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Thüringen

Tote Kinder von Altenfeld: Neue Details belasten Amt

Mehrfach ist nach dem mutmaßlicher Doppelmord von Altenfeld gefragt worden, ob es Fehler des Jugendamtes erst möglich gemacht haben, dass ein Vater zwei seiner Söhne töten konnte. Nach aktuellen Recherchen stellt sich diese Frage noch eindringlicher.



Ein Kindersarg wird aus dem Haus in Altenfeld getragen. Archiv
Ein Kindersarg wird aus dem Haus in Altenfeld getragen. Archiv  

Ilmenau/Erfurt - Auch mehrere Monate nach dem Mord-Urteil des Landgerichts Erfurt gegen einen Vater, der in Altenfeld im Sommer 2017 zwei seiner Kinder getötet hat, reißt die Kritik am Jugendamt des Ilm-Kreises wegen des Falls nicht ab. Nach Angaben eines Gerichtssprechers hat der Vater gegen das Urteil Revision eingelegt.

Währenddessen berichten zahlreiche Menschen, die in der Vergangenheit immer wieder Kontakt mit dem Jugendamt hatten, die Behörde habe auch im Umgang mit anderen Familien ganz ähnliche vermeintliche Fehler gemacht wie im Fall von Altenfeld. Das Handeln der Mitarbeiter des Jugendamtes in diesem Fall entspreche dem dort üblichen Muster. "Insofern musste früher oder später so etwas Furchtbares passieren", sagt jemand, der die Arbeit des Amtes seit Jahren verfolgt.

Zudem erscheinen Angaben des Jugendamtes beziehungsweise des Landratsamtes zum Fall des mutmaßlichen Doppelmordes inzwischen mindestens unvollständig: So hatte das Landratsamt in einer Pressemitteilung vom 16. Juni 2017 erklärt, die Familie, in der sich die Taten ereigneten, habe "Mitte Dezember 2016 Kontakt zum Jugendamt aufgenommen und um Unterstützung bei der Beschaffung einer Kindertagesbetreuung gebeten".

Nach Informationen unserer Zeitung allerdings war der zum Tatzeitpunkt 27-jährige Familienvater schon lange vor dem Dezember 2016 beim Jugendamt des Ilm-Kreises bekannt - oder hätte dort zumindest bekannt sein müssen. Denn die Familie, in der der Mann aufgewachsen ist, ist seit inzwischen mehr als zehn Jahren vom Jugendamt des Ilm-Kreises betreut worden. Während dieser Begleitung hat es diesen Informationen nach mehr als einmal Hinweise darauf gegeben, dass in der Herkunftsfamilie des späteren mutmaßlichen Doppelmörders das Wohl von Kindern gefährdet sein könnte.

Vor dem Hintergrund dieser Familiengeschichte des Mannes erscheint es Menschen, die mit dem Fall von Altenfeld vertraut sind, umso unverständlicher, dass das Jugendamt die später getöteten Kinder bei ihrem Vater ließ, unmittelbar nachdem dieser nach den Feststellungen aus dem Prozess vor dem Landgericht am 13. Juni 2017 seine Ehefrau krankenhausreif geprügelt hatte. Zwei Tage nach dem Übergriff auf seine Frau tötete der Mann, wie er vor Gericht gestanden hat, zwei seiner Kinder mit einem Messer und verletzte seinen dritten Sohn schwer. Das Gericht erkannte unter anderem auf zweifachen Mord und verurteilte den Vater zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Zudem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Mann hatte auch die Schläge gegen seine Ehefrau vor Gericht gestanden.

Das Landratsamt des Ilm-Kreises beziehungsweise das dortige Jugendamt wollen keine Angaben dazu machen, seit wann die Behörde den späteren mutmaßlichen Doppelmörder tatsächlich kannte. Die Behörde sei dem Sozialdatenschutz verpflichtet und könne daher keine personenbezogenen Daten oder ihr anvertraute Informationen der Öffentlichkeit preisgeben, sagt ein Sprecher des Landratsamtes.

Lesen Sie dazu auch: Es darf nicht sein, dass...

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Sebastian Haak

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Veröffentlicht am:
02. 08. 2018
06:51 Uhr

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Sebastian Haak

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02. 08. 2018
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