vermutlich auch auf die deutlich geringere Zahl männlicher Arbeitnehmer in der Pflege zurückzuführen. So lag die Zahl der AU-Tage unter den männlichen Pflegekräften mit rund 20,9 Tagen sogar unter dem Bundesdurchschnitt von 21,2 Tagen.

Trotz der dramatischen Zahlen kann Dressel aber auch positive Aspekte aus der Statistik lesen. Während es in Westdeutschland vor allem psychische Erkrankungen sind, die Beschäftigte in der Pflege von der Arbeit fernhalten, war dies in Thüringen nicht der Fall. So liegt der Anteil der betroffenen Berufstätigen in der Pflege, denen Antidepressiva verordnet wurden, in Thüringen bei rund 5,5 Prozent. Im Bundesdurchschnitt war dies bei 8,3 Prozent der Betroffenen der Fall. Spitzenreiter ist hier das Saarland mit einem Anteil von 9,5 Prozent. Generell bekamen die krankgeschriebenen Thüringer Pflegekräfte vergleichsweise wenig Medikamente zur Bekämpfung ihrer Erkrankungen verschrieben. So kommt Thüringen auf 291 Tagesdosen, im Bundesschnitt waren es 288, in Rheinland-Pfalz sogar 319.

Auch Muskel-Skelett-Erkrankungen spielen in der Pflege als Krankheitsursache in Thüringen eher eine untergeordnete Rolle. So liegt Thüringen bei der Krankheitsursache Rückenschmerzen nur rund 17 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die höchsten Abweichungen gibt es laut TK-Report bei akuten Infektionen der Atemwege (plus 35,8 Prozent), Viruskrankheiten (plus 35,9 Prozent) und akuter Bronchitis (plus 42,9 Prozent). Es sind also eher Erkältungskrankheiten, die den Beschäftigten in der Pflege in Thüringen zu schaffen machen.

Für ihren Gesundheitsreport mit dem Titel "Pflegefall Pflegebranche?" wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund 5,2 Millionen bei der Krankenkasse versicherten Erwerbspersonen aus.

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Jolf Schneider

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Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
15:55 Uhr

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Jolf Schneider

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Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
15:55 Uhr



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