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Wirtschaft

Ein Mini-ICE auf Länder-Kosten

Paukenschlag im Sommerloch: Thüringen plant nun doch Regionalverkehr auf der neuen ICE-Trasse. Für den Süden des Landes ist der Nutzen aber minimal.



Eine Art Mini-ICE auf der Thüringer-Wald-Trasse: Was hier nur auf einer Testfahrt zu sehen war, könnte ab Ende 2023 Wirklichkeit werden: Thüringen und Bayern planen einen Erfurt-Nürnberg-Regionalexpress mit Tempo 190. Archivfoto: Thomas
Eine Art Mini-ICE auf der Thüringer-Wald-Trasse: Was hier nur auf einer Testfahrt zu sehen war, könnte ab Ende 2023 Wirklichkeit werden: Thüringen und Bayern planen einen Erfurt-Nürnberg-Regionalexpress mit Tempo 190. Archivfoto: Thomas  

Suhl - Kein Regionalverkehr auf der Schnellfahrstrecke durch den Thüringer Wald: So verlautete es jahrelang aus dem Verkehrsministerium. Die Argumente waren klar: Züge, die auf den 90 bahnhofslosen Kilometern zwischen Erfurt und Coburg in einer halben Stunde durchrauschen, bringen diese beiden Städte und ihr Umland zwar unschlagbar schnell zueinander - dem Rest Thüringens nützt ein solcher Mini-ICE auf Landeskosten aber so gut wie nichts.

Mehr Züge zwischen Erfurt und Nürnberg mit Zusatz-Stopp in Coburg, aber doch bitte als echte ICEs und damit auf Kosten und Risiko der Deutschen Bahn - so argumentierte man auch in Coburg, wo man seit Eröffnung der ICE-Strecke von einen regulären Zwei-Stunden-Takt träumt.

Und nun das: In einer gemeinsamen Ausschreibung verkünden die zuständigen Verkehrsbehörden in Thüringen und Bayern, man wolle beim künftigen Betreiber des Regionalbahnnetzes fünf Zugpaare Nürnberg-Coburg-Erfurt "in ICE-Zwischenlagen" bestellen, sofern die DB bei ihrem "bisher bekanntem Planungsstand" bleibe, nicht mehr als vier ICE pro Tag und Richtung in der Vestestadt stoppen zu lassen.

Dass sich bei den Nahverkehrs.Planungen für die Thüringer-Wald-Trasse etwas tun könnte, hatte sich bereits Ende vorigen Jahres angedeutet. Damals hatte die für den Regionalverkehr zuständige landeseigene bayerische BEG gefordert, auf der Strecke Coburg-Erfurt müsse im Sinne eines Taktverkehrs "nachgesteuert" werden. Dabei hatte BEG-Planungschef Florian Liese ausdrücklich ein gemischtes Angebot aus ICE- und Regionalverkehr ins Spiel gebracht, wie es auf bayerisches Seite schon existiert. Neben einzelnen ICE-Stopps bindet die Regionalexpresslinie Sonneberg-Nürnberg Coburg im Takt und schnell nach Süden an.

Wenige Wochen später tauchte die Relation Coburg-Erfurt auch in dem von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) beauftragten "Deutschland-Takt"-Netz auf, einer Vision für den künftigen Bahnverkehr. Züge einer neuen Kategorie "Fernverkehr light" sollten demnach mit annähernd ICE-Tempo die ICEs der Linie München-Berlin auf dem Abschnitt Nürnberg-Erfurt ergänzen - samt Halt in Coburg.

Vor Ort waren bereits die beiden Zukunfts-Überlegungen für die Thüringer-Wald-Trasse aus München und Berlin mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. "Ein Regionalverkehr Erfurt-Coburg wäre der Sargnagel für die Werrabahn", warnte der Fahrgastverband Pro Bahn, der den umstrittenen Schienen-Lückenschluss zwischen Eisfeld und Coburg für viel wichtiger hält als mehr Züge zwischen Coburg und Erfurt. Letztere nützten nur einer kleinen Region, während eine Linie von Coburg bis Meiningen und darüber hinaus ganz Südthüringen an den ICE anbände, sagte Pro-Bahn-Sprecher Folke Ebert damals.

Auch in Coburg überwiegt die Skepsis. Würde die neue Ausschreibung nun wie geplant ab Ende 2023 umgesetzt, dann gäbe es zwar endlich ganztägige Verbindungen in die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt. Zugleich aber wäre der Traum vom ICE-Systemhalt Coburg (also Stopps der Linie München-Berlin mindestens alle zwei Stunden) ausgeträumt und damit die Aussicht auf mehr Direktzüge in die Bundes- und in die Bayern-Hauptstadt passé. Dabei hatte der Coburger Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) noch Mitte Juli betont, Bahnchef Richard Lutz habe ihm versichert, "dass Coburg ab Winter 2021 eine Chance für eine Anbindung im Zwei-Stunden-Takt bekommen kann". Die Bereitschaft der DB, mehr ICEs den fahrplantechnisch problematischen Umweg über Coburg nehmen zu lassen, dürfte durch die jüngste Ausschreibung indes gesunken sein. Während die Fernzüge auf Kosten und Risiko der DB fahren, werden die Regionalbahnen von den Ländern bestellt und bezahlt.

Den Südthüringern brächte das neue Zugangebot mindestens so viel Schatten wie Licht. Für den Raum Sonneberg/Eisfeld ergäben sich einerseits (durch Umstieg in Coburg) massiv verbesserte Anbindungen nach Erfurt und damit auch an den Fernverkehr Richtung Berlin und Dresden - also das, was es von Suhl oder Meiningen aus längst gibt

Bezahlen müssen die Sonneberger den Komfort dadurch, dass es weniger Direktzüge nach Nürnberg gibt: Bei dem Erfurt-Express handelt es sich nämlich um die Regionallinie Nürnberg-Sonneberg, die dann fünf Mal pro Tag und Richtung ab Coburg auf die Trasse nach Erfurt abbiegt statt in die Spielzeugstadt zu fahren. Zusätzliche Umsteige-Züge sollen dieses Manko aber mildern.

Ob das Zusatzangebot auf der ICE-Trasse zulasten des übrigen Regionalverkehrs in Südthüringen geht, da ja insgesamt nicht mehr Landesgelder eingeplant sind? Im Erfurter Verkehrsministerium war dazu am Dienstag nichts zu erfahren.

Autor
Markus Ermert

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Veröffentlicht am:
06. 08. 2019
21:07 Uhr

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06. 08. 2019
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