Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Thüringen

Vor dem nächsten Hasskonzert formiert sich der Protest

In weniger als zwei Wochen steht Themar das nächste große Rechtsrock-Konzert bevor. Die Gegendemonstranten bereiten sich bereits darauf vor.



Themar/Erfurt - Wenn wieder Hunderte, vielleicht sogar Tausende Neonazis aus Deutschland und Europa nach Themar kommen, dann werden diejenigen Einwohner der Stadt, die sich damit nicht abfinden wollen, in diesem Jahr nicht nur von Gleichgesinnten aus anderen Teilen Thüringens unterstützt werden. Selbst aus der Region Frankfurt am Main hätten sich inzwischen Menschen gemeldet, die an den geplanten Protesten gegen ein weiteres Rechtsrock-Konzert dort teilnehmen wollten, sagt der Sprecher des Bündnisse für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra, Thomas Jakob. Deshalb werde es einen Bus geben, der am ersten Juli-Wochenende aus der hessischen Region in die Kleinstadt nach Südthüringen fahren werde. Und auch aus anderen Teilen Deutschlands gebe es inzwischen Anfragen von Menschen, die den Protest in Themar unterstützen wollten, sagt Jakob. Organisiert seien zudem schon Busse, die aus Weimar und Jena nach Themar fahren würden. Trotzdem hoffe er auch aus der 2800-Einwohner-Stadt selbst auf ein deutliches Zeichen gegen Rechts. "Ich würde mich freuen, wenn wir 200 Menschen aus Themar bei uns hätten", sagt Jakob. Bis er weiß, ob sich dieser Wunsch erfüllt, streiten sich die Gegendemonstranten nun erst einmal mit der Versammlungsbehörde.

Derzeit sind nach Angaben eines Sprechers des Thüringer Innenministeriums im Wesentlichen zwei Versammlungen für den 5. bis 7. Juli in Themar angemeldet, die formal-juristisch betrachtet, in mehrere Teilveranstaltungen zerfallen, sodass es auch mehrere Auflagenbescheide dafür gibt. Zum einen gibt es diesen Angaben nach die Anmeldung von Neonazis für eine Kundgebung, die bereits am Freitagabend beginnen und bis Sonntag dauern soll. Dabei seien ebenso Redebeiträge angekündigt wie vor allem der Auftritt mehrere rechtsextremer Musikbands, wobei Letzteres der eigentliche Anlass für die Anmeldung ist. Rechtsextreme tarnen solche Konzerte immer wieder als politische Kundgebungen. Stattfinden soll diese Veranstaltung erneut auf jener Wiese am Rande von Themar, auf der sich 2017 nach damaligen Polizeiangaben mehr als 6000 Neonazis aus ganz Deutschland und Europa getroffen hatten, um das bisher größte Hassfestival auf deutschem Boden nach 1945 zu feiern.

Zum anderen gibt es die Anmeldung der Proteste gegen dieses neuerliche Rechtsrock-Konzert durch das Bündnis. Nach Angaben von Jakob sollen diese Proteste unmittelbar links und rechts neben dem Veranstaltungsgelände der Rechtsextremen stattfinden - weshalb es zwei Versammlungsleiter für die Gegenproteste gibt, einen für die linke und einen für die rechte Wiese: Neben Jakob nimmt Diana Hennig diese Rolle ein. Jene Frau also, die vor wenigen Monaten eine Petition beim Thüringer Landtag eingereicht hatte, mit der sie vom Freistaat mehr Engagement im Kampf gegen Rechtsrock gefordert hatte.

Lob für Behörden

Ausgerechnet Hennig ist es nun, die ein paar lobende Worte für die Behörden im Vorfeld des zu erwartenden rechten Aufmarsches findet. Es sei gut, dass die Auflagenbescheide für die Versammlungen in diesem Jahr nun etwa zwei Wochen vor deren Beginn vorlägen und nicht wie in der Vergangenheit erst ganz kurz zuvor, sagt sie. Das sei eine der Forderungen ihrer Petition gewesen. "Das freut mich, auch wenn die Bescheide noch früher hätten fertig sein können." Immerhin lägen die Anmeldungen für die Versammlungen seit Monaten vor.

Die in den Bescheiden verhängten Auflagen sind nach Angaben des Sprechers des Innenministeriums für alle angemeldeten Versammlungen ähnlich: Unter anderem sei sowohl den Neonazis als auch den Gegendemonstranten der Einsatz von Zelten nicht gestattet und es sei ein Alkoholverbot verhängt worden, sagt er.

Gegen diese Auflagen gehen die Anmelder nun vor - sowohl die Gegendemonstranten als auch die Rechtsextremen. Letztere hätten dazu bereits einen 24-seitigen Schriftsatz beim Verwaltungsgericht Meiningen eingereicht, sagt der Sprecher des Innenministeriums. Sie wollten das Alkoholverbot ebenso nicht akzeptieren wie sie die verhängte Obergrenze von 3000 Teilnehmern für ihre Veranstaltung; was man durchaus als Hinweis darauf deuten kann, dass die Organisatoren des Rechtsrock-Konzerts mit deutlich mehr Besuchern rechnen als mit den 800, die sie angemeldet haben. Auch zahlreiche andere Auflagen aus den Bescheiden würden durch sie angegriffen, sagt der Sprecher. So wollten die Anmelder auch nicht akzeptieren, dass ihnen verboten worden sei, rassistische Lieder zu spielen.

Jakob und Hennig sagen, sie würden unter anderem gegen die Zahl der für ihre Kundgebung angeordneten Toiletten - die sie für zu hoch halten - und gegen das gegen sie verhängte Alkoholverbot vorgehen. Nicht nur, dass man selbst entscheiden wolle, ob man Alkohol ausschenke oder nicht. "Vor allem ist es ein Unding, uns mit den Rechtsextremen über einen Kamm zu scheren", sagt Jakob. Es gebe nach den Erfahrungen der Vorjahre keinen Grund, bei den Gegendemonstranten aus Sicherheitsgründen ein Alkoholverbot zu verhängen. Dass 2017 während des Rechtsrock-Konzertes Hunderte Rechtsextreme den Hitler-Gruß gezeigt hatten, sei ein Beispiel das zeige, welche Seite regelmäßig durch Straftaten auffalle.

Bei einem Rechtsrock-Konzert in Apolda 2018 war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Neonazis gekommen, als die Polizei kurz davor war, die Veranstaltung aufzulösen.

Autor
Sebastian Haak

Sebastian Haak

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 06. 2019
10:33 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alkoholverbote Demokratie Demonstrationen Gegendemonstranten Neonazis Polizei Rechtsextremisten Rechtsradikalismus Rechtsrock Sozialer oder politischer Protest Thüringer Landtag Veranstaltungen Verwaltungsgericht Meiningen
Themar Erfurt
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Nazi Konzert Themar Themar

Aktualisiert am 09.07.2019

Rechte klagen über Staatsmacht

Nachdem die Rechtsextremen ihr Konzert in Themar nicht so ungestört feiern konnten wie früher, herrscht in Teilen der Szene eine Jetzt-erst-recht-Stimmung. Und Verbitterung darüber, was dem Staat so alles gelungen ist. » mehr

Nazi Konzert Themar Themar

10.07.2019

Experten sehen Ende von großen Rechtsrockfestivals in Thüringen

Was bedeutet es, dass zum Rechtsrock-Konzert von Themar deutlich weniger Besucher kamen als im Vorjahr? Demokratieberater sehen einen Trend. » mehr

Innenminister Georg Maier. Foto: H. Matz

01.07.2019

Alkohol-Verbot bei Rechts-Rock bestätigt

Anders als in früheren Jahren sind die Auflagen der Behörden für das geplante Rechtsrock-Konzert in Thema nicht gleich in der ersten Gerichts-Instanz wieder gekippt worden. » mehr

Mehrere Rechtsextreme Vereine in Thüringen

01.07.2019

Sieben eingetragene rechtsextreme Vereine in Thüringen

Rechtsextreme Organisationen in Thüringen sind nicht nur informelle Zusammenschlüsse von Neonazis. Manche sind ganz offiziell bei Amtsgerichten registriert. Selbst manche Reichsbürger lassen ihre Vereine eintragen. » mehr

Rechte Kampfsportler trainieren für Straßenkampf. Archiv-Foto: Thomas Frey/dpa

27.03.2019

Neonazi-Kampfsport ist der neue Rechtsrock

Während Rechtsrock-Konzerte seit längerer Zeit schon für Neonazis extrem wichtig sind, gewinnen nun auch andere Veranstaltungen an Bedeutung für sie. Deren Organisatoren lernen von den Machern der Hass-Konzerte. » mehr

rechtsrock protest

03.10.2018

"Da ist eine seltsame Stille"

In einigen Tagen werden wohl Tausende Neonazis für ein Rechtsrock-Konzert nach Apolda und Magdala kommen. Die Stimmung vor allem in Magdala erinnert an die in Themar wegen der dortigen Neonazi-Konzerte. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schlafsack auf der Empore - Pilgern in Thüringen Paulinzella

n | 02.07.2019 Meiningen
» 1 Bilder ansehen

Kleintransporter kracht ungebremst auf Lkw Bucha

Unfall Kleintransporter A4 | 16.07.2019 Bucha
» 21 Bilder ansehen

Mondfinsternis Sternwarte Suhl

Mondfinsternis Suhl | 16.07.2019 Sternwarte Suhl
» 16 Bilder ansehen

Autor
Sebastian Haak

Sebastian Haak

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 06. 2019
10:33 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".