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Thüringen

Kindergarten-Kampagne hofft auf 1000 weitere Unterschriften

Heute endet die Frist für die Petition, mit der die Initiatoren den Begriff Kindergarten wieder im allgemeinen Sprachgebrauch verankern wollen. Die nötige Zahl von 1500 Unterschriften ist aber längst erreicht.



In seiner Stadt ist der Begriff Kindergarten allgegenwärtig: Bad Blankenburgs Bürgermeister Mike George. Foto: Stadtverwaltung
In seiner Stadt ist der Begriff Kindergarten allgegenwärtig: Bad Blankenburgs Bürgermeister Mike George. Foto: Stadtverwaltung  

Suhl/Erfurt - Auf den ersten Blick stellt sich Ernüchterung ein. 894 Unterschriften zeigt der Zähler auf der Internetseite des Petitionsausschusses des Thüringer Landtags an. So viele Unterstützer hatten sich bis Mittwochnachmittag der Petition der Initiative "Die Welt spricht Kindergarten" angeschlossen. Der blaue Balken unter der Zahl zeigt, dass bis zum Ziel von 1500 Unterschriften noch mehr als ein Drittel fehlt. So viele Unterschriften sind nötig, damit der Petitionsausschuss des Landtages sich mit einem Thema befassen muss.

Doch von Frust und Ernüchterung ist bei Mike George, Bürgermeister der Stadt Bad Blankenburg, nichts zu hören. "Die Zahl bedeutet viel mehr, dass wir noch einmal 900 Menschen erreicht haben, die sich unserem Anliegen anschließen. Das ist ein großer Erfolg", sagt George am Mittwoch im Gespräch mit dieser Zeitung. Denn schon im November hatten die Initiatoren, zu denen vor allem die Thüringer Fröbel-Orte Bad Blankenburg, Bad Liebenstein und Oberweißbach gehören, 6800 Unterschriften aus einer Online-Petition auf einer anderen Plattform an Landtagsvizepräsidentin Margit Jung (Linke) übergeben. Diese habe bei der Übergabe zugesagt, dass der Freistaat diese Unterschriften in vollem Umfang anerkennen würde.

"Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass wir mit den Unterschriften auf der Plattform des Freistaats insgesamt die Marke von 10 000 Unterstützern geknackt hätten, denn dann hätten wir genug Unterschriften gehabt, um unser anliegen auch im Bundestag in Berlin vorbringen zu können", sagt George. Doch nun gehe es erst einmal darum, in Thüringen wieder ein Bewusstsein für den begriff Kindergarten zu schaffen, der im Jahr 1840 von Friedrich Fröbel geprägt wurde. Damals hatte der 1782 in Oberweißbach geborene Pädagoge in Bad Blankenburg den ersten Kindergarten der Welt gegründet und damit die Betreuung und Bildung von Kindern bis zum Eintritt in die Schule revolutioniert.

Die Initiatoren setzen sich dafür ein, dass die in den 1970er Jahren in den alten Bundesländern eingeführten und in den 1990ern in den neuen Bundesländern übernommenen Verwaltungsbegriffe für Kindertagesbetreuung, also auch Begriffe wie Kindertagesstätte und Kita, im öffentlichen Sprachgebrauch durch den ursprünglichen Begriff Kindergarten ersetzt werden. Bad Blankenburg und auch der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt machten vor, dass dies gelingen kann, erklärte George. An keinem Schild und in keiner Broschüre finde sich länger der Begriff Kindertagesstätte, sondern es heiße Kindergarten. Lediglich in Gesetzestexten und Verordnungen käme die Verwaltung derzeit um diese Begriffe noch nicht herum.

Der Begriff Kindergarten, der in mehr als 40 Sprachen der Welt unverändert übernommen wurde, wird ausgerechnet in seinem Ursprungsland aus Sicht der Initiatoren der Petition allmählich verdrängt. Im öffentlichen Sprachgebrauch habe sich weitgehend ein Verwaltungsbegriff für Einrichtungen der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung etabliert. "Wir sehen die Gefahr, dass mit dem Begriff Kindergarten auch ein Verlust der humanistischen Idee von Kindheit - als Grundlage der Idee des Kindergartens, verbunden ist", heißt es in der Begründung zu der Petition.

Dabei bestehe dazu kein Grund. "Kindergarten umfasst für mich alles, was bis zum Eintritt in die Schule reicht. Fröbel selbst hatte diesen Begriff ja bis zum zwölften Lebensjahr gedacht. Für mich umfasst Kindergarten selbstverständlich auch die Krippe", erklärte George. Im Ausland stehe der Begriff für eine hohe Qualität in der frühkindlichen Bildung und Erziehung, deshalb sei es falsch, ihn ausgerechnet in seinem Ursprungsland durch Verwaltungsbegriffe zu ersetzen. Die Frist für die Petition endet am heutigen 10. Januar um 24 Uhr.

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Jolf Schneider

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Veröffentlicht am:
10. 01. 2019
08:34 Uhr

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Jolf Schneider

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10. 01. 2019
08:34 Uhr



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