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"Panikverkäufe von Aktiendepots hat es kaum gegeben"

Wie reagieren Bankkunden auf die Corona-Krise? Sehr besonnen, bilanziert die Commerzbank Südthüringen. Viele Unternehmer seien bereit, selbst Verantwortung zu übernehmen. Und viele Privatkunden würden endgültig die digitale Bank entdecken.



Mit bangem Blick werden viele Aktionäre in den vergangenen Wochen die Wertentwicklung ihres Depots verfolgt haben. In Südthüringen habe es aber kaum Panikverkäufe gegeben. Die Anleger hätten vielmehr besonnen reagiert, berichtet die Commerzbank. Foto: Alexander Heinl/dpa
Mit bangem Blick werden viele Aktionäre in den vergangenen Wochen die Wertentwicklung ihres Depots verfolgt haben. In Südthüringen habe es aber kaum Panikverkäufe gegeben. Die Anleger hätten vielmehr besonnen reagiert, berichtet die Commerzbank. Foto: Alexander Heinl/dpa   » zu den Bildern

Suhl - "Natürlich hätten wir uns eine andere Geburtstagstorte gewünscht", sagt Alice Neumann, Leiterin der Commerzbank in Südthüringen. 150 Jahre wird die Bank in diesem Jahr alt. Zusammen mit den guten Ergebnissen sollte das eigentlich ein Grund zum Feiern sein. Doch statt von Plänen für Geburtstagsfeiern wird der Alltag der Commerzbank-Mitarbeitern in diesen Tagen von der Corona-Pandemie bestimmt. Nur noch drei Filialen der Commerzbank in der Region sind geöffnet. Darunter die in Suhl. "Wir sind für unsere Kunde da, bitten aber natürlich um Verständnis, dass auch wir uns an die aktuellen Abstandregeln halten", sagt Neumann. Das Bedürfnis der Kunden nach einem persönlichen Gespräch sei aktuell auch überschaubar. Stattdessen schreite die Digitalisierung der Bankgeschäfte in der Corona-Krise weiter voran. "Auch viele Kunden, die bisher sehr skeptisch waren, entdecken aktuell, dass Online-Banking und kontaktloses Bezahlen auch Vorteile haben können", erzählt Neumann.

Angesicht der Corona-Krise und Milliarden-Hilfspakete, die Staaten zur Rettung der Wirtschaft geschnürt haben, rechnet die Leiterin des Privatkundengeschäftes der Commerzbank in Süd- und Ostthüringen auch in den kommenden Jahren nicht mit steigenden Zinsen. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass die aktuelle Zinspolitik der Europäischen Zentralbank nicht nur langfristig so bleibt, sondern auf Dauer", so Neumann. Für Sparer bedeute das, dass mit traditionellen Geldanlagen Geld eher vernichtet als vermehrt werde. Auch im vergangenen Jahr hätten das wieder mehr Kunden verstanden und hätten in Aktien investiert. Eine Anlageform, die in der Corona-Krise jedoch starke Nerven erfordert. Die Börsen gingen zunächst auf Talfahrt und pendeln seit Wochen auf und ab. "Unsere Kunden haben darauf aber sehr besonnen reagiert. Panikverkäufe von Aktiendepots hat es kaum gegeben", so Neumann.

Im Gewerbekunden wie im Firmenkunden haben die Mitarbeiter der Commerzbank seit Tagen alle Hände voll mit der Bearbeitung von Anträgen von Unternehmern auf Kredite aus dem Hilfsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu tun.

Als Flaschenhals, der die Bearbeitung der Kreditanträge sehen Alice Neumann und Dirk Stoffregen, Leiter des Bereichs Firmenkunden der Commerzbank in Thüringen, ihre Bank nicht. Viele Unternehmen beklagen, Banken würden durch ihre penible Kreditprüfung die Auszahlung von Hilfsgeldern verzögern. "Wir nehmen unsere Aufgabe ernst", sagt hingegen Neumann. Schließlich stehen die Banken mit zehn Prozent mit im Risiko. Es sei Aufgabe der Banken zu bewerten, welches Unternehmen tatsächlich durch Corona in Schwierigkeiten geraten sei und welches eigentlich schon vorher in Problemen steckte. In den meisten Fällen übernehme die KfW zudem die Risikobewertung der Banken, was die Auszahlung beschleunige. Richtig sei aber, dass selbst nach einer Zusage durch die KfW bis zur tatsächlichen Auszahlung noch mehrere Tage vergehen könnten. Tage, die manchem Unternehmer, dem das Wasser aktuell schon bis zum Hals steht, wie eine Ewigkeit vorkommen. Im Bereich Firmenkunden, also bei den größeren Unternehmen, habe die Commerzbank einen Sonderfonds in Höhe von 500 Millionen Euro aufgelegt, um diese Wartezeit zu überbrücken. Mit einer Zwischenfinanzierung.

Ganz so pessimistisch, wie mancher derzeit in die Zukunft der deutschen Wirtschaft blickt, sieht Stoffregen die Situation aber nicht. "Natürlich wird der Ausleseprozess verschärft, doch die Situation bietet auch die Chance zur Deglobalisierung", sagt Stoffregen. Viele Unternehmen und Branchen würden ihre Lieferketten und ihre Abhängigkeit von China in Frage stellen. Das sei eine Chance für die deutsche Zulieferindustrie.

Zu beobachten seien aktuell zwei Typen von Unternehmen: Auf der einen Seiten die inhabergeführten, bei denen die Inhaber dem Ernst der Lage sehr bewusst seien und auch ihr persönliches finanzielles Engagement im Unternehmen erhöhten. Auf der anderen Seite Unternehmen, die die Hilfsprogramme nutzen würden, um sich mit Liquidität für die Zeit nach der Krise einzudecken. Entscheidend aus Stoffregens Sicht wird das Verhalten der privaten Konsumenten nach der Aufhebung der Aufgangsbeschränkungen sein. "Bis die internationalen Märkte wieder anspringen wird es dauern. Auf den Export kann sich Deutschland also zunächst nicht verlassen."

Autor
Jolf Schneider

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Veröffentlicht am:
04. 04. 2020
08:15 Uhr

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Jolf Schneider

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04. 04. 2020
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