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Thüringen

Studenten messen sich in Wortgefechten

In Jena liefern sich über das Wochenende Studenten wortgewaltige Gefechte bei der deutschsprachigen Debattiermeisterschaft. Von den 220 Teilnehmern sind längst nicht alle Muttersprachler.



Jena - Einen besonderen Fokus legt die deutschsprachige Debattiermeisterschaft dieses Jahr auf Nicht-Muttersprachler. Bei dem am Freitag in Jena beginnenden mehrtägigen Wettbewerb gibt es erstmals neben dem regulären Finale auch eine Endrunde für Teilnehmer, die Deutsch als Fremdsprache sprechen. Das kündigte die diesjährige Organisatorin des Wettbewerbs an, die Debattiergesellschaft Jena der Friedrich-Schiller-Universität.

Die Kunst des Debattierens und seine Geschichte

Debattieren als Wettstreitdisziplin stammt aus dem angelsächsischen Raum und ist heute noch vor allem an Hochschulen in Großbritannien und den USA verbreitet. Es orientiert sich in seinen Regeln häufig an der Debattentradition des englischen Unterhauses. Eine der berühmtesten Hochschuldebatten der Geschichte dürfte die von der Friedensbewegung bewegte "King and Country Debate" ("König und Vaterland-Debatte") 1933 an der Universität Oxford gewesen sein. An deutschen Universitäten wird erst seit den 1990er Jahren im Redewettstreit debattiert. Inzwischen gibt es nach Angaben des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen (VCDH) etwa 70 studentische Debattierclubs - häufig sind sie an den größeren Universitäten zu finden. Die erste deutschsprachige Debattiermeisterschaft der Hochschulclubs fand 2001 statt. Neben den Meisterschaften von Hochschulgruppen gibt es in Deutschland auch den Wettbewerb "Jugend debattiert" für Schüler.

 

Beim Debattieren müssen die Teilnehmer mit Argumenten, Logik und Wortgewandtheit eine Position zu einem Pro-Contra-Thema einnehmen und verteidigen. Eine Jury entscheidet dann, wer am überzeugendsten war. "Es geht darum, testweise als Training einen Standpunkt zu übernehmen, ihn zu durchdenken und auch durchzuhalten", sagte der Präsident der Deutschen Debattiergesellschaft, Jens Henning Fischer. Es sei eine Möglichkeit, aus der eigenen Blase herauszutreten.

 

Die Themen werden erst kurz vor der Debatte den Teams bekanntgegeben. Das Los entscheidet, ob sie für die Pro- oder Contra-Seite argumentieren müssen.

Insgesamt haben sich rund 220 Teilnehmer aus Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Jena angemeldet. Im Wettbewerb der Nicht-Muttersprachler gehen unter anderen Italiener, Griechen und Israelis an den Start. Aus Jena nehmen zwei Flüchtlinge aus Syrien teil. In der Uni-Stadt werden seit einem halben Jahr neben den allgemeinen Debatten mit Nicht-Muttersprachlern auch "Geflüchteten-Debatten" veranstaltet.

Streitkultur fehlt

Zwischen allen Shitstorms und Troll-Attacken sind nach Ansicht Fischers echte Debatten im Internet eine Ausnahme. "Um richtige Debatten führen zu können, muss überhaupt anerkannt werden, dass es andere Meinungen gibt und diese auch Berechtigung haben." Genau an dieser Voraussetzung mangele es aber den meisten Netz-Diskussionen. Fischer vermisst eine echte Streitkultur: "Grundsätzlich wäre es schön, rationaler und vernunftorientierter miteinander zu streiten."

Das öffentliche Finale des Wettbewerbs findet am Pfingstmontag im Jenaer Volksbad statt. Dort kürt eine Ehrenjury die beste Finalrede. dpa

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Veröffentlicht am:
19. 05. 2018
08:31 Uhr

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