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Thüringen

Unterricht per Internet - und jetzt Strafen für die Lehrer?

Von einem Tag auf den anderen mussten die Schulen auch in Thüringen digital werden, Lehrer ihren Unterricht ins Internet verlagern. Das könnte ihnen nun Strafen einbringen.



Onlineportale sind Anlaufpunkte für Lehrer, Schüler und auch Eltern. Foto: Florian Schuh/dpa
Onlineportale sind Anlaufpunkte für Lehrer, Schüler und auch Eltern. Foto: Florian Schuh/dpa  

Hausaufgaben per Whatsapp verteilt, Unterricht über Videokonferenz-Plattformen wie Zoom oder GoMeeting - so sah wegen der Corona-Pandemie der Schul-Alltag auch in Thüringen aus, wenn dies das Netz in den schwach versorgten Gegenden überhaupt zuließ. Und während manche Lehrer überhaupt froh waren, dass es einigermaßen klappte, droht nun der Datenschutz-Hammer.

Die Behörde des Thüringer Datenschutzbeauftragten Lutz Hasse will nun nämlich mögliche Datenschutz-Verstöße von Lehrern im Zuge des häuslichen Lernens in der Corona-Krise prüfen. Auch Bußgelder gegen Lehrer seien nicht ausgeschlossen, sagte Hasse am Donnerstag. Hasse betonte, dass geprüft werden müsse, ob der jeweilige Verstoß tatsächlich in der Verantwortung des jeweiligen Lehrers liege oder in der Verantwortung der Schule. "Es kann auch so ausgehen, dass kein Bußgeld gegen eine Lehrer verhängt wird, wenn es sich so darstellt, dass die Schule den Verstoß geduldet hat", sagte Hasse.

Mögliche Datenschutz-Verstöße beim häuslichen Lernen seien etwa die Verwendung von nicht sicherer Software oder "dass Daten fließen über Kanäle, die nicht sicher sind", sagte Hasse.

Das Problem war schon in Vor-Corona-Zeiten präsent. So hatten nämlich die Datenschützer Whatsapp-Gruppen etwa von Schulklassen untersagt. Der Messenger-Dienst - ein Tochterunternehmen von Facebook - verschlüsselt zwar die Kommunikation, nimmt aber Zugriff auf die Kontaktdaten des jeweiligen Nutzers. Als ähnlich problematisch gilt die Benutzung privater E-Mail-Postfächer für schulische Angelegenheiten.

Für Thüringer Schulen gibt es deshalb eine Schulplattform, über die zum Beispiel Hausaufgaben hochgeladen und abgerufen werden können. Außerdem gibt es für Lehrer spezielle E-Mail-Postfächer. Laut Hasse sind die vom Freistaat den Schulen zur Verfügung gestellten Mittel sicher.

Unterdessen werden Zweifel daran laut, ob die sicheren Zugangswege ins Netz auch schon für alle Schulen und Lehrer erreichbar sind - die Digitalisierung war erst mit 50 Pilotschulen gestartet. Und so stellt sich auch Bildungsminister Holter hinter die Pädagogen: "Lehrerinnen und Lehrer, die in der Corona-Krise mit hohem Engagement und unter hohem Zeitdruck das Lernen zu Hause organisieren mussten und nach den besten Wegen gesucht haben, den Kontakt zu ihren Schülerinnen und Schülern und zu den Eltern zu halten, sollten nun nicht mit Bußgeldern bedroht werden", sagt er.

Datenschutz sei zwar ein hohes Gut, allerdings habe es sich bei der Schließung der Schulen wegen der Corona-Pandemie um eine Krisensituation gehandelt, bei der die Lehrer auch eigenverantwortlich gehandelt hätten. "Priorität hatte hier zu Recht, alle Schülerinnen und Schüler schnell und gut zu erreichen, und dabei stelle ich mich ausdrücklich hinter die Kolleginnen und Kollegen".

Die Thüringer CDU-Fraktion kritisierte Hasse: "Wir hätten uns gewünscht, dass der Datenschutzbeauftragte die Thüringer Schulen in den schwierigen Wochen und Monaten seit Beginn der Corona-Krise konstruktiv und lösungsorientiert begleitet und ihnen in datenschutzrechtlichen Fragen als Ansprechpartner zu Verfügung steht. Lehrern mit Bußgeldern zu drohen und sie dadurch zu verunsichern, ist definitiv der falsche Weg", erklärte der stellvertretende Vorsitzende und bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete Hasses Ankündigung, mögliche Datenschutzverstöße von Lehrern zu prüfen als "Schlag ins Gesicht" derer, die schnell nach Möglichkeiten gesucht hätten, Schüler im Distanzunterricht gut zu betreuen. jwe/dpa

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Veröffentlicht am:
05. 06. 2020
07:33 Uhr

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