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Thüringer Hebammen: Größeres Interesse an Hausgeburten

Die wegen Corona angeordneten Quarantänen - so scherzen Hebammen - könnten ihnen zu Weihnachten viel Arbeit bescheren. Dabei haben sie jetzt schon alle Hände voll zu tun.



Mutter hält Hand von Baby
Eine Mutter hält die Hand eines wenige Tage alten Kindes.   Foto: Sina Schuldt/dpa/Symbolbild

Thüringer Hebammen verzeichnen angesichts der Coronavirus-Pandemie ein steigendes Interesse an Hausgeburten. «Wir haben vermehrt Anfragen nach außerklinischen Entbindungen», sagte die Vorsitzende des Hebammenlandesverbandes, Annika Wanierke. Für Geburten in den heimischen vier Wänden oder in Geburtshäusern gebe es klare gesundheitliche Ausschlusskriterien. Ob diese außerklinischen Geburten realisierbar seien, hänge zudem von den Kapazitäten der freiberuflichen Hebammen ab.

Nach Verbandsangaben erfolgen derzeit zwischen 1,5 bis 2 Prozent der jährlich rund 18 000 Entbindungen in Thüringen außerhalb der Kliniken. «Das steigende Interesse an außerklinischen Geburten in der Coronakrise könnte generell mit der Angst vor Ansteckung zu tun haben», vermutete Wanierke. Dabei seien die hygienischen Vorsorgemaßnahmen in den Kreißsälen sehr umfangreich. Es gebe ausreichend Desinfektionsmittel und Schutzkleidung für das Personal und auch Extra-Kreißsäle nur für Corona-Verdachtsfälle.

Auf den Wochenstationen seien Besuche massiv eingeschränkt oder ganz verboten, sagte die Verbandschefin. Zudem dürften werdende Väter derzeit nur unter strengen Auflagen bei der Geburt dabei sein. In mindestens einer Klinik in Thüringen ist ihnen die Teilnahme an der Geburt sogar ganz untersagt. Nähere Angaben dazu machte Wanierke jedoch mit Rücksicht auf das betreffende Krankenhaus nicht.

Am Universitätsklinikum in Jena - der größten Klinik in Thüringen - dürfen angehende Väter ihre Partnerinnen weiterhin in den Kreißsaal zur Geburt begleiten. Bis zur Entscheidung, ob es wirklich Richtung Geburt gehe, müssten die Väter allerdings vor der Kreißsaaltür warten, erklärte der Direktor der Klinik für Geburtsmedizin, Professor Ekkehard Schleußner. Die Versorgung für Schwangere sei auch während der Corona-Pandemie gewährleistet. Allerdings gelten auch in der Geburtsmedizin besondere Regelungen. Auf der Wöchnerinnenstation bestehe - wie im Klinikum generell - Besuchsverbot.

Wanierke verwies auf die Arbeitsbelastung der Thüringer Hebammen, die in den Kreißsälen bereits zu normalen Zeiten extrem hoch sei. Nicht selten müssten bis zu drei Frauen und mehr gleichzeitig während der Geburt betreut werden. Einige Hebammen hätten sich wegen der Ausbreitung des Erregers Sars-CoV-2 bereits in Quarantäne begeben müssen. Sollte ihre Zahl weiter steigen, werde das die ohnehin angespannte Personalsituation massiv verschärfen, befürchtete Wanierke.

In einigen Regionen im Freistaat sei es zudem schwierig, Hebammen für die Betreuung vor und nach der Geburt zu finden. Das betrifft nach Verbandsangaben den Wartburgkreis, den Kreis Saalfeld-Rudolstadt und den Saale-Orla-Kreis. Im Saale-Orla-Kreis hatte zudem das Krankenhaus in Schleiz im Februar wegen akuten Ärztemangels seine Geburtsstation geschlossen. Frauen müssten nun für die Entbindung Wege von einer Dreiviertelstunde in Kauf nehmen, kritisierte Wanierke und mahnte entsprechende Versorgungskonzepte für den ländlichen Raum an.

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 03. 2020
08:02 Uhr

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19. 03. 2020
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