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Thüringen

Tote Kinder von Altenfeld: Jugendamt verschärft Meldepflichten

Nachdem ein Vater in Altenfeld zugab, zwei seiner Kinder getötet zu haben, ist immer wieder Kritik am Jugendamt laut geworden. Die Verantwortlichen haben die Vorwürfe nun erneut zurückgewiesen - die Behörde ändert ihre Vorgehensweise dennoch minimal.



Arnstadt -  Das Jugendamt des Ilm-Kreises hat nach dem tödlichen Messerangriff eines Vaters auf zwei seiner Söhne vor einem Jahr mit kleineren Veränderungen auf Kritik an seiner Arbeit reagiert. Beispielsweise seien die Mitarbeiter des Jugendamtes inzwischen angewiesen worden, die Amtsleitung über jeden Einsatz des Bereitschaftsdienstes zu informieren, sagte der Leiter des Jugendamtes, Jens Jödicke, am Montag in Arnstadt.

Zudem sei mit der Polizei darüber gesprochen worden, wie die Abstimmung zwischen den Beamten und den Jugendamtsmitarbeitern verbessert werden könne, sollten Polizisten zu Einsätzen zum Schutz von Kindern gerufen werden. Grundsätzlich aber verteidigte Jödicke ebenso wie die Landrätin des Ilm-Kreises, Petra Enders (parteilos), das Vorgehen des Amtes im Fall von Altenfeld.

In Altenfeld im Ilm-Kreis hatte vor etwa einem Jahr ein Vater zwei seiner Kinder getötet. Sein drittes Kind verletzte er schwer. Zwei Tage vor der Tat hatte er seine Frau krankenhausreif geprügelt. Das Jugendamt sah trotz des Übergriffs auf die Mutter der Kinder keine Notwendigkeit, sie von ihrem Vater zu trennen. Das Landgericht Erfurt verurteilte den Vater wegen der Taten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter anderem wegen Mordes. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Mann hat die Taten vor Gericht aber gestanden.

Jödicke erklärte, es habe direkt nach dem Übergriff auf die Mutter der Kinder für das Jugendamt gar keine Möglichkeit gegeben, die Kinder vom Vater zu trennen. Die Polizei habe der Bereitschaftsmitarbeiterin des Jugendamtes unmittelbar nach den Schlägen des Vaters mitgeteilt, die Situation habe sich wieder beruhigt, die Beamten brächten die Mutter nun ins Krankenhaus.

An dieser Einschätzung hätte sich auch nichts geändert, wenn die Mitarbeiterin persönlich nach Altenfeld gefahren wäre, sagte der Jugendamtsleiter. Dass dies nicht geschehen war, hatte vor dem Landgericht für deutliche Kritik am Amt auch von den Richtern gesorgt.

Die Landrätin will nach eigenen Worten in Zukunft bei Kitas und Schulen die Hilfsangebote des Jugendamtes und der freien Träger der Jugendhilfe in ihrem Landkreis noch bekannter machen. Man habe feststellen müssen, dass viele Familien solche Angebote oft nicht nutzten. Dabei könnten sie dazu beitragen, schwierige Situationen in den Familien zu vermeiden. dpa

Lesen Sie dazu auch: Rechtsaufsicht prüft Vorwürfe gegen Jugendamt

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13. 08. 2018
17:10 Uhr

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