Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Thüringen

Mehrheit befürwortet Schüler-Pflicht-Besuche in KZ-Gedenkstätten

Wird die Erinnerung an den Holocaust verblassen, wenn die letzten Zeitzeugen verstorben sind? 75 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz mehren sich die Forderungen gegenzusteuern.



Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Sollte es Pflicht für alle Schüler werden, Orte wie diesen zu besuchen? Foto: ari
Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Sollte es Pflicht für alle Schüler werden, Orte wie diesen zu besuchen? Foto: ari  

Berlin - Eine deutliche Mehrheit der Deutschen ist dafür, alle Schüler zum Besuch eines ehemaligen Konzentrationslagers zu verpflichten. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sprachen sich 56 Prozent für solche Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten mindestens einmal während der Schulzeit aus. Nur 34 Prozent sind dagegen. 10 Prozent machten keine Angaben.

Zwar finden 24 Prozent der Deutschen, das Gedenken an den Holocaust müsse generell verstärkt werden. Mindestens jeder Fünfte (22 Prozent) meint allerdings, der Holocaust spiele in der deutschen Erinnerungskultur eine zu große Rolle. 45 Prozent finden es so, wie es jetzt ist, genau richtig. Unter den AfD-Wählern sind diejenigen, denen das Gedenken zu viel ist, mit 56 Prozent sogar in der Mehrheit.

An diesem Montag jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 75. Mal. Allein in diesem größten Vernichtungslager der Nationalsozialisten wurden mehr als eine Million Menschen umgebracht. Der Holocaust kostete insgesamt rund sechs Millionen Juden das Leben. Sie wurden von den Deutschen erschossen und in Gaskammern ermordet oder starben an den Folgen von Hunger, Krankheit und Erschöpfung.

Zum Jahrestag riefen Politiker aus Regierung und Opposition dazu auf, wachsendem Antisemitismus stärker entgegenzutreten. Außenminister Heiko Maas (SPD) warnte sogar vor einer Auswanderungswelle von Juden aus Deutschland. "Wir müssen dringend gegensteuern, damit aus solchen Gedanken nicht bittere Realität wird und es zum massiven Wegzug von Jüdinnen und Juden aus Deutschland kommt", schrieb der SPD-Politiker im Magazin Spiegel . "Dass sich Menschen jüdischen Glaubens bei uns nicht mehr zu Hause fühlen, ist ein einziger Alptraum - und eine Schande, 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz." Maas forderte, jüdische Einrichtungen in ganz Europa besser zu schützen und die Leugnung des Holocaust in der ganzen EU unter Strafe zu stellen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wünscht sich ein sichtbares Zeichen gegen Judenfeindlichkeit in Deutschland. "Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass an einem bestimmten Tag Menschen in Deutschland als Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Mitbürgern einen Davidstern tragen, um auf Ausgrenzung und Antisemitismus aufmerksam zu machen", sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der YouGov-Umfrage zufolge hat nur etwas mehr als jeder zweite Deutsche (55 Prozent) einer der KZ-Gedenkstätten in Deutschland oder im Ausland besucht. Interessant dabei: Je älter die Befragten, desto geringer ist der Anteil derjenigen, die eine der KZ-Gedenkstätten besichtigt haben. Von den 18- bis 24-jährigen sind es 67 Prozent, von den über 55-Jährigen nur 49 Prozent.

Der Zentralrat der Juden hatte sich erstmals vor fünf Jahren für Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten ausgesprochen. Danach hatte es immer wieder entsprechende Forderungen auch von Politikern unterschiedlicher Parteien gegeben. Die Länder handhaben das sehr unterschiedlich. Bayern hatte als erstes Land den Besuch einer NS-Gedenkstätte in den Lehrplänen von Gymnasien und später auch von Realschulen fest verankert.

Lesen Sie dazu auch: Die Rückkehr nach Ausschwitz

Autor

Jörg Ratzsch, Michael Fischer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
27. 01. 2020
07:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Antisemitismus CDU Deutsche Presseagentur Europäische Union Heiko Maas Holocaust Juden Judentum Konzentrationslager Meinungsforschungsinstitute Nationalsozialisten Politikerinnen und Politiker der SPD SPD Schülerinnen und Schüler Zentralrat der Juden in Deutschland
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Installation zur Erinnerung an das "Entjudungsinstitut" in Eisenach. Das Schuldbekenntnis von acht heutigen evangelischen Landeskirchen für die Gründung des Instituts und Gedenken an die Opfer von kirchlichem Antijudaismus und Antisemitismus wurde im Mai 2019 errichtet. Foto: ari

18.11.2019

Eine Geschiche, die manchen Geistlichen entsetzt

Von Eisenach aus hat im Nationalsozialismus ein "Entjudungsinstitut" versucht, alles Jüdische aus dem Glauben deutscher Christen zu tilgen. Jetzt ist seine Geschichte aufgearbeitet worden - was bei manchen Geistlichen zu... » mehr

05.12.2019

Drei weitere Installationen mit Asche von Holocaust-Opfern

Das Zentrums für Politische Schönheit hat nicht nur in Berlin mutmaßlich Asche von Holocaust-Opfern für eine Installation benutzt. Die Künstler waren tatsächlich auch für die Glasstele von Arnstadt verantwortlich. Und ni... » mehr

Fotos aus der Vergangenheit: Viele Jahre lang behielt Peter Gardosch seine Geschichte für sich, nun teilt er sie. Fotos: Bauer

27.01.2020

Die Rückkehr nach Auschwitz

Viele Jahrzehnte hat der 89-jährige Peter Gardosch nicht über seine Erinnerungen an das KZ Auschwitz gesprochen. Nun will er junge Menschen warnen, denn "der Antisemitismus wächst wieder". » mehr

AfD-Politiker Brandner

04.11.2019

Union, SPD, Linke, Grüne und FDP fordern Rücktritt von Stephan Brandner

Der Thüringer AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner soll vom Vorsitz des Rechtsausschusses zurücktreten, nachdem er die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Sänger Udo Lindenberg als "Judaslohn" bezeichnet hat. » mehr

Alexander Nachama

10.10.2019

Jüdische Gemeinde Thüringens nach Anschlag beunruhigt

Ein bewaffneter Angreifer will während eines Gottesdienstes in Halle in eine Synagoge eindringen. Mit diesem Vorhaben scheitert er - trotzdem sterben zwei Menschen. Die Bluttat hinterlässt auch bei der jüdischen Gemeinde... » mehr

Mädchen von Theresienstadt

22.01.2020

Holocaust-Ausstellung in Erfurt

Dutzende jüdische Mädchen waren während des Zweiten Weltkrieges im NS-Lager Theresienstadt eingesperrt. Nur wenige von ihnen überlebten den Holocaust. Eine Ausstellung in Erfurt erzählt ihre Geschichte. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sperrung vor Neustadt am Rennsteig Neustadt am Rennsteig

Sperrung Neustadt am Rennsteig | 23.03.2020 Neustadt am Rennsteig
» 4 Bilder ansehen

Brand in Katzhütte Katzhütte

Brand Katzhütte | 23.03.2020 Katzhütte
» 4 Bilder ansehen

inbound3887575027251749210

#Ichbleibdaheim |
» 8 Bilder ansehen

Autor

Jörg Ratzsch, Michael Fischer

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
27. 01. 2020
07:54 Uhr



^