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Thüringen

Wildkameras filmen immer öfter in Städten - Hohe Dunkelziffer

Wildkameras sind heute kaum aus der Forschung wegzudenken. Doch sie werden längst nicht mehr nur im Wald und auf Wiesen eingesetzt. Das sorgt für Ärger.



Eine Wildkamera - Symbolfoto   Foto: dpa

Erfurt  - Wildkameras beschäftigen inzwischen regelmäßig die Thüringer Ordnungsbehörden. Es gebe einen klaren Trend zum Einsatz von immer mehr sogenannten Fotofallen, sagte eine Sprecherin des Thüringer Datenschutzbeauftragten. «Vor allem werden es mehr Wildkameras in den urbanen Umgebungen.»

So seien diese Geräte auch schon im Stadtwald von Jena eingesetzt worden. Wahrscheinlich gebe es viele derartige Kameras in Thüringen, von denen nur diejenigen wüssten, die sie montiert hätten. «Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch», sagte die Sprecherin. Für die Erforschung des Wildtierbestands sind die Geräte nach Ansicht von Naturschützern und Thüringer Umweltministerium inzwischen unverzichtbar.

Beim Datenschutzbeauftragten gab es der Sprecherin zufolge in den vergangenen 24 Monaten 13 Anfragen im Zusammenhang mit Wildkameras. Dabei sei es aber nicht immer um Beschwerden gegangen. So habe in einem der gemeldeten Fälle ein Hobby-Jäger den Betrieb einer Fotofalle in seinem eigenen Waldstück angemeldet.

Wildkameras sind mehr oder weniger getarnte technische Geräte, die etwa an Bäumen montiert werden und dort über einen langen Zeitraum hängen bleiben können. Damit lassen sich Fotos von Wildtieren machen, ohne dass sich dafür ein Fotograf auf die Lauer legen muss. Die Kameras lösen automatisch aus, wenn sich ihnen ein Tier nähert – oder ein Mensch. Deshalb kommt es immer wieder zu Fällen, in denen sich Spaziergänger und Waldbesucher bespitzelt fühlen.

Als vor wenigen Wochen beispielsweise nahe Oberschönau (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) ein Luchs in eine Fotofalle lief, galt das entstandene Bild als Sensation. Gleichzeitig gab es Kritik am massenhaften Einsatz der Kameras in dem entsprechenden Areal.

Die Polizei hat aber auch wegen Diebstahls häufig mit den Kameras zu tun. Oft wird sie dabei mit Fällen konfrontiert, in denen die Technik nicht für Wildtiere verwendet wird. So seien bereits Wildkameras entwendet worden, die von Gartenbesitzern zur Überwachung ihrer Hütten eingesetzt wurden, sagt ein Sprecher der Landespolizeidirektion in Erfurt. Auch seien Wildkameras, die zur Überwachung von Holzstapeln dienten, gestohlen worden.

Im Jahr 2016 seien bei der Thüringer Polizei insgesamt 40 Diebstähle von Wildkameras angezeigt worden, sagte der Sprecher. Ein Jahr später seien es 34 und im laufenden Jahr bislang 21 Anzeigen gewesen.

Menschen, die sich mit der Beobachtung des Wildtierbestandes in Thüringen befassen, halten die Kameras trotz der Probleme für wichtig. «Wildkameras sind sicher inzwischen unverzichtbar, allein schon beim Monitoring seltener Tierarten wie Luchs und Wildkatze», sagt ein Sprecher von ThüringenForst.

Die Landesanstalt für Umwelt und Geologie nutzt die Technik für das Wolfsmonitoring. Für die Beobachtung der Luchse sei in Abstimmung mit dem Landesdatenschutzbeauftragten eine Beschilderung mit Hinweisen auf die Kameras entstanden, heißt es beim Umweltministerium.

Auch der Thüringer Bund für Umwelt und Naturschutz nutzt die Technik. Mit Hilfe der Aufnahmen könnten einzelne Luchse anhand des Fellmusters identifiziert werden, erklärt Landesgeschäftsführer Burkhard Vogel. «Das erlaubt sogar Rückschlüsse über Wanderungsbewegungen und Populationsgrößen.» Die Kameras seien sinnvoll, weil Tiere zum Monitoring nicht gefangen oder anderweitig beeinträchtigt werden müssten.

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Von Sebastian Haak
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Veröffentlicht am:
21. 04. 2018
10:40 Uhr

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21. 04. 2018
10:40 Uhr



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