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Wirtschaft

Konjunktur-Delle erreicht den Arbeitsmarkt

Schon in den vergangenen Monaten hatte die Agentur für Arbeit Suhl von Anzeichen für konjunkturelle Eintrübung gesprochen. Nun scheint sie da zu sein.



Konjunktur-Delle erreicht den Arbeitsmarkt
Konjunktur-Delle erreicht den Arbeitsmarkt  

Suhl - In den vergangenen Monaten war das Phänomen noch nicht richtig greifbar. Vereinzelt hatte die Agentur für Arbeit Suhl von Problemen in einzelnen Branchen berichtet. Zum Beispiel bei Automobilzulieferern rund um Eisenach. Doch echte Anzeichen für eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage wollte die Agentur damals noch nicht aus ihren Daten ablesen können.

Azubis waren noch nie so unzufrieden

Das Ausbildungsbetriebe über die Qualität der Bewerber für Lehrstellen klagen, wiederholt sich seit Jahren. Doch auch auf der anderen Seite gibt es Kritik. Die Zufriedenheit der deutschen Auszubildenden mit ihrer Lehrstelle ist auf einen Tiefstwert gesunken. Im Ausbildungsreport, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) seit 13 Jahren veröffentlicht, sind erstmals weniger als 70 Prozent der Befragten mit ihrer Ausbildung "zufrieden" oder "sehr zufrieden". Vor zehn Jahren seien es noch 75,5 Prozent gewesen, sagte die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte am Donnerstag in Berlin. Für ihre Studie hatte der DGB mehr als 16.000 Lehrlinge aus den 25 am häufigsten gewählten Ausbildungsberufen befragt. Mehr als ein Drittel von ihnen klagte über regelmäßig anfallende Überstunden. Fast jeder achte Jugendliche unter 18 Jahren muss sogar verbotenerweise mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten - vor einem Jahr war es nur jeder zehnte. Zudem werden nach eigener Einschätzung lediglich 54 Prozent der Jugendlichen gezielt darauf vorbereitet, im Berufsalltag digitale Technologien zu nutzen. Dabei geben rund 80 Prozent der Befragten an, dass Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung grundsätzlich wichtig oder sehr wichtig seien. dpa

 

Doch seit Wochen warnen Wirtschaftsexperten vor der nächsten Rezession in Deutschland. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte vor einigen Tagen sogar schon ein Konzept vorgelegt, wie er Massenentlassungen durch staatliche Unterstützung verhindern will. Etwa durch Kurzarbeit nach dem Modell der Finanzkrise im Jahr 2008.

 

Nun scheinen die Zeichen der wirtschaftlichen Eintrübung endgültig auch Südthüringen erreicht zu haben. "Die konjunkturelle Abkühlung in der Wirtschaft zeigt sich auch am Arbeitsmarkt", stellte Wolfgang Gold, Vorsitzender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Suhl, am Donnerstag bei der Vorstellung der aktuellen Arbeitsmarktdaten fest. Wie auch im Monat Juli stieg die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte und liegt im August bei 4,2 Prozent. Es waren 10.108 Menschen in der Region arbeitslos gemeldet. Das waren 292 mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum August des Vorjahres ist die Zahl der Arbeitslosen sogar um 361 gestiegen. "Auch im August setzt sich der Trend des leichten Anstiegs der Arbeitslosigkeit fort und lässt eine Delle auf dem Arbeitsmarkt erkennen," kommentierte Agenturchef Gold.

Die Zunahme der Arbeitslosenzahlen resultiert nach Golds Darstellung insbesondere aus dem prozentual höheren Anstieg im Rechtskreis SGB III. Das bedeutet einen Anstieg der Menschen, die kurzfristig arbeitslos geworden sind. Im Vergleich zum Vormonat stieg ihre Zahl um 211, im Vergleich zum Vorjahr sogar um 733. Ein Plus von fast 20 Prozent. Besonders auffällig sei der Anstieg in den Geschäftsstellen Bad Salzungen mit 24,9, in Sonneberg mit 22,6 und in Eisenach mit 26,7 Prozent.

Im Rechtskreis SGB II, im Volksmund auch Hartz IV genannt, dagegen war nur ein Anstieg um 81 Personen zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich der Bestand im SGB II sogar um 372 reduziert. "Hier zeigen die neuen Arbeitsmarktinstrumente, wie das Teilhabechancengesetz, zunehmende Erfolge und bremsen einen höheren Anstieg der Arbeitslosigkeit ab," erläuterte Gold.

Nach Geschlecht sind Männer und Frauen in annähernd gleichem Maße von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Zahl der arbeitslosen Männer erhöhte sich um 152 auf 5497 und die Zahl der arbeitslosen Frauen um 140 auf 4611.

Bei der Gruppe der arbeitslos gemeldeten Jugendlichen ab 15 bis unter 25 Jahre ist ein relativ hoher Anstieg im Vergleich zum Vormonat zu verzeichnen. Hier stieg die Zahl im Monat August um 105 auf 1078 Personen. Bei den über 50-Jährigen und älter stiegen die Arbeitslosenzahlen um 121 auf 3976 Personen im Vergleich zum Monat Juli und zum Vorjahresmonat um 170.

Das Risiko für Stellenabbau wächst

Hinter der Bestandszahl an Arbeitslosen steckt laut Gold viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt. Im August meldeten sich 3055 Personen arbeitslos, 137 mehr als im Vormonat. 1096 Arbeitslosmeldungen im August gehen auf Personen zurück, die vorher erwerbstätig waren, das sind 22 mehr als vor einem Monat. Auf dem Stellenmarkt setzt sich der Abwärtstrend aus dem Vormonat auch im August fort, berichtete Gold weiter. Es wurden 991 Stellen, somit 24 weniger als im Juli zur Besetzung gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 30 Stellen weniger. Der Bestand offener Stellen hat sich zum Vormonat erhöht. Er beträgt derzeit 6092. Das sind 35 Stellen mehr als im Vormonat, aber 137 weniger als im Vorjahr.

"Wir beobachten, dass Unternehmen in Südwestthüringen aufgrund der aktuellen konjunkturellen Schwächephase Beschäftigungsverhältnisse beenden und sich mit Neueinstellungen zurückhalten. Wirtschaftsbereiche, die stark von der gesamtwirtschaftlichen und globalen Entwicklung abhängen, wie Verkehr- und Logistikbranche, die Automobil- und Zulieferindustrie, dem Handel und der Zeitarbeitsbranche sind davon besonders betroffen", sagte Gold. Ein höheres Risiko arbeitslos zu werden hätten vor allem Beschäftigte von Zeitarbeitsfirmen, Beschäftigte mit befristeten Verträgen sowie ungelernte Arbeitskräfte. "Gut ausgebildete Fachkräfte versuchen die Unternehmen aufgrund des bestehenden Fachkräftemangels, weiterhin zu halten", so Gold. jol

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Veröffentlicht am:
30. 08. 2019
00:00 Uhr

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