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Thüringen

"Laufenlassen ?" - Waldbesitzer sind kurz davor, alles aufzugeben

Der dramatische Hilferuf eines privaten Waldbesitzers hat unsere Redaktion erreicht: Die Schäden nach Stürmen, Trockenheit und Käferbefall sind nicht mehr in den Griff zu bekommen.



Waldbesitzer Matthias Pfannstiel.
Waldbesitzer Matthias Pfannstiel.   » zu den Bildern

Seine Hoffnung, dass der aktuellen Katastrophe im Wald endlich spürbar etwas entgegengesetzt wird, schwindet: Matthias Pfannstiel hat einen alarmierenden Brief an unsere Redaktion geschrieben. Als privatem Waldbesitzer in der Region liegt ihm der Wald am Herzen und es schmerzt, der Entwicklung praktisch zuschauen zu müssen.

Schon nach mehreren heftigen Stürmen im Herbst 2017 und Frühjahr 2018 habe es erhebliche Mengen an Wurf- und Bruchholz in unseren Wäldern gegeben, schreibt Pfannstiel: "Es wurde mehr oder weniger versucht, mit den noch vorhandenen Aufarbeitungskapazitäten das Holz aus den Wäldern zu schaffen. Sauberkeit und Forstschutz sind nun mal sehr wichtig. Einzelne Waldbesitzer merkten jedoch schnell, dass die Möglichkeiten, entsprechendes Personal für die Aufarbeitung zu finden (vor allem für kleine Holzmengen) sehr begrenzt sind."

Viele kleine regionale Forstunternehmen hätten längst aufgeben müssen, weil sie das Schneller, Billiger und Noch-Billiger nicht mehr durchhielten. Dann kam der Dürre-Sommer 2018. "In unseren Wäldern lag noch viel unaufgearbeitetes Holz, ideale Bedingungen also für die rasante Entwicklung des Borkenkäfers." Schon zu diesem Zeitpunkt habe es Hinweise aus Fachkreisen und von vielen aufmerksamen Förstern und Waldbesitzern gegeben, dass ein ernstes Problem auf uns zu kommen würde, schreibt Pfannstiel.

Aufräumen als A und O

Die Hoffnung auf 2019 nach dem Motto: Neues Jahr, neues Glück (mehr Regen…?) ging nicht in Erfüllung. Der Grundwasserspiegel sank: "In den Bodenschichten, wo unsere Bäume Wasser aufnehmen, herrscht Dürre. Somit sind unsere Bäume kein bisschen widerstandsfähig, sich gegen anfliegende Borkenkäfer über einen entsprechenden Harzfluss zu wehren", so der Waldbesitzer. Nun ist das Jahr 2020 fast vorbei und an der Situation in den Wäldern habe sich nicht geändert. Wasserknappheit herrscht in den tiefen Bodenschichten, die Käferpopulation ist angewachsen und die Möglichkeit der schnellen Aufarbeitung fehle weiterhin.

"Die Dürre jedoch alleine ist nicht unser Hauptproblem, sondern die Sauberkeit und Ordnung in unseren Wäldern", schreibt Pfannstiel. "Lautstark forderten wir schon zur damaligen Zeit Kreis-, Land- und Bundesebene zur schnellen Unterstützung auf. Viele hörten sich unser Problem an und einige versprachen Hilfe, bis heute jedoch mit mäßigem Erfolg."

Verkauf mit dickem Minus

Waldbesitzer, die die Seuchennester allein nicht unschädlich machen können, "laufen machtlos hinterher", so die Kritik: "Ich kenne unzählige Beispiele - Waldgemeinschaften, die sich in mühevoller Kleinarbeit in den letzten 25 Jahren gebildet haben, lösen sich auf, weil keiner mehr die Verantwortung tragen möchte, einzelne Waldbesitzer gehen finanziell in Ruin und werfen hin, weil sie keine greifbare Unterstützung bekommen." Fördermittel, von der Politik in Aussicht gestellt, seien an Bedingungen geknüpft, so dass sie von vielen gar nicht in Anspruch genommen werden könnten.

Das Holz sei nicht oder nur mit einem dicken Minus zu verkaufen: "Die Waldbesitzer müssen sich entscheiden, mit sehr hohen verbundenen Kosten (also sich verschulden) aufzuräumen oder sich alles selbst zu überlassen. Gehe man mit offenen Augen durch die Natur, werde das ganze Drama sichtbar. "Man hat stellenweise aufgegeben und lässt es wie man so schön sagt, einfach laufen! Diejenigen, die bis heute noch nicht betroffen waren, verlieren vielleicht bis morgen alles", schreibt Pfannstiel: "Ich denke, in unserer Bevölkerung ist das so noch nicht angekommen. Die meisten von uns lieben unsere Natur und Wälder und wissen zu schätzen, was sie uns gibt: Lebensraum, Erholung, Wasser, Luft CO2-Speicherung, Temperaturkühlung und so weiter. Wollen wir wirklich, dass uns vieles davon verlorengeht?" Ohne den Wald drohten weitere gewaltige Schäden wie zum Beispiel Bodenerosion, das Austrocknen von Quellen, steigende Waldbrandgefahr und ein weiterer Temperaturanstieg.

Der dramatische Appell des Waldbesitzers richtet sich deshalb nicht nur an die Politik mit der Forderung, beim Wald endlich die dringende Unterstützung zu gewähren, die es seit Jahren schon für die Landwirtschaft gibt. Schließlich wurden auch die Bemühungen, den Wald so umzubauen, dass er einer Klimakatastrophe besser begegnen kann, auch an vielen Stellen zunichte gemacht. Das Wissen darum, dass nicht nur die unmittelbar betroffenen Waldeigentümer, sondern auch alle Menschen, die sich gerne im Wald aufhalten, Ruhe und Entspannung suchen, hinter dem Appell stehen, sei nötig, damit nicht nur geredet werde, sondern wirklich etwas passiere.

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Jens Wenzel

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Veröffentlicht am:
19. 09. 2020
09:25 Uhr

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Jens Wenzel

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Veröffentlicht am:
19. 09. 2020
09:25 Uhr



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