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Thüringen

Pro Familia: Mehr Stimmungsmache gegen Abtreibungen

2017 gab es in Thüringen rund 3000 Schwangerschaftsabbrüche. Die Zahl sinkt kontinuierlich. Doch die Anfeindungen gegen Frauen, die über diesen Schritt nachdenken, steigt einer Beratungsorganisation zufolge.



Frauen, die abtreiben wollen, haben nach Ansicht der Beratungsstelle Pro Familia verstärkt mit Anfeindungen zu kämpfen. «Der Ton wird durchaus schärfer», sagte Claudia Becher. Als Sozialpädagogin berät sie für Pro Familia in Weimar Frauen zu Schwangerschaftsabbrüchen.

Dass es negative Vorbehalte gegenüber Frauen gebe, die darüber nachdenken, abzutreiben, hänge mit veränderten Haltungen in der Gesellschaft und der Rückkehr zu tradierten Werten zusammen. «Die Selbstbestimmtheit der Frau in Bezug auf Sexualität und Familienplanung wird wieder mehr hinterfragt», sagte Becher. Generell seien Schwangerschaftsabbrüche immer noch ein Tabuthema. Und durch die gesetzliche Lage werde eine «klare politische Botschaft» gesendet, so Becher.

In Deutschland ist Abtreibung verboten - wird aber unter bestimmten Bedingungen nicht geahndet, etwa, wenn sich die Frauen zuvor von zugelassenen Organisation beraten lassen. Pro Familia ist einer der gesetzlich anerkannten Träger, die diese Beratung anbieten. In Thüringen betreibt die Organisation sechs Beratungsstellen.

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Thüringen sinkt kontinuierlich. 2017 gab es nach Angaben des Landesamts für Statistik rund 3000 Abtreibungen. 1975 waren es noch rund 13 500 gewesen, im Jahr 2000 rund 5200.

«Keine Frau macht sich den Schritt leicht», sagte Becher. Wird eine Frau ungewollt schwanger, habe sie oft das Problem, im Internet wenige sachliche Informationen, sondern überwiegend Websites von Abtreibungsgegnern zu finden. Das liege am Paragraf 219a des Strafgesetzbuches, der das Anbieten von Schwangerschaftsabbrüchen verbietet, wenn dies zu einem finanziellen Vorteil oder «in grob anstößiger» Weise geschieht.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hatte sich in der Vergangenheit für eine Abschaffung dieses sogenannten Werbeverbots ausgesprochen. Auch Pro Familia fordert neben anderen Initiativen eine entsprechende Änderung im Strafgesetzbuch. In Berlin streitet die große Koalition schon länger um das Thema. Die SPD ist ebenso wie FDP, Linke und Grüne gegen das Werbeverbot. CDU und CSU hatten sich hingegen zuletzt im Oktober im Bundestag ausdrücklich gegen eine Abschaffung oder Einschränkung der Regelung ausgesprochen. dpa

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Veröffentlicht am:
20. 11. 2018
07:31 Uhr

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20. 11. 2018
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