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Thüringen

Ohrdrufer Wölfin soll zum Abschuss freigegeben werden

Das Thüringer Umweltministerium will einen Abschussantrag für die Ohrdrufer Wölfin stellen. Erst am Sonntag sind 24 Tiere einer größeren Schafsherde bei Ohrdruf gerissen worden. Wiederholt gab es Angriffe auf Schafe und Ziegen.



Die Diskussion um die Ohrdrufer Wölfin und ihre sechs vermeintlichen Wolfs-Hybriden polarisieren die Thüringer. Es gab offenbar schon Morddrohungen gegen Jäger.   Foto: dpa

Nach wiederholten erheblichen Angriffen auf Schafe und Ziegen soll die Ohrdrufer Wölfin erschossen werden. Das Thüringer Umweltministerium kündigte am Mittwoch an, dafür einen Abschussantrag zu stellen. So ein Antrag ist nötig, weil Wölfe unter besonders strengem Schutz stehen und nur in Ausnahmefällen gejagt werden dürfen. «Es ist weder ein schöner, noch ein einfacher Schritt, aber ein notwendiger», sagte Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur.

Zuvor war bekannt geworden, dass allein am Sonntag 24 Tiere einer größeren Schafsherde bei Ohrdruf vom Wolf gerissen worden waren. Das Revier der Wölfin und ihres Rudels liegt auf dem Übungsplatz der Bundeswehr bei der Kleinstadt am Thüringer Wald. «Das inzwischen belegte mehrfache Überwinden des Herdenschutzes durch die Wölfin, auch optimaler Schutzzäune, ist nach Einschätzung unserer Experten problematisch», erklärte Siegesmund.

Die wirtschaftlichen Schäden rund um den Standort seien erheblich und drohten zu wachsen. In den vergleichsweise hohen Risszahlen - in diesem Jahr sind demnach in Thüringen bislang mehr als 180 Schafe, Ziegen und andere Nutztiere von einem Wolf getötet worden - sieht Siegesmund eine weitere Grundlage für den Antrag. Über diesen werden Experten der obersten Naturschutzbehörde des Landes, des Thüringer Landesamts für Umwelt, Bergbau und Naturschutz, entscheiden.

Nach Darstellung Siegesmunds liegt bereits ein Antrag auf Abschuss der Wölfin vom Thüringer Bauernverband vor. Dieser greife ihres Wissens nach aber zu kurz. Das Ministerium wolle bei seinem Antrag einen anderen Ansatz verfolgen. «Uns geht es darum, die Last von den Betroffenen vor Ort zu nehmen», sagte Siegesmund. Der Fokus des Ministeriumspapiers liege auf der Region und nicht auf einzelnen Schäfern.

«Die aktuellen Bilder von 24 gerissenen Schafen bei einem Nutztierhalter in nur einer Nacht lassen niemanden kalt», sagte Siegesmund. Die Ministerin setze darauf, dass der Antrag noch vor Jahresende bewilligt wird. Sie verwies auf einen ähnlichen Fall in Schleswig-Holstein. Dort war nach mehreren Übergriffen eines Wolfs das Tier auf Antrag zum Abschuss freigegeben worden.

Der Naturschutzbund (Nabu) Thüringen forderte am Mittwoch, dass Herdenschutzhunde im Ohrdrufer Wolfsgebiet Pflicht für die Schäfer werden sollten. Dort, wo Tierhalter die speziell zum Schutz von Schafen ausgebildeten Hunde einsetzten, gebe es so gut wie keine Wolfsübergriffe.

Siegesmund machte allerdings darauf aufmerksam, dass diese Hunde auf einen Schäfer und Herde geprägt sein müssten. Das nehme viel Zeit in Anspruch. Herdenschutzhunde seien daher keine Ad-hoc-Lösung.

Der Wolf war am Mittwoch auch aus einem anderen Grund in den Schlagzeilen: Ein bei Arnstadt auf der Autobahn überfahrenes Tier war zunächst für einen Wolf gehalten worden. Erst im Laufe des Tages stellten Experten des Landesamts fest, dass es sich bei dem Tier um einen Hund handelte.

Ungewöhnlich wäre es aber nicht gewesen, dass ein Wolf überfahren wird. Naturschutzexperten machen immer wieder darauf aufmerksam, dass die Zerschneidung der Landschaft durch Straßen für Wölfe, aber auch für andere Tiere problematisch sei.

Eine im März 2016 auf der Autobahn 71 bei Schlossvippach nach einem Verkehrsunfall gestorbene Wölfin und ein Mischling aus dem ersten Wurf der Ohrdrufer Wölfin sind aktuell als ausgestopft Exemplare im Erfurter Naturkundemuseum zu sehen.

Die Wölfin bei Ohrdruf, die lange Zeit als einzige standorttreue Vertreterin ihrer Art in Thüringen galt, hatte sich mit einem Haushund gepaart und Wolf-Hund-Mischlinge zur Welt gebracht. Die Tiere wurden aus Artenschutzgründen geschossen oder sind vermutlich teils abgewandert.

Inzwischen hat sich die Wölfin erneut gepaart und wieder Mischlinge geworfen. Auch diese fünf sogenannten Hybride leben nach Experteneinschätzung noch auf dem Truppenübungsplatz. Sie stehen ebenfalls auf der Abschussliste: Ihre Abwanderung soll verhindert werden, da befürchtet wird, dass sie den Genpool der Rasse Wolf verwässern könnten. Mindestens seit Frühsommer gilt es auch als sicher, dass sich ein Rüde der Wölfin angeschlossen hat. dpa

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Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
14:47 Uhr

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14:47 Uhr



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