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Thüringen

Thüringer Kommunen froh über das Ende der Hunde-Rasseliste

Die meisten größeren Städte begrüßen die Abschaffung der "Rasseliste für gefährliche Hunde", die Anfang des Jahres aus den Landesgesetzen gestrichen wurde. Doch wenn ein Vierbeiner auffällig wird, kann es für den Halter teuer werden.



Wenn Hunde auffällig werden, kann es teuer werden: Auch wenn es keine "Rasseliste für gefährliche Hunde" mehr gibt, ist das kein Freibrief für Halter. Die Zahl der nach ihrem Wesen als gefährlich eingestuften Hunde hält sich im Freistaat in Grenzen. In Erfurt, wo unser Bild entstand, ist unter den über 10 000 registrierten Hunden kein als gefährlich eingestuftes Exemplar. Archivbild: Carsten Koall/dpa
Wenn Hunde auffällig werden, kann es teuer werden: Auch wenn es keine "Rasseliste für gefährliche Hunde" mehr gibt, ist das kein Freibrief für Halter. Die Zahl der nach ihrem Wesen als gefährlich eingestuften Hunde hält sich im Freistaat in Grenzen. In Erfurt, wo unser Bild entstand, ist unter den über 10 000 registrierten Hunden kein als gefährlich eingestuftes Exemplar. Archivbild: Carsten Koall/dpa  

Erfurt/Sonneberg - Viele Thüringer Kommunen vermissen die Rasseliste für gefährliche Hunde nach deren Abschaffung nicht, behalten aber auffällige Vierbeiner im Blick. Einzelne Städte haben sich für einen eigenen Weg entschieden - oder die Steuerauflagen der neuen Regelung noch nicht angepasst, wie aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Thüringer Kommunen hervorgeht.

Seit dem 12. Februar 2018 gilt in Thüringen eine neue Regelung, um Hunde als gefährlich einzustufen. Nicht mehr die Rasse, sondern das Wesen eines Hundes ist jetzt ausschlaggebend. Wer einen gefährlichen Hund hält, muss dann ein Vielfaches der normalerweise fälligen Abgaben entrichten.

In Jena sind das zum Beispiel 600 Euro im Jahr - etwa das Siebenfache des normalen Satzes. Hunde, die auffällig geworden sind, müssen sich einem Wesenstest unterziehen, der von einem der 37 Sachverständigen im Freistaat ausgestellt wird. Der Halter muss zudem einen Sachkunde-nachweis vorlegen.

Etliche Kommunen begrüßen die neuen Regeln und das Ende der Rasseliste. "In der Verwaltungspraxis ließ sich tatsächlich keine höhere Gefährlichkeit der betroffenen Rassen belegen", sagte etwa die Pressesprecherin der Stadt Erfurt, Heike Dobenecker. Die Abschaffung sei daher folgerichtig und für die Verwaltung eher eine Erleichterung gewesen. Ähnlich äußerten sich die Sprecher von Jena und Gera.

Es gibt aber auch andere Meinungen, wie das Beispiel Sonneberg zeigt: "Wir beobachten Medienberichte von Beißvorfällen mit 'Kampfhunderassen' mit großer Sorge", sagte eine Sprecherin der Stadt. Solche Vorkommnisse würden vermehrt in Bundesländern auftreten, die keine Rasselisten (mehr) führten. Und trotz der Abschaffung in Thüringen zahlten in vier Fällen die Besitzer von "Listenhunden" im Kreis Sonneberg immer noch den erhöhten Steuersatz von mindestens 280 Euro. Zum Vergleich: Der erste angemeldete Hund kostet in Sonneberg normalerweise nur 50 Euro Steuern.

Gespalten ist die Lage in Eisenach: Zwar begrüße man die Abschaffung der Rasseliste, weil bei Beißvorfällen auch immer wieder Hunde anderer Rassen und Mischlinge auffällig würden, sagte Pressesprecherin Janina Walter. Dennoch wurde schon im Jahr 1998 eine "eigene" Rasseliste in die Satzung der Stadt aufgenommen, die auch nach dem Wegfall der Liste im Thüringer Gesetz weiter gilt.

Für 22 wegen ihrer Rasse als "gefährlich" eingestufte Hunde müssen die Besitzer statt der für andere Rassen üblichen 84 Euro auch weiterhin 600 Euro Steuern zahlen. Die Stadt begründet das mit der kommunalen Satzungshoheit. Laut Landesverwaltungsamt ist es tatsächlich nicht ausgeschlossen, dass sich "örtliche Satzungen" einer eigenen Rasseliste bedienen.

Die Zahl der tatsächlich nach ihrem Wesen als gefährlich eingestuften Hunde hält sich indes im Freistaat in Grenzen. In Erfurt ist unter den insgesamt über 10 000 registrierten Hunden kein als "gefährlich" eingestuftes Exemplar. Gleiches gilt für die 3200 in Jena gemeldeten Vierbeiner. Einigen Tieren wurde aber ein Maulkorb-Zwang verordnet. In Gera wurden hingegen vier der insgesamt 4200 Hunde nach einem Wesenstest als gefährlich eingestuft.

Fast überall nimmt die Zahl der Hundehaltungen zu. Allein in der Landeshauptstadt spült die Hundesteuer jedes Jahr fast eine Million Euro in die Stadtkasse. 2017 waren nach Angaben des Innenministeriums im Freistaat über 151 000 Hunde gemeldet. Im selben Jahr gingen 430 Schadensmeldungen im Zusammenhang mit Hunden ein. 205 Menschen wurden dabei leicht und 22 schwer verletzt.

Die Schadensmeldungen umfassen aber neben Hundebissen auch Verletzungen durch Anspringen, Umstoßen oder Kratzen. Eine eigene Beißstatistik existiert im Thüringer Innenministerium nicht. 2016 betrugen die Einnahmen aus der Hundesteuer nach Angaben des Landesamtes für Statistik rund 7,7 Millionen Euro. dpa

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Veröffentlicht am:
01. 08. 2018
21:12 Uhr

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