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Thüringen

Tod von Domaschk kann weiterhin nicht geklärt werden

Bis heute beschäftigt der rätselhafte Tod des DDR-Oppositionellen Matthias Domaschk 1981 im Stasi-Gefängnis in Gera die Menschen. War es Selbstmord?



«Matthias Domaschk 2.0 - Suizid oder Mord in Stasi-Haft 81?»
Der Moderator Ullrich Sondermann-Becker (l-r), Roland Jahn (Bundesbeauftragter BStU), Renate Ellmenreich (Lebenspartnerin von Domaschk), Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), Henning Pietzsch und Wolfgang Loukidis (beide Mitglieder der Arbeitsgruppe) sprechen bei einer Pressekonferenz über die Ergebnisse der «Arbeitsgruppe Tod von Matthias Domaschk».   Foto: arifoto, dpa

Erfurt -  38 Jahre nach dem Tod des DDR-Oppositionellen Matthias Domaschk in Stasi-Haft können die Umstände immer noch nicht geklärt werden. Zwar gebe es konkrete Indizien, dass der damals in den Dokumenten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) geschilderte Ablauf und der von der Stasi behauptete Selbstmord so nicht stattgefunden haben, teilte eine Arbeitsgruppe der Thüringer Staatskanzlei am Dienstag mit. Doch eindeutige Zeugenaussagen über die konkreten Vorgänge in diesem Zeitraum fehlten. «Der letzte Beweis ist uns nicht gelungen», sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).

Domaschk war am 12. April 1981 im Alter von 23 Jahren in Gera gestorben, nachdem ihn die DDR-Staatssicherheit festgenommen und stundenlang verhört hatte. Er war in der oppositionellen Gruppe der Jungen Gemeinde in Jena aktiv. Er hatte gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert und Kontakt zur Bürgerrechtsbewegung «Charta 77» in Prag.

Anfang der 1990er Jahre waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen mangelnder Beweise eingestellt worden. Im März 2015 hatte Ramelow auf die Bitte der einstigen Lebensgefährtin von Domaschk, Renate Ellmenreich, die neue Arbeitsgruppe eingerichtet.

Die Gruppe konnte neben den MfS-Unterlagen unter anderem auch die Akten der staatsanwaltlichen Untersuchung sichten. Zudem wurden Zeitzeugen befragt - allerdings sei es nicht gelungen, mit damals unmittelbar beteiligten MfS-Mitarbeitern zu sprechen, sagte der Historiker Henning Pietzsch am Dienstag.

«Nach den Indizien, die uns vorliegen, die wir überprüft haben im Detail, kann es so nicht abgelaufen sein, es spricht alles dagegen», sagte Pietzsch. Die Arbeitsgruppe stellte zahlreiche Ungereimtheiten fest. Dazu gehörten widersprüchliche Angaben etwa bei der Bezeichnung der Räume in der MfS-Untersuchungshaftanstalt und der Uhrzeiten.

So sei Domaschk nach Darstellung der Stasi tot in einem Besucherzimmer mit der Nummer 121 aufgefunden worden. Aus Bauunterlagen der Haftanstalt gehe aber hervor, dass der Raum mit der Nummer 121 im Jahr 1981 wohl das Treppenhaus gewesen sei.

Auch bei der Frage, welcher MfS-Mitarbeiter Domaschk als letztes lebend gesehen hatte, gab es demnach unterschiedliche Angaben in den Akten. Weitere Zweifel gebe es unter anderem an den Ergebnissen der Obduktion. Die Art der Würgemale passe einem von der Gruppe beauftragten Gutachten eines Gerichtsmediziners zufolge nicht zur Version des Erhängens.

«Das erklärt nicht, wann und unter welchen konkreten Umständen die in Betracht kommende Drosselung von Matthias Domaschk geschah», heißt es im Abschlussbericht, der von Pietzsch verfasst wurde. Möglich sei, dass es einen «Unfall» mit Todesfolge und nachgestelltem Suizid oder eine «ungewollte» Gewalthandlung durch MfS-Mitarbeiter gegeben habe, so die Mitglieder der Arbeitsgruppe in der Vergangenheit. Dennoch sei die Arbeit nicht umsonst gewesen. «Wir konnten eines erschüttern, absolut, und das steht: Es war kein Selbstmord», sagte Ramelow. dpa

 

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
17:36 Uhr

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
17:36 Uhr



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