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Wirtschaft

Fischteiche in Thüringen sind am Limit

Sauerstoffmangel durch die anhaltende Hitze und Trockenheit bedroht auch die kommerzielle Fischzucht in Thüringen. «Vielerorts ist die Lage bedenklich, die Fische sind teils hart an der Grenze des Überlebens.»



Thüringens Binnenfischer haben große Probleme
Auf dem Stausee Hohenfelden bei Weimar kontrolliert Uwe Müller, Vorsitzender des Thüringer Fischereiverbandes, eine Reuse.   Foto: Martin Schutt

Untermaßfeld/Erfurt - «Vielerorts ist die Lage bedenklich, die Fische sind teils hart an der Grenze des Überlebens»,  der dpa. Zu hohe Wassertemperaturen und Wassermangel seien ein flächendeckendes Problem im Freistaat, sagt der Präsident des Thüringer Fischereiverbands, Torsten Schmidt. Besonders in Mittel- und Ostthüringen befürchten die Teichbetreiber ein Fischsterben, wenn die Wetterlage sich nicht bald ändere.

Schon jetzt führten die Temperaturen zu erhöhten Betriebskosten, etwa durch die zusätzliche Einbringung von Sauerstoff und Belüftung. Weil die Fütterung eingeschränkt werde, um die Tiere mit dem Verdauungsprozess nicht zusätzlich zu belasten, sei auch mit schlechteren Erträgen zu rechnen. Wie stark die Schäden ausfielen, zeige sich aber erst beim Abfischen im Herbst. Aussagen über höhere Preise oder ein geringeres Angebot ließen sich daher noch nicht machen, sagte Schmidt.

Zu schaffen macht die Witterung vor allem Forellen und anderen Salmoniden, die eher kühles, sauerstoffreiches Wasser bevorzugen. Karpfen seien zwar robuster gegen hohe Temperaturen. Ihnen bereiteten aber der geringe Zulauf von Frischwasser, hohe Verdunstung und niedrige Pegelstände in den Teichen Probleme. «Vor allem in Regionen, in denen Flüsse oder Bäche extremes Niedrigwasser haben oder ganz ausgetrocknet sind, sind die Investitionskosten für die Fischer deutlich gestiegen», sagte Schmidt.

Die Umstellung auf exotische Fische sei für die Teichbetreiber bisher keine Option: Zum einen seien hitzeresistentere Arten, etwa aus der Mittelmeerregion, ungeeignet für die kalten Winter in Deutschland. Zum anderen setzten die Fischer grundsätzlich lieber auf regionale Arten, die die heimische Vielfalt widerspiegelten, hieß es.

Auch das Landwirtschaftsministerium rechnet bereits mit Umsatzeinbußen in der Aquakultur. Fast alle Anlagen im Freistaat seien betroffen, einzig bei den von Quellen anstatt von Fließgewässern gespeisten Teichen sei die Lage etwas entspannter. «Nach bisherigen Einschätzungen ist die Situation ernst, aber nicht so gravierend wie in anderen Bundesländern», sagte der Sprecher des Ministeriums, Martin Gerlach. Gemeinsam mit den Unternehmen würden derzeit die bereits sichtbaren Schäden erfasst.

In Thüringen wurden im vergangen Jahr dem statistischen Landesamt zufolge von insgesamt 70 Betrieben rund 881 Tonnen Speisefisch erzeugt, darunter etwa 475 Tonnen Regenbogenforellen und 205 Tonnen Karpfen. Hinzu kommt die Produktion von Besatzfischen für Teichwirtschaften und Angelvereine. Aktuell sind 20 Betriebe Mitglied im Fischereiverband, die Bandbreite reicht von kleinen Nebenerwerbsbetrieben bis hin zu großen Firmen mit einer Fläche von über 100 Hektar und einer Produktion von über 100 Tonnen im Jahr. Der Großteil der erzeugten Fische geht in die regionale Produktion oder wird innerhalb Deutschlands verkauft.

Von 2015 bis 2017 haben die Unternehmen der Aquakultur in Thüringen rund 2,15 Millionen Euro aus dem Europäischen Fischerereifonds für Investitionen in Anlagen und zur Verbesserung der Vermarktung ihrer Erzeugnisse erhalten. In der aktuellen Förderphase wurden etwa 345 000 Euro an die Betriebe ausgezahlt. dpa

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Veröffentlicht am:
12. 08. 2018
09:35 Uhr

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12. 08. 2018
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