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Thüringen

Putzig oder Problem? Waschbären gelten als Plage in Thüringen

Ein kranker oder betrunkener Waschbär in Erfurt, der vom zuständigen Jäger erschossen wurde, hat für große Aufregung gesorgt. Dabei sind die putzigen Tiere längst zu einem Problem in Thüringen geworden.



Ist der Waschbär einfach putzig oder doch eine Plage? Foto: Felix Heyder/dpa
Ist der Waschbär einfach putzig oder doch eine Plage? Foto: Felix Heyder/dpa   » zu den Bildern

Erfurt - Schimpftiraden in Internetforen gegen die Stadt Erfurt, Morddrohungen gegen Feuerwehrleute und Boykottaufrufe - nach dem Tod eines Waschbären ist die Landeshauptstadt einem regelrechten Shitstorm ausgesetzt. Das apathische Tier war am Wochenende am hellen Tag zwischen Passanten auf dem Fischmarkt umhergetorkelt. Feuerwehrleute hatten den Kleinbären eingefangen und wollten ihn ins Tierheim bringen. Tatsächlich aber wurde er vom zuständigen Jäger abgeholt und erschossen. Dies sei per EU-Verordnung vorgeschrieben, sagte Stadt-Sprecher Daniel Baumbach am Montag.

Waschbären haben sich nach Angaben des Landesjagdverbandes längst zu einem Problem im Freistaat entwickelt. Die Zahl von 10 000 bis 11 000 erschossenen Waschbären pro Jahr in Thüringen spräche eine deutliche Sprache, sagte Verbandsgeschäftsführer Frank Herrmann. Die Art habe sich vor allem aus dem Norden, aus Richtung Kassel und dem Südharz, in Thüringen ausgebreitet. Längst sei auch der Rennsteig überquert und die Population in Südthüringen angekommen.

Invasive Arten wie der Waschbär gelten den Angaben zufolge als große Bedrohung für einheimische Arten, darunter kleine Reptilien und Vögel. Hinzu komme, dass sie auch Krankheiten verbreiten wie etwa die Staupe, die auch für Hunde und Katzen gefährlich werden kann, oder den Waschbärspulwurm. Ob der Erfurter Waschbär an einer Krankheit litt, die ihn die Scheu vor den Menschen verlieren ließ, ist ungeklärt. Möglicherweise hatte er sich aber auch nur an Glühwein-Resten auf dem Weihnachtsmarkt bedient. Wie es vonseiten der Stadt hieß, seien keine Krankheitsanzeichen gefunden worden. Vielleicht habe das Tier aber auch Rattengift gefressen.

Waschbären können laut Jagdverband an Häusern und in Gärten große Schäden anrichten, etwa wenn sie Obstbäume plündern oder Ziegel anheben, um auf Dachböden zu gelangen, wo sie sich verstecken wollen. Tiere, die einmal gefangen wurden, dürfen den Vorschriften zufolge nicht wieder freigelassen werden. Da es sich um Wildtiere handelt, dürfen sie auch nicht in einem Tierheim aufgenommen werden.

Die Hoffnung, diese eingewanderte Art ausrotten zu können, haben Jäger wie auch Naturschützer längst aufgegeben. Der Naturschutzbund (Nabu) Thüringen sprach von einer Sisyphusarbeit. Obwohl die Tiere ganzjährig gejagt werden dürfen, werde man die Bestandsdichte "nicht durch Bejagung dezimieren können". Dabei spiele es keine Rolle, ob es um Waschbären gehe, die in der Stadt oder andernorts lebten, sagte Nabu-Sprecher Jürgen Ehrhardt.

Lesen Sie dazu auch:

Schutz vor Waschbären

Essens-Abfälle gut verschlossen lagern in Mülltonnen oder Schnellkompostern.

Die Tiere keinesfalls füttern!

Türen und Katzenklappen geschlossen halten.

Keine Kletterhilfen am Haus bieten, etwa Äste von Bäumen oder Rankpflanzen. Waschbären nutzen sogar Dachrinnen als Kletterhilfen.

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Jens Wenzel

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Veröffentlicht am:
10. 12. 2019
00:00 Uhr

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10. 12. 2019
00:00 Uhr



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