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Thüringen

Regen und Sturmböen sorgen für Unfälle und Erdrutsche in Thüringen

Kurz, aber heftig hat Sturmtief Fabienne den Südwesten Thüringens durchzogen. Starkregen und kräftiger Wind haben in großen Teilen des Landes für Verkehrsbehinderungen gesorgt. Auf etlichen Straßen liegen Äste, Geröll und Schlamm.



Suhl - Erst Temperatursturz, dann Dauerregen ab Samstagabend und schließlich eine dunkle, wasserreiche Sturmfront der Kategorie "Weltuntergang" am späten Sonntagnachmittag: Der Sommer hat sich aus Südthüringen mit heftigen Wetterturbulenzen verabschiedet. Auf zahlreichen Stadt- und Landstraßen stauten sich die Wassermassen. In Meiningen regnete es in kürzester Zeit über 15 Liter pro Quadratmeter.

23.09.2018 - Unwetter in Südthüringen - Foto:

Überflutung Südthüringen
Unwetter in Breitungen Südthüringen
Unwetter Südthüringen
Unwetter Südthüringen
Unwetter Südthüringen
Unwetter Südthüringen
Unwetter Südthüringen
2018-09-23 Südthüringen
Unwetter Hinternah 23.09.18 Südthüringen
Unwetter Hinternah 23.09.18 Südthüringen
Unwetter Hinternah 23.09.18 Südthüringen
Unwetter Hinternah 23.09.18 Südthüringen
Unwetter Hinternah 23.09.18 Südthüringen
Unwetter Hinternah Südthüringen
Unwetter Hinternah Südthüringen

Bei der Landeseinsatzzentrale der Polizei gingen bis zum frühen Sonntagabend mehr als 50 Einsätze ein, sagte ein Sprecher. Hinzu kamen zahlreiche Unfälle. Oft waren Äste oder ganze Bäume auf Straßen gefallen, teils seien Straßenabschnitte von Geröll oder Schlamm überdeckt worden. Überschwemmte Straßen und umgeknickte Bäume hielten die Feuerwehren vor allem in Suhl und den Kreisen Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen in Atem.

In den Innenstädten von Suhl, Meiningen und Schmalkalden setzten überlaufende Gullys Straßen in Senken unter Wasser. Allein im Meininger Stadtgebiet war die Feuerwehr an 13 Stellen aktiv. Kurz nach 17 Uhr musste daher die Feuerwehr mit ihren Wachen Meiningen, Helba und Dreißigacker ausrücken. So stand unter anderem in der Marienstraße das Wasser, ebenso in der Henneberger Straße und der Werrastraße. Meist war das Wasser nach etwas einer Stunde wieder abgelaufen. Stadtbrandmeister Michael Friedrich rechnete jedoch für die Nacht mit weiteren Einsätzen.

Auch in der Schmalkalder Innenstadt hieß es erst einmal Land unter, während die Feuerwehr gerade einem Alarm der Brandmeldeanlage an der Hochschule nachging. Kleine Sturzfluten ergossen sich laut Stadtbrandmeister Michael Pfunfke auch in der Renthofstraße.

Im Schleusinger Ortsteil Hinternah rollte von einem Feld auf dem Kilianbergs aus eine Schlammlawine ins Dorf und verstopfte die Kanäle; bereits zum dritten Mal in diesem Jahr wurden eine Garage und ein Keller überflutet. Die Feuerwehr von Nahetal-Waldau war hier mit ihrer kompletten Mannschaft im Einsatz. Die Kameraden schaufelten, kehrten, reinigten die Kanaleinläufe.

Aber nicht nur in Hinternah: Von Heldburg bis Themar, von Marisfeld oder Steinbach bis Schlechtsart - überall im Landkreis Hildburghausen schien am späten Sonntagnachmittag die Welt unterzugehen. Heftige Regengüsse mit Gewittern und Sturm fegten über den Landkreis, knickten Bäume um oder setzten kurzzeitig Straßen unter Wasser und Schlamm.

Zwischen Benshausen und Bermbach bei Suhl waren mehrere Autofahrer zwischen herabgefallenen Bäumen gefangen. Ein Baum stürzte bei Bermbach nahe Suhl auf ein Auto. Die Fahrerin blieb mit ihrem Kind laut Polizei unverletzt. Schon vor Einsetzen des Starkregens hatte ein Autounfall bei Zella-Mehlis mit einem Schwerverletzten die Rettungskräfte in Atem gehalten. Auch auf der Bahnstrecke zwischen Zella-Mehlis und Steinbach-Hallenberg lagen Bäume und brachten den Zugverkehr zum Erliegen. Die Feuerwehr rückte per Motorsäge an und machte die Straßen und Gleise passierbar.

Im Werratal kamen die Feuerwehren kaum mit dem Einsätzen hinterher. Mehrere Unterführungen liefen mit schlammigem Wasser voll. So hätten sich die Breitunger Kameraden ob der vielen Einsatzstellen zerteilen können, hieß es. Unter anderem war die Unterführung zum Ortsteil Craimar mit Wasser vollgelaufen. Am Ortseingang aus Richtung Ölmühle war die Straße auf Höhe des Supermarktes überflutet. Die Feuerwehr musste die Nebenstraße in Richtung Blumengrund von den Schlammmassen beräumen und die verstopften Abflüsse freilegen.

Die Wernshäuser Kameraden kamen zu Hilfe, als die Unterführung am Bußhof mit Schlamm volllief. Offenbar hatte ein Pkw-Fahrer noch versucht, die Stelle zu passieren und war im Schlamm steckengeblieben. Das Auto wurde mit einem Einsatzfahrzeug herausgeschleppt.

An der Bundesstraße 19 bei Bonndorf spülten die Wassermassen jede Menge Dreck auf die Straße. Der zeitweise befürchtete Erdrutsch blieb aber aus, die Polizei musste die Straße nicht sperren, hieß es von der Meininger Polizeiinspektion.

Während des Sturms fielen auf dem Roten Bühl offenbar mehrere Bäume um, so dass Fahrzeuge nicht weiter kamen. Zudem wurden zwischen Wahles und Trusetal Steine auf die Straße gespült. Auch an diesen Orten waren die Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz.

Im Wartburgkreis rutschte die Erde auf eine Landstraße zwischen Marksuhl und Wünschensuhl. Äste und Dreck bedeckten die Fahrbahn, wie die Polizei am Sonntagabend mitteilte. Menschen wurden hier nicht verletzt. Auch zwischen Fernbreitenbach und Baueshof war die Straße unpassierbar. Die Polizei sperrte Abschnitte der Landstraße 1023 komplett.

Bis zum Abend gab es im Wartburgkreis insgesamt 25 Einsätze. Vor allem wegen verschmutzter Fahrbahnen und umgestürzter Bäume mussten die Feuerwehren ausrücken. Verletzte gab es laut Angaben der Leitstelle nicht. Besonders das Erbstromtal war betroffen. So war die Ortsdurchfahrt Farnroda überschwemmt.

Auch die Bundesstraße 84 zwischen Marksuhl und Frauensee war zeitweise nicht befahrbar, weil in Dönges Schlamm die Fahrbahn blockierte. Hier waren die Feuerwehren aus Tiefenort und Frauensee im Einsatz, reinigten die Straße und organisierten eine innerörtliche Umleitung.

In Eisenach fiel auf einem Parkplatz ein Baum um, beschädigte laut Polizeiangaben ein Fahrzeug und wurde von der Feuerwehr beseitigt.

Im Saalfelder Gewerbegebiet stürzten mehrere Fahnenmasten und Werbeträger auf parkende Autos, wie die Polizei am Montag mitteilte. Verletzt wurde dabei niemand. Auf der Straße zwischen Schwarzburg (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) und Bad Blankenburg sind so viele Bäume eingestürzt, dass die Straße seit Sonntagabend voll gesperrt ist. Die Räumungsarbeiten können nach Polizeiangaben nur mit schwerem Gerät fortgesetzt werden, die Strecke wird deshalb voraussichtlich längere Zeit gesperrt bleiben.

Auch der Südthüringer Fußballbetrieb litt unter dem Unwetter. Mehrere Sonntags-Spiele mussten unterbrochen oder abgebrochen werden.

Ob Menschen durch das Unwetter verletzt wurden, konnte die Polizei am Sonntagabend nicht sagen. Im angrenzenden Oberfranken hingegen starb eine Frau im Landkreis Bamberg: Sie wurde von einem Baum erschlagen. Bei der Polizei in Oberfranken gingen zwischen 17 und 20.30 Uhr 300 Notrufe ein. Unter anderem stürzte ein Strommast um, woanders fielen Internet und Strom aus.

Im fränkischen Landkreis Aschaffenburg wurden zahlreiche Dächer abgedeckt, Bäume stürzten um, wie die Feuerwehr am Sonntagabend mitteilte. Besonders heftig sei es in Großostheim gewesen. Dort wehte der Wind ein Sportflugzeug um - Kraftstoff lief aus. Verletzte gab es dabei nicht, in dem Flugzeug saß niemand. Außerdem wurde das Baggerschiff eines Kieswerkes umgestoßen.

Die Bahn stellte den ICE-Verkehr zwischen Erfurt und Nürnberg wurde ein. Auf der Autobahn 4 registrierte die Autobahnpolizei am Sonntagnachmittag innerhalb von 30 Minuten acht Unfälle auf der Strecke zwischen Apolda und Gotha. Etliche Autofahrer waren trotz des Unwetters viel zu schnell unterwegs und wurden Opfer von Aquaplaning.

Auch der Flughafen Frankfurt - Deutschlands größter Airport - meldete Probleme. Aufgrund der aktuellen Witterungsbedingungen komme es zu Verzögerungen im Betriebsablauf und vereinzelten Flugausfällen. Etwa zwei Dutzend Flüge waren vor allem zwischen 16 und 18 Uhr annulliert worden, wie die Website zeigte. Fluggäste wurden noch am Abend gebeten, ausreichend Zeit für die Anreise einzuplanen und sich möglichst früh am Check-in-Schalter einzufinden.   dpa/rwm/ppb/ide/ks/wlm/vat/er/ap

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Veröffentlicht am:
23. 09. 2018
19:52 Uhr

Aktualisiert am:
24. 09. 2018
09:31 Uhr

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