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Thüringen

Tramper-Wettbewerb: Möglichst schnell von Erfurt nach Bosnien

Per Anhalter nicht durch die Galaxis, sondern durch Europa: Beim Tramprennen reisen mehr als 100 Teilnehmer um die Wette. Auch dieses Jahr fällt der Startschuss in Erfurt.



Johanna Roth und Philipp Weckesser müssen in Erfurt erst einmal zur Autobahn kommen.
Johanna Roth und Philipp Weckesser müssen in Erfurt erst einmal zur Autobahn kommen.   Foto: Jens Büttner/dpa

Erfurt - Auf die Plätze und Daumen hoch: Rund 100 Teilnehmer sind in diesem Jahr beim Tramprennen dabei. In Teams reisen sie per Anhalter um die Wette. An diesem Samstag fällt in Erfurt für etwa 50 der Startschuss - der Rest legt in Graz in Österreich los, wie Felix Kösters von den Organisatoren erklärt. Erfurt war schon im vergangenen Jahr Startpunkt für das Rennen. "Es liegt eben zentral in Deutschland und ist für jeden gut zu erreichen", sagt Kösters.

Teilnehmer kommen aber nicht nur aus ganz Deutschland. "Leute aus Rumänien und England sind dabei, es gingen aber auch schon Kolumbianer und Kanadier an den Start - es ist immer eine bunte Mischung", sagt der 23-jährige Kösters.

Eigene Grenzen überwinden

Allein darf niemand fahren. Die Teams - meist eine Frau und ein Mann - bekommen Routen zugelost, auf denen sie innerhalb von zwei Wochen und in sechs Etappen von Erfurt oder dem zweiten Startpunkt Graz nach Bosnien trampen sollen. Punkte werden je nach Ankunftszeit an den Etappen vergeben. Wenn dann wohl spätestens am 31. August alle Teilnehmer am Ziel - einem Bergsee 60 Kilometer südwestlich von Sarajevo - angekommen sind, werden die Sieger geehrt.

Aber das Gewinnen stehe nicht wirklich im Fokus der Teilnehmer, so Kösters. "Es geht vielen darum, eigene Grenzen zu überwinden." Es sei auch Urlaub. "Beim Trampen lernt man eher Einheimische kennen, und man erfährt, was die Menschen in dem jeweiligen Land bewegt."

Wichtig sei den meisten Teilnehmern aber auch das mit dem Rennen verbundene Engagement. Die Teams suchen sich Sponsoren. Mit dem Spendengeld werden dann soziale Projekte unterstützt. In diesem Jahr gehen die Mittel an den zivilen Seenotrettungsverein Sea-Watch, der sich für die Rettung von in Seenot geratenen Geflüchteten im Mittelmeer einsetzt.

"Hört auf euer Bauchgefühl"

Kösters, der selbst häufig im Alltag auch per Anhalter unterwegs ist, weiß um die möglichen Gefahren beim Trampen. Er findet jedoch auch: "Trampen wird als viel gefährlicher wahrgenommen, als es tatsächlich ist, aber das Gefährlichste daran ist schlichtweg, mit einem Auto zu fahren." Ein Unfall sei viel wahrscheinlicher, als dass es tatsächlich zu einem Übergriff komme. "Wir sagen unseren Teilnehmern aber auch: "Hört auf euer Bauchgefühl, wenn ihr ein schlechtes Gefühl bei einem Fahrer habt, dann lehnt ruhig auch ab.""

In den rund zehn Jahren, in denen das Tramprennen schon stattfinde, seien Teilnehmer bisher nur einmal in einen kleineren Unfall verwickelt gewesen. "Wichtig ist, dass man schon beim Warten an einer gut sichtbaren Stelle steht, an der Autos auch problemlos halten können", sagt Kösters. Der Tramp-Verein "Abgefahren" gibt auf seiner Website weitere Tipps fürs sichere Reisen per Anhalter, etwa nicht alleine zu reisen und angemessen gekleidet zu sein.

Trampen noch immer aktuell

Dass das Trampen bei allen Möglichkeiten wie Fernbussen oder übers Internet organisierten Mitfahrgelegenheiten auch nicht ganz aus der Zeit gefallen ist, zeigen zudem Online-Netzwerke. In denen sind Tramper organisiert und informieren sich. Ein anderes Beispiel: Ein Verein aus Oberfranken stiftet dort sogenannte Mitfahrbänke. Wer sich darauf setzt, zeigt mit einem Schild an einem Mast seine Zielrichtung an. Autofahrer können die Wartenden aufnehmen. Die Aktion soll vor allem älteren Menschen auf dem Land ermöglichen, mobil zu bleiben.

Die Teilnehmer des Tramprennens seien allerdings jünger, berichtet Kösters. "Die meisten sind zwischen 18 und Mitte 30." Seinen Ursprung hat das Rennen 2008. Damals hatten Mitglieder der Trinkwasserinitiative Viva con Aqua die Idee, von Kiel zur Weltausstellung Expo nach Saragossa zu trampen. Daraus sei schließlich ein Wettrennen geworden. dpa

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Veröffentlicht am:
18. 08. 2018
18:04 Uhr

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18. 08. 2018
18:04 Uhr



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