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Thüringen

Schüler sollen in Pausen Masken tragen - Fahrplan für Unterricht

Kleine Lerngruppen, strenge Hygieneregeln und Unterricht zu Hause: Bildungsminister Holter hat seinen Plan vorgestellt, wie Bildung in Zeiten von Corona funktionieren soll. Eine Herausforderung, sagt der Minister - auch weil das Personal knapp ist.



Erfurt Mit strengen Hygienevorschriften und Abstandsregeln fährt die Thüringer Landesregierung den Bildungssektor schrittweise wieder hoch. Schüler sollen in den Pausen einen Nasen- und Mundschutz tragen, Unterricht soll es nur in kleinen Gruppen geben. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) präsentierte dazu am Dienstag nach einer Schalte des Regierungskabinetts einen Fahrplan. Es sei aber weiter zu beachten, wie sich die Infektionszahlen in Thüringen und in Deutschland entwickeln, machte Holter klar.

Sowohl der Thüringer Lehrerverband als auch die CDU-Fraktion kritisierten, dass viele Fragen noch ungeklärt seien. Holters Plan enthält etwa noch keine Ansatzpunkte, wie der Schülerverkehr geregelt werden kann - der Minister verwies aber darauf, dass sein Ministerium mit den Schulträgern, die dafür zuständig sind, in Kontakt sei.

ZEITPLAN

Ab dem 27. April sollen die Abiturklassen wieder zur Schule gehen können, am 4. Mai folgen dann die Abschlussklassen für den Hauptschul- und den Realschulabschluss. Auch jene Schüler, die eine Besondere Leistungsfeststellung absolvieren müssen (Gymnasium, zehnte Klasse), sollen wieder zur Schulen gehen. Ab dem 7. Mai beginnt der Präsenzunterricht für Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf.

Holter wies darauf hin, dass nicht alle Kinder und Jugendliche Zuhause die gleichen Bedingungen haben. Manch einer Familie fehle es zum Beispiel an einem Internetanschluss. «Unter den Corona-Bedingungen ist es besonders schwer, Bildungsgerechtigkeit umzusetzen», sagte Holter.

Ab dem 11. Mai stehen die Schulen Viertklässlern wieder offen. Bis spätestens 2. Juni sollen dann alle Schüler wieder zur Schule gehen können. Allerdings betonte Holter, dass es wegen der Corona-Pandemie keinen normalen Unterricht geben werde.

UNTERRICHT

Die neuen Regeln sehen deutlich kleinere Gruppen vor. «Maximal zehn Schülerinnen und Schüler oder im Kindergarten zehn Kinder dürfen in einer Gruppe sein», sagte Holter. Bei einer Klasse mit normalerweise 30 Schülern müssten also drei Lerngruppen gebildet werden. «Wir brauchen entsprechend mehr Lehrer, um den Unterricht abzudecken», sagte Holter.

Wenn ab Anfang Juni dann alle Schüler wieder in die Schulen gehen können, soll es eine Rotation geben: Denkbar sei, dass die Schüler beispielsweise erst zwei Tage in der Schule sind, dann zu Hause lernen und dann wieder in die Schule gehen. «Was mit dem fünften Tag passiert, das müssen wir noch entscheiden», sagte Holter.

NASEN- UND MUNDSCHUTZ

Schüler sollen in den Pausen und wenn sie den Raum wechseln einen Nasen- und Mundschutz tragen. Auch in den Schulbussen sollen die Kinder und Jugendlichen etwas vor dem Gesicht tragen, um das Ansteckungsrisiko zu vermindern. Während des Unterrichts soll eine Maske aber nicht nötig sein.

SITZENBLEIBEN

Wegen der Corona-Krise sollen Schüler in Thüringen automatisch in die nächsthöhere Klassenstufe versetzt werden - mit Ausnahme der Klassen neun und zehn. In diesen beiden Jahrgangsstufen sei die Versetzung auch ein Verwaltungsakt, weil die Schüler in der neunten und zehnten Klasse Abschlusszeugnisse bekommen können, wie Holter sagte. «Für alle anderen Klassen wird es ein Aufrücken in die nächsthöhere Klasse geben», sagte Holter. Er betonte, dass die Schüler aber freiwillig eine Klassenstufe wiederholen könnten. Diese Wiederholung werde nicht auf die Wiederholungshäufigkeit oder die Höchstverweildauer in der Oberstufe angerechnet.

PRÜFUNGEN

Zehntklässler an Gymnasien sollen in diesem Jahr nur in Themen geprüft werden, die auch tatsächlich unterrichtet wurden. Die sogenannte Besondere Leistungsfeststellung soll aber anders als von einigen Politikern gefordert nicht ausfallen. Holter verwies unter anderem auf das geltende Schulgesetz, das diese Prüfung für Zehntklässler an Gymnasien vorsieht.

Die Prüfung soll in diesem Jahr jedoch in veränderter Form stattfinden. So ist geplant, dass schriftlich in Deutsch geprüft wird sowie in einer Naturwissenschaft, die die Schüler wählen dürfen. Für das Fach Deutsch soll es eine zentrale Aufgabe geben. In der Naturwissenschaft können die Schulen Zeit und Aufgabe selbst festlegen. Die Abiturprüfungen starten in diesem Jahr am 18. Mai.

NOTBETREUUNG

Man wolle parallel zum beginnenden Schulbetrieb auch die Notbetreuung fortsetzen, sagte Holter. «Das ist eine Herausforderung, die seinesgleichen sucht.» Einen regulären Hortbetrieb werde es nicht geben. In den Kindergärten soll die Notbetreuung ab dem 27. April auf die Kinder von berufstätigen Alleinerziehenden ausgeweitet werden. Der Freistaat hatte die Notbetreuung bislang eher streng reglementiert und Plätze nur an Kinder von Eltern vergeben, die in sogenannten kritischen Infrastrukturbereichen arbeiten. In der zweiten Osterferienwoche waren in Thüringen insgesamt 5678 Kinder in einer Notbetreuung.

Nach den neuen Regeln sollen auch Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit, der Jobcenter und der Sozialämter sowie der Thüringer Landesaufbaubank ihre Kinder in die Notbetreuung geben können, sofern diese Mitarbeiter für die Bewältigung der Corona-Krise gebraucht werden. Auch die Kinder von Lehrern und Erziehern können in die Notbetreuung sowie Kinder von Auszubildenden und Schülern, die vor einer Prüfung stehen.

Die Notbetreuung an Schulen könnte dagegen erst ab dem 11. Mai ausgeweitet werden. Dies hänge von der nächsten Schalte der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin ab, sagte Holter.

LEHRER

Wegen der Corona-Krise scheint sich die personelle Situation an Thüringens Schulen zu verschärfen. Seit Jahren schon kämpft Thüringen mit einem Lehrermangel. Nun geht Holter davon aus, dass etwa 25 Prozent der Lehrer nicht in den Schulen präsent sein können, sondern von zu Hause aus arbeiten werden, weil sie zum Beispiel zu einer Risikogruppe gehören. «Wobei ich bei den Über-60-Jährigen auf Freiwilligkeit setze», sagte Holter.

Außerdem gebe es Lehrer in der Landesverwaltung, die zum Beispiel im Ministerium beschäftigt seien oder im Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, und nun wieder in den Unterricht geschickt werden könnten. «Wir werden auch, wenn notwendig, diese Lehrerinnen und Lehrer aus der Landesverwaltung herausnehmen und in den Schulen zum Einsatz bringen müssen», sagte Holter.

Der Minister kündigte zudem an, dass angehende Lehrer im Vorbereitungsdienst auch ohne die zweite Lehrprobe das zweite Staatsexamen ablegen können. Auch auf Referendare wolle man zurückgreifen, um den Unterricht abzudecken. dpa

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21. 04. 2020
17:37 Uhr

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21. 04. 2020
17:37 Uhr



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