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Thüringen

Muslime suchen oft vergeblich Gebetsräume

Sie beten in Wohnungen, Büros und Kellern: Weil es zu wenige Gebetsräume gibt, müssen Thüringer Muslime improvisieren. Das ist ein Grund dafür, dass in Erfurt eine Moschee gebaut werden soll.



Konkrete Bau-Pläne: In Erfurt will die Ahmadiyya-Gemeinde diese Moschee errichten. Foto: dpa/Archiv
Konkrete Bau-Pläne: In Erfurt will die Ahmadiyya-Gemeinde diese Moschee errichten. Foto: dpa/Archiv  

Erfurt - Im Vergleich zu anderen Bundesländern leben nur wenige Muslime in Thüringen - trotzdem gibt es nach Einschätzung ihrer Verbände auch hier zu wenige Gebetsräume für sie. Solche Räume seien allerdings in ganz Deutschland Mangelware, sagte ein Sprecher des Zentralrats der Muslime in Deutschland. "Viele muslimische Gemeinden suchen in diversen Städten nach einer dauerhaften Bleibe - etwa in Weimar, Halle oder Rostock. Bisher aber ohne Erfolg."

Der Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt, Suleman Malik, bestätigte das. Durch die Flüchtlingskrise sei die Zahl der Muslime gestiegen, kaum jedoch die der Gebetsräume. Wie viele in Thüringen und Deutschland existieren, ist unklar; nach Angaben des Sprechers des Zentralrats sowie der Thüringer Staatskanzlei fehlen dazu verlässliche Zahlen. Religionsgemeinden unterstünden keiner staatlichen Aufsicht, sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei. Deshalb hätten Behörden keinerlei Aufstellung darüber, wo und wie viele Gebetsräume sich im Freistaat befinden.

Auch dem Zentralrat liegen nach Angaben des Sprechers keine genauen Daten vor. In ganz Deutschland gebe es zwar etwa 2500 Moscheen. Aber: "Wie viele Gebetsräume dort schon inbegriffen sind oder zusätzlich noch addiert werden müssten, ist nicht erfasst." Die meisten Gebetsräume und Moscheen seien in Nordrhein-Westfalen anzutreffen, weil dort die meisten Muslime innerhalb Deutschlands lebten.

Aus Mangel an öffentlich zugänglichen Gebetsräumen für Muslime in Thüringen kämen Gläubige in Privatwohnungen, Keller- oder Gewerberäumen zum Gebet zusammen, berichtete Malik. Doch selbst derlei Provisorien seien schwierig zu finden. Die Vermieter wollten teils nicht an Muslime vermieten, weil sie den Auszug anderer Mieter oder Konflikte befürchteten. Gerade in kleinen Städten versammelten sich Familien daher auch in Privaträumen zum muslimischen Freitagsgebet. Unter anderem wegen des Mangels an Gebetsräumen plant die Ahmadiyya-Gemeinde den Bau einer Moschee in Erfurt.

Der geplante Bau in einem Erfurter Gewerbegebiet hatte für massive Proteste gesorgt. So waren auf einem Grundstück plötzlich große Holzkreuze aufgestellt worden. In der Zwischenzeit wird mit Naturschutz-Klagen wegen angeblich gefährdeter Feldhamster versucht, den Bau zu verhindern.

Trotz konkreter Baupläne ist nicht nur die genaue Zahl der Gebetsräume und Moscheen in Deutschland und Thüringen unklar, sondern auch, wie viele Menschen muslimischen Glaubens im Freistaat leben. Zahlen aus dem Juni vergangenen Jahres zufolge gibt es elf islamische Gemeinden, zwei weitere waren damals in Gründung. 2014 lebten schätzungsweise 7000 Muslime im Land; im Zuge der Flüchtlingskrise dürfte sich diese Zahl etwa verdoppelt haben. Viele Flüchtlinge haben Thüringen allerdings inzwischen wieder verlassen. dpa

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Veröffentlicht am:
05. 01. 2018
07:19 Uhr

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05. 01. 2018
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