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Wirtschaft

IHK-Umfrage: Viele Lehrstellen bleiben frei

Firmen suchen händeringend nach Auszubildenden. Doch jede dritte erhält nicht einmal mehr Bewerbungen.



Suhl - Für Unternehmen im Thüringer Wald wird es immer schwieriger, offene Ausbildungsplätze zu besetzen. Das bestätigt eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer Südthüringen, deren Ergebnisse die Kammer am Mittwoch in Suhl veröffentlicht hat. Demnach sind einheimische Unternehmen stärker als im Bundesdurchschnitt (34 Prozent) von der sinkenden Nachfrage nach Ausbildungsplätzen betroffen. In jedem zweiten Betrieb (49 Prozent) blieben Ausbildungsplätze unbesetzt. Damit werde es für die Unternehmen eine immer größere Herausforderung, ihre Fachkräfte über die Ausbildung von eigenem Nachwuchs zu sichern, erklärte die Kammer. Im Durchschnitt blieben in den Firmen 1,7 angebotene Ausbildungsplätze unbesetzt. Im Vorjahr waren es noch 1,1 Plätze. 37 Prozent der Unternehmen gaben an, im vergangenen Jahr keine Bewerbungen erhalten zu haben. Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der Betriebe, die ihre Plätze nicht besetzen konnten, erhielten nach eigenen Angaben keine geeigneten Bewerbungen.

Die Ergebnisse bestätigten den Trend der vergangenen Jahre, erklärte die IHK. Die niedrigen Schulabgängerzahlen und der anhaltende Trend zum Studium würden sich negativ auf die Bewerbersituation in der dualen Ausbildung auswirken.

Digitale Kompetenzen beim Nachwuchs werden von den Thüringer Firmen stärker als im Bundesgebiet gewertet. Für 100 Prozent der Betriebe sind IT-Kenntnisse der Jugendlichen in Zukunft von steigender oder gleichbleibend wichtiger Relevanz. Auch Kommunikationsfertigkeiten, strukturiertes Arbeiten und selbstständiges Handeln gewinnen bei der Einstellung von Azubis an Bedeutung. Verschiedene Betriebe gaben an, dass sie interdisziplinäres Arbeiten fördern, zum Beispiel durch Azubi-Projekte.

Nach Auskunft der Kammer wollen die Unternehmen mit unterschiedlichen Strategien auf die Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen reagieren. So wollen mehr Betriebe geflüchtete Menschen ausbilden. Insgesamt 28 Prozent gaben an, sich dafür bereits zu engagieren oder dies zu planen, bundesweit sind es 14 Prozent. Auch lernschwächere Jugendliche haben bessere Chancen als in der Vergangenheit. Für diese bieten die Unternehmen verschiedene Unterstützungsangebote in Form von berufsorientierenden Praktika, Einstiegsqualifizierungen und ausbildungsbegleitenden Hilfen. Sie arbeiten dabei intensiv mit Beratungsdienstleistern und der Agentur für Arbeit zusammen.

88 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, sie seien mit ihren dualen Partnern, den Berufsschulen, zufrieden oder sehr zufrieden. Sieben von zehn Unternehmen wünschen sich aber eine verbesserte Kommunikation zwischen Betrieb und Berufsschule. 42 Prozent monieren den immer noch zu hohen Unterrichtsausfall. Die wachsenden Entfernungen zwischen Betrieb und Schule werden weiterhin als Problem oder sogar als Hemmnis für den Beginn einer Ausbildung eingestuft.

Die Zahl der Unternehmen, die bei den Bewerbern fehlende Qualifikationen feststellten, blieb laut Umfrage weitgehend konstant. Bei der Frage nach der Art der Ausbildungshemmnisse dominieren jedoch mit 90 Prozent die "zu unklaren Berufsvorstellungen" der Bewerber. Dieser Wert stieg um elf Prozentpunkte gegenüber 2017. Die Berufsorientierung müsse ausgebaut werden, forderte die Kammer. jol

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Veröffentlicht am:
18. 07. 2018
19:25 Uhr

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18. 07. 2018
19:25 Uhr



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