Topthemen: GebietsreformNSU-Prozess in MünchenThüringer helfen

Thüringen

Wie umgehen mit «Problemwölfen»? - Debatte um Abschuss

Von der Lausitz im Osten bis nach Niedersachsen leben immer mehr Wölfe. Während sich Naturschützer über den Zuwachs freuen, sehen andere eine wachsende Gefahr. Was tun?



Wolf
Für den Deutschen Jagdverband ist die Herangehensweise des amtlichen Naturschutzes beim Thema Wolf «naiv».   Foto: Julian Stratenschulte

Berlin - Zum Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen wollte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) am Mittwoch eigentlich ein neues Konzept vorlegen - als Hilfestellung für Behörden in den Ländern. Doch daraus wurde nichts, der Termin wurde spät am Dienstagabend auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Hintergrund ist die Umweltministerkonferenz nächste Woche, bei der das Thema auf der Tagesordnung steht. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte erklärt, er halte es für «nicht förderlich», wenn die Minister der Bundesländer vor vollendete Tatsachen gestellt würden. Dennoch ist die Frage der Bejagung jetzt wieder auf dem Tisch.

Denn in einem Auszug ist das neue Konzept schon veröffentlicht - in einer BfN-Zeitschrift. Der Text liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Anhand dessen übt der Deutsche Jagdverband (DJV) massive Kritik am amtlichen Naturschutz: Die Vorgehensweise sei «naiv». Skizziert werde eine «Bauernhofidylle», in der Wolf und Mensch auf engstem Raum friedlich nebeneinander leben. Eine solche Koexistenz sei ebenso «abwegig» wie die Vorstellung, der Wolf sei eine blutrünstige Bestie. Aktuell gebe es in Deutschland einen europaweit einzigartigen und risikoreichen «Feldversuch nach dem Motto "Versuch und Irrtum"», so der Verband. «Die Finnen reagieren auf Nahkontakte viel offensiver, Problemwölfe werden erlegt», erklärte Helmut Dammann-Tamke vom DJV.

In dem Auszug nennen die Autoren mehrere Szenarien und geben Empfehlungen. Der Abschuss von «Problemwölfen» wird als letztes Mittel geschildert. Er wird etwa empfohlen, wenn sich ein Wolf Menschen gegenüber «unprovoziert aggressiv» verhält. Und dann, wenn ein Vergrämen nach mehrfacher Annäherung an Menschen auf weniger als 30 Meter keinen Erfolg brachte. Eine generelle Bejagung von Wölfen lehnen die Autoren ab: Dies verhindere das Auftreten von Problemwölfen nicht. Mit dem Erstellen des insgesamt umfangreicheren Konzepts hatte das BfN die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) beauftragt.

«Kein Handlungsbedarf» bestehe, wenn ein Wolf in der Dunkelheit durch Siedlungen laufe oder im Hellen in Sichtweite von Häusern gesichtet werde, heißt es weiter. Erst wenn er über mehrere Tage Häusern nähere, sei eine nähere Analyse nötig. Und Anreize wie etwa Futterquellen müssten entfernt werden. Allgemein halten die Autoren fest: Die Zahl dokumentierter Wölfe mit auffälligem Verhalten in Deutschland sei «sehr gering». Problematisch sei das Anfüttern der Tiere, da sich derart konditionierte Wölfe für Menschen interessierten. Daraus könnten unter Umständen gefährliche Situationen entstehen.

Backhaus forderte «schnellstmöglich einen rechtssicheren und bundeseinheitlichen Handlungsrahmen» im Umgang mit Wölfen, «die ein notorisch unerwünschtes Verhalten aufweisen». Nach seinen Angaben ist die Zahl der Wolfsrudel in Deutschland inzwischen auf 60 gestiegen, das wären 13 mehr als nach dem Stand vom Vorjahr.

Die meisten Wölfe in Deutschland leben in Brandenburg und Sachsen, seit im Jahr 2000 wieder ein Wolfspaar aus Polen zuwanderte. Vorher waren die Tiere lange Zeit ausgerottet. Heute sind sie streng geschützt. Gleichzeitig gibt es Ängste in der Bevölkerung, Schäden bei Nutztierhaltern und Forderungen, den Schutzstatus zu lockern. dpa

Veröffentlicht am:
08. 11. 2017
13:13 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Autor Bundesamt für Naturschutz Deutsche Presseagentur Freude Gefahren Naturschützer SPD TH Wolf Till Backhaus Umweltministerkonferenzen Wölfe
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

17.11.2017

Genehmigung für Fangaktion von Wolf-Hund-Hybriden erwartet

Die erforderlichen Genehmigungen zum Einfangen der Wolf-Hund-Mischlinge vom Standortübungsplatz Ohrdruf sollen Anfang der nächsten Woche kommen. » mehr

Meister Isegrimm ist in Verruf geraten, nachdem in der jüngsten Zeit in Thüringen mehrere Tiere, vor allem Schafe, gerissen wurden. Noch ist nicht klar, ob nicht vielleicht auch wildernde Hunde die Täter waren. Dieses Wolfs-Exemplar hier lebt allerdings in einem Gehege. Archivfoto: dpa

06.09.2017

Der Wolf und die toten Geißlein

Eine Serie von Angriffen auf Schafe und Ziegen sorgt für Unruhe in Thüringen. War es ein Wolf? Umweltministerin Siegesmund warnt vor Panikmache. Im Notfall ist auch ein Abschuss möglich. » mehr

Ein Wolf

08.11.2017

Von Mahnwachen und Schüssen - vom Umgang mit dem Wolf

Er ist wieder da: Der Wolf breitet sich seit der Jahrtausendwende in Deutschland aus. Vor allem Landwirte sind darüber nicht erfreut. Wie geht man in den einzelnen Bundesländern mit der Herausforderung um? Eine Übersicht... » mehr

Ein Rudel Wölfe

14.11.2017

Verbände: Wölfe können Thüringen jährlich 13 Millionen kosten

Die Rückkehr des Wolfes kann Thüringen nach Meinung von Berufsverbänden jährlich rund 13 Millionen Euro kosten. » mehr

07.11.2017

Ohrdrufer Wolf-Mischlinge: Neuartige Polsterfallen möglich

Das Thüringer Umweltministerium will den Abschuss der wildlebenden sechs Wolf-Hund-Hybriden in Ohrdruf möglichst vermeiden. Aktuell diskutieren Fachleute, wie die Tiere zu fangen sind. Aber der Abschuss ist längst nicht ... » mehr

wolf

23.10.2017

Nicht Hund, nicht Wolf - Streit um Ohrdrufer Hybride

Sechs Wolfmischlinge lassen in Thüringen die Emotionen hochkochen. Denn sie haben nach Ansicht von Artenschützern den falschen Vater. Er soll kein Wolf, sondern ein Haushund sein. Deshalb stehen die Jungtiere nun auf ein... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Merkers - Oberdorla Merkers

Handball Merkers - Oberdorla | 16.01.2018 Merkers
» 17 Bilder ansehen

Unfall Steinach Steinach

Unfall Steinach | 14.01.2018 Steinach
» 5 Bilder ansehen

Liederabend Veilsdorf

Liederabend Veilsdorf | 14.01.2018 Veilsdorf
» 16 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 11. 2017
13:13 Uhr



^