Lade Login-Box.
Topthemen: Südthüringen kocht 2020Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Thüringen

Razzia gegen mutmaßliche Islamisten - Synagoge ausgespäht

Mutmaßliche Islamisten stehen immer wieder im Visier deutscher Sicherheitsbehörden. Nun gehen die Ermittler mit einer gezielten Aktion in vier Bundesländern gegen Verdächtige vor. Hatten sie einen Terroranschlag geplant?



Mit einer groß angelegten Razzia sind Ermittler am Dienstag in vier Bundesländern gegen mutmaßliche Islamisten vorgegangen. Mehreren Verdächtigen tschetschenischer Abstammung wird vorgeworfen, Örtlichkeiten für einen etwaigen islamistisch motivierten Anschlag ausgespäht zu haben, wie die Berliner Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Eine Synagoge und ein Einkaufszentrum seien ausgekundschaftet worden, sagte Sprecher Martin Steltner. Eine konkrete Anschlagsgefahr habe aber nicht bestanden, so die Generalstaatsanwaltschaft.

Gegen die Verdächtigen im Alter von 23 bis 28 Jahren wird den Angaben zufolge wegen des Verdachts auf Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. Das Verfahren wird bei der Generalstaatsanwaltschaft in der Hauptstadt geführt.

Wo sich die mutmaßlich ausgespähten Örtlichkeiten befinden und weitere Details nannte der Sprecher nicht. «Auf dem Handy eines Beschuldigten befanden sich Bilder eines möglichen Anschlagziels», sagte der Sprecher. Deshalb seien die Ermittlungsbehörden in einem «frühen Stadium» eingeschritten.

Zur Zahl der Verdächtigen machte der Sprecher keine Angaben. Zugleich betonte er: «Es gab keine Festnahmen oder Haftbefehle.» Ein dringender Tatverdacht habe nicht bestanden.

Durchsuchungen fanden an insgesamt neun Orten statt. In Berlin gab es Razzien in Hellersdorf, Hohenschönhausen, Spandau und Köpenick, in Brandenburg in Ludwigsfelde, in Nordrhein-Westfalen in Hagen und in Thüringen in Arnstadt. Rund 180 Polizeikräfte waren im Einsatz.

Die Durchsuchungen hätten Klarheit über die Motivlage bringen sollen, erklärte die Behörde. Beschlagnahmt wurden Bargeld, Hieb- und Stichwaffen sowie Datenträger. Diese würden jetzt ausgewertet.

Nach Einschätzung der Berliner Gewerkschaft der Polizei hat der Einsatz gezeigt, dass die Hauptstadt nach wie vor im Fokus des internationalen Terrorismus stehe. «Es ist richtig, beim geringsten Verdacht Maßnahmen zu ergreifen und eine Gefahr möglichst früh im Keim zu ersticken», sagte Landesvize Kerstin Philipp. Einsätze mit möglichem Terrorzusammenhang seien eine enorme psychische Belastung. Allein der Fund von Waffen zeige die Gefährlichkeit.

Die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat wurde 2009 ins Strafgesetzbuch als Paragraf 89a aufgenommen. Demnach drohen dafür Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Die Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus an der Grenze zu Georgien gilt seit Jahrzehnten als Konfliktregion. Nach langer Flucht vor Krieg und Terror leben heute ethnische Tschetschenen in aller Welt verstreut. Nach dem Zerfall der Sowjetunion verhinderte Moskau eine Abspaltung des Gebietes in zwei Kriegen mit Zehntausenden Toten. Terroristen trugen den Kampf immer wieder nach außen.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte im Dezember 2017 die islamistische nordkaukasische Szene in Deutschland eingeschätzt. Demnach stieg seit Mitte 2015 die Zahl von Asylbewerbern aus der Russischen Föderation stark an. Etwa 90 Prozent kämen aus dem Nordkaukasus, vor allem Tschetschenen. Eine konkrete Zahl der hier lebenden Nordkaukasier sei aber nicht bekannt, ebenso wenig Strukturen einer nordkaukasischen islamistischen Szene oder eine Führungsfigur.

Die Szene sei gekennzeichnet durch weitläufige, zum Teil europaweite Netzwerke und eine weitgehende Abschottung nach außen. Entscheidender Faktor für eine Radikalisierung sei das persönliche Kontaktspektrum. Religion und Tradition seien das verbindende Element, hieß es. dpa

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 01. 2020
11:32 Uhr

Aktualisiert am:
14. 01. 2020
08:55 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angeklagte Anschläge Ermittlerinnen und Ermittler Gewaltdelikte und Gewalttaten Islamisten Islamistischer Fundamentalismus Polizei Polizistinnen und Polizisten Staatsanwaltschaft Twitter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Landgericht Erfurt

07.11.2019

Prozessauftakt: Versuchter Mord an Polizisten, Drogen und Fahren ohne Führerschein

Mit dem Auto soll er bei einer Polizeikontrolle auf Beamte zugerast sein, dass er deren Tod und schwere Verletzung billigend in Kauf genommen habe. Das ist aber nur die Spitze dessen, was die Staatsanwaltschaft einem 31-... » mehr

Fingerabdruck

Aktualisiert am 14.12.2019

Versuchter Totschlag: 300 Spuren führen zu 41-jährigem Erfurter

Bereits Ende November ist die "Sonderkommission Hubertus" in Erfurt sich sicher, einen Tatverdächtigen für mehrere Einbrüche und eine versuchte Tötung gefunden zu haben. Das teilte die Polizei jetzt mit. » mehr

Telefonieren gegen Einsamkeit

15.01.2020

Trickbetrug: Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen für Angeklagte

Sie sollen geholfen haben, Erfurter Rentner zum Teil um ihr gesamtes Erspartes zu bringen. Nun steht ein Trio junger Männer vor Gericht. Die Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung könnten kaum weiter auseina... » mehr

Das Justizzentrum in Jena

22.10.2019

34-Jähriger gesteht Weitergabe von Informationen nach Jordanien

Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Informanten des jordanischen Geheimdienstes hat der 34-Jährige gestanden, Daten von Personen aus Deutschland an einen Freund in Jordanien geschickt zu haben. » mehr

Eine Gruppe von Polizisten

04.09.2019

Aus Sangerhausen zum IS? - Durchsuchungen sollen Beweise bringen

Mehr als vier Jahre nachdem eine Jugendliche aus Sachsen-Anhalt zu islamistischen Terroristen nach Syrien ausgereist ist, sind mehrere Objekte aus ihrem privaten Umfeld durchsucht worden. » mehr

Robert Habeck

Aktualisiert am 18.10.2019

Razzien wegen möglicher Anschläge auf Ramelow und Habeck

Zwei Thüringer sollen sich Waffen beschafft und öffentlich zu Straftaten gegen Politiker aufgefordert haben. Grünen-Chef Robert Habeck erhielt eine Morddrohung. Offenbar sollte auch auf Ministerpräsident Bodo Ramelo (Die... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

brand saalborn Saalborn

Wohnhausbrand Saalborn | 17.01.2020 Saalborn
» 29 Bilder ansehen

Platz 1:Auferstanden

Blende 2020 "Verkehrte Welt" |
» 10 Bilder ansehen

Feuerwehr löscht lichterloh brennendes Forstgerät Neuenbau

Brennende Forstmaschine | 15.01.2020 Neuenbau
» 7 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 01. 2020
11:32 Uhr

Aktualisiert am:
14. 01. 2020
08:55 Uhr



^