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Wirtschaft

Studie fordert Tempo bei Umbau der Auto-Industrie

Der Automobilbau ist der umsatzstärkste Industriezweig in Thüringen. Doch die Branche steht vor einem Umbruch. Eine Studie fordert daher einen raschen Umbau und Fokussierung auf die Zukunftsfelder Elektromobilität uns Leichtbau.



Weimar - Es sind keine Horrorszenarien, die die Autoren der Studie "Zukunftssicherung der Automobilzulieferindustrie in Thüringen" beschrieben. Es wird nach ihren Erkenntnissen nicht so kommen, dass die Automobilindustrie in Thüringen in den kommenden zehn Jahren komplett zusammenbricht. Weil die Zukunft des Autos eben in Elektroantrieben liegt. Aber die Autoren machen klar, dass die Automobilindustrie in Thüringen in den kommenden Jahren schnell reagieren muss, um im Strukturwandel des Automobilbaus nicht abgehängt zu werden.

Der Trend zur Elektromobilität führt nach Auffassung der Wissenschaftler vom Chemnitz Automotive Institute nicht zum befürchteten Verlust Tausender Arbeitsplätze in der Thüringer Automobilindustrie. Bis zum Jahr 2030 könnten durch neue Produkte und Märkte sogar bis zu 5000 neue Arbeitsplätze entstehen, heißt es in der Untersuchung, die am Montag bei einem Wirtschaftskongress in Weimar vorgestellt wurde. Dem ständen etwa 4000 weniger Jobs vor allem bei der Fertigung von Teilen sowie Verbrennungsmotoren gegenüber. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler nach der Untersuchung von 172 Zulieferern im Auftrag des Thüringer Wirtschaftsministerium.

Lediglich der Bereich Antrieb und Fahrwerk, der in der Thüringer Automobilzulieferindustrie den höchsten Beschäftigungsanteil aufweist, könnte nach Erkenntnis der Autoren stärker unter Druck geraten. Ursache hierfür sei aber ist nicht das Ende des Verbrennungsmotors, das nach der Trendanalyse der Studie bis 2030 nicht annähernd in Sicht ist, sondern die Elektrifizierung zahlreicher Antriebs- und Fahrwerkskomponenten.

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erklärte, die Chancen seien größer als die Risiken durch die Veränderungen. Die Branchenvereinigung "Automotive Thüringen" war im vergangenen Jahr noch vom Verlust von bis zu einem Drittel der Jobs ausgegangen, weil E-Autos mit deutlich weniger Bauteilen auskommen als klassische Fahrzeuge.

Diese Einschätzung teilen auch die Autoren der Studie. Sie gehen jedoch davon aus, dass der Übergang zur reinen Elektromobilität deutlich länger dauern wird als bisher prognostiziert. In einem Zwischenschritt würden Autos sowohl elektrisch als auch mit Benzin oder Diesel angetrieben. Und diese Hybrid-Autos brauchen auch weiterhin die meisten der Bauteile, die schon bisher in den Autos verbaut werden. Also etwa Getriebe, Turbolader oder Ölpumpen. Bauteile, die auch von großen Thüringer Zulieferern gefertigt werden.

Die Autoren empfehlen dennoch eine Fokussierung auf die Zukunftsfelder der Automobilindustrie: Leichtbau, neue Antriebstechnologien und Vernetzung der Fahrzeuge für autonomes Fahren. Wissenschaftlich sei der Freistaat hierfür gut aufgestellt. Die Automobilindustrie ist die umsatzstärkste Industriebranche im Freistaat. Fahrzeughersteller und Zulieferer erwirtschafteten im ersten Halbjahr laut Landesamtes für Statistik einen Umsatz von mehr als 2,3 Milliarden Euro.

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Jolf Schneider

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Veröffentlicht am:
11. 09. 2018
07:24 Uhr

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Jolf Schneider

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11. 09. 2018
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