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Thüringen

Künstliche Intelligenz: Jobvernichter oder Werkzeug?

Viele Geräte, deren Einsatz für uns heute selbstverständlich ist, sind künstlich intelligent. Was das für uns und unsere Zukunft bedeutet, darüber sind sich selbst diejenigen nicht einig, die sich schon lange damit beschäftigen.



Ein Mädchen versucht im Hauptbahnhof Berlin mit Semmi, einem Roboter der Deutschen Bahn, auf Spanisch zu sprechen. Die neue "Kollegin" funktioniert durch Künstliche Intelligenz und soll Reisenden Auskunft in mehreren Sprachen geben und weiterhelfen. Foto: Lisa Ducret/dpa
Ein Mädchen versucht im Hauptbahnhof Berlin mit Semmi, einem Roboter der Deutschen Bahn, auf Spanisch zu sprechen. Die neue "Kollegin" funktioniert durch Künstliche Intelligenz und soll Reisenden Auskunft in mehreren Sprachen geben und weiterhelfen. Foto: Lisa Ducret/dpa  

Erfurt - Es geht um Zahnersatz, um Saugroboter, um Blitzer, um Übersetzungsprogramme und noch viel, viel mehr: In immer mehr Bereiche unseres Lebens dringen Maschinen vor, die von dem gesteuert werden, was als Künstliche Intelligenz bekannt ist und was in Hollywood-Filmen wie Matrix oder Terminator versucht, die Menschheit zu versklaven oder auszurotten - womit ein völlig übertriebenes Szenario davon beschrieben wäre, was der Einsatz sogenannter KI für die Menschen bedeutet. Oder?

Auf einer Tagung des Thüringer Landesbeauftragten für Datenschutz, Lutz Hasse, am Montag in Erfurt jedenfalls haben zwei Referenten ganz unterschiedliche Antworten auf die Frage gegebenen, in welcher Beziehung Menschen und künstlich intelligente Maschinen zueinander heute schon stehen und in Zukunft stehen werden. Einer von beiden war gar nicht so weit weg von dem Hollywood-Szenario.

Dieser eine ist Buchautor und Journalist, hört auf den Namen Jay Tuck und sagt Sachen, die viele Klischees zum Einsatz von KI bestätigen. Dinge wie: "Es werden die besten Jobs, die wir haben, ersetzt durch Künstliche Intelligenz." Schon heute habe die KI die Menschen überholt. Was so dramatisch klingt, dass man es kaum glauben möchte, wären da nicht die realen Beispiele, auf die der Amerikaner verweist.

Computer entscheiden

Zum Beispiel auf die Sache mit der Börse. Dort würden wichtige Anlageentscheidungen heute bereits von Computern getroffen, die viel mehr Informationen in einer viel kürzeren Zeit verarbeiteten, als das menschliche Gehirn das könne. Weshalb es eine Äußerung aus seinem Vortrag gibt, die Tuck selbst für ganz besonders wichtig hält: Künstliche Intelligenzen, sagt er, seien heute in der Lage den Inhalt von 200 Millionen Seiten Papier innerhalb von drei Sekunden einzulesen, aufzuarbeiten und zu analysieren.

Außerdem erzählt Tuck von einem Zahnarzt. Diese Mediziner könnten heute einen Roboter einsetzen, der innerhalb von etwa 20 Minuten ein perfekt passendes Zahnimplantat aus einem Rohling fertigen könne. "Mit der Erfindung dieser Maschine ist ein ganzer Wirtschaftszweig in Deutschland tot, kaputt", sagt Tuck.

Nur ein bisschen macht er den Menschen Mut, weil er auch argumentiert, Künstliche Intelligenz werde künftig in der Lage sein, die schlimmsten Krankheiten der Menschheit zu heilen. Das liege daran, dass die entsprechende, menschengemachte Forschung dazu bislang mit nur relativ wenigen Fallbeispielen durchgeführt werde, wo Künstliche Intelligenz in der Lage sei, Milliarden von Datensätzen für solche Studien auszuwerten und deshalb zu viel besseren Ergebnissen kommen könne.

Immerhin mache genau das das Wesen von Künstlicher Intelligenz aus. Sie sei nicht schlau oder klug, sagt Tuck. Sie verfolge anders als Menschen keinen Plan, keine Strategie. Ein mit Hilfe von KI gesteuerter Staubsaugerroboter beispielsweise fahre so lange nach vorne bis er auf ein Hindernis treffe und wechsele dann die Richtung. Die Stärke von KI sei, dass sie in der Lage sei, "einen Tsunami von Einzelinformationen" auszuwerten.

Diese letztgenannte Aussage würde auch Reinhard Karger unterschreiben, der am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz arbeitet; einem Forschungsverbund, der von privaten Unternehmen wie Google und Daimler ebenso getragen wird wie von öffentlichen Institutionen wie beispielsweise der Technischen Universität Kaiserslautern.

Doch ansonsten sieht Karger - der andere der beiden Referenten auf der Tagung - die Sache mit der KI deutlich unaufgeregter als Tuck. KI sei letztlich nicht mehr ist als ein Werkzeug, das der Mensch nutzen könne wie jedes andere Werkzeug auch. "Da ist viel erkennen, aber nichts verstehen. Da ist viel wahrnehmen, aber nichts empfinden", sagt er mit Blick auf die Fähigkeiten von künstlich denkenden Maschinen. Künstliche Intelligenz werde deshalb auch nicht unzählige Jobs vernichten. "Die Arbeit wird uns nicht ausgehen", sagt er.

Ziemlich fehleranfällig

Als ein Beispiel für den ziemlich unbedrohlichen Werkzeugcharakter von Künstlicher Intelligenz nennt Karger die Entwicklung moderne Blitzanlagen zur Geschwindigkeitsmessung. Eine deutsche Firma habe inzwischen unter dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz Anlagen entwickelt, die Geschwindigkeitsverstöße in einer so großen Geschwindigkeit feststellen und auch die Halter der entsprechenden Fahrzeuge ermitteln könnten, dass die deutschen Ordnungsbehörden diese Flut von Daten nicht in der gleichen Geschwindigkeit in Bußgeldbescheide umsetzen könnten.

Doch so modern das auch sei: Die von der Firma dabei eingesetzte KI-Technik sei aber tatsächlich "ein ganz altes Werkzeug", werde von dem Unternehmen nur eben schlau eingesetzt. Bereits in den 1980er Jahren seien damit die Empfängeradressen auf Briefen identifiziert worden.

Selbst die KI-gestützte Übersetzung von Texten von einer Sprache in eine andere sei heute selbst mit Hilfe der verfügbaren Top-Programme ziemlich fehleranfällig, sagt Karger; und zeigt das anhand mehrerer Beispiele. Weil Maschinen eben nicht kreativ denken können. Sein Tipp: "Nutzen Sie so eine Übersetzungssoftware nur, wenn sie die Sprache, in die sie übersetzen wollen, auch sprechen, damit Sie das Ergebnis auch kontrollieren können."

Wer von beiden wohl Recht hat?

Autor
Sebastian Haak

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Veröffentlicht am:
01. 07. 2019
17:17 Uhr

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Sebastian Haak

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01. 07. 2019
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