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Thüringen

Kaum Risiko, aber auch kaum Zinsen

Dass der Bund Anleihen herausgibt, um einen Teil des Bundeshaushaltes zu finanzieren, ist ziemlich bekannt. Dass auch Thüringen so arbeitet, hingegen kaum. Wohl auch, weil diese Anleihen für Private kaum attraktiv sind.



Erfurt - Woher kommt eigentlich das ganze Geld, das der Freistaat in der Vergangenheit ausgegeben hat? Also vor allem in Zeiten, in denen das Land deutlich mehr Mittel benötigte, als über Steuereinnahmen zu bekommen war; Geld, um das sich das Thüringer Finanzministerium auch heute noch - da die Steuereinnahmen riesig sind und Thüringen immer wieder ohne neue Schulden auskommt - kümmern noch kümmern muss.

Antwort: Einen großen Teil seiner offenen Zahlungsverpflichtungen finanziert der Freistaat über den Verkauf von Wertpapieren, sogenannte Anleihen, die das Land mit verschiedenen Laufzeiten herausgibt.

Ende des vergangenen Jahres hat Thüringen nach Angaben des Thüringer Finanzministeriums so über etwa 6,8 Milliarden Euro verfügt. Damit seien fast die Hälfte aller Schulden finanziert worden, die das Land im Haushalt zum Abschluss des Haushaltsjahres 2018 gehabt habe, sagt ein Sprecher des Thüringer Finanzministeriums. Für diese Anleihen gebe es keine Einschränkungen beim Kreis der potenziellen Käufer, sodass grundsätzlich jeder eine Anleihe des Freistaats erwerben könne. Allerdings zeige die Erfahrung, dass längst nicht jeder, der diese Anleihen kaufen könnte, das auch tut. Was nicht nur damit zu tun hat, dass Thüringer Anleihen in der Öffentlichkeit längst nicht so bekannt sind wie zum Beispiel Anleihen des Bundes, also der Bundesrepublik Deutschland. Es gab Zeiten - vor der Finanzmarktkrise von 2008 - da vermarktete der Bund seine Wertpapiere ganz offensiv auch gegenüber Privatanlegern, der Freistaat tat dies hingegen mit seinen Anleihen nicht.

Schulden reduziert

Aus dem Haushalt des Landes werden zum Beispiel Lehrer und Polizisten bezahlt, aber auch Sanierungsprogramme für Schulen und Straßen. Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg hatte Thüringen zur Finanzierung solcher und andere Aufgaben Schulden von bis zu etwa 16 Milliarden Euro angehäuft. Die rot-rot-grüne Regierungskoalition hat diese Schulden seit 2014 deutlich gesenkt. Unter anderem die hohen Steuereinnahmen der vergangenen Jahre haben dem Bündnis erlaubt, das zu tun. Nach Angaben des Finanzministeriums hatte der Freistaat Thüringen Ende 2018 ziemlich genau 15 Milliarden Euro Schulden.

Nach Angaben des Sprechers des Finanzministeriums kaufen vor allem Versicherungen, Banken, Zentralbanken und Fonds Anleihen des Freistaats. Für direkte Investitionen von Privatanleger sind diese Wertpapiere kaum interessant, weil das Land ziemlich niedrige Zinsen zahlt, um sich auf diese Weise Geld am Kapitalmarkt zu besorgen. Die Zinsen der Anleihen für Thüringer Anleihen lägen je nach Laufzeit von fünf bis dreißig Jahre zwischen etwa 0,24 Prozent und 2,26 Prozent, sagt der Sprecher.

Beste Bewertung

Zum Vergleich: Privatanleger können Festgeld mit einer Laufzeit von fünf Jahren bei Banken derzeit für Zinssätze ab etwa einem Prozent anlegen. Teilweise sind solche fünfjährigen Anlagen auch zu Zinssätzen von etwa zwei Prozent möglich. Trotzdem dürften ziemlich viele Thüringer zumindest indirekt Anleihen des Landes halten, auch wenn sie das gar nicht wissen: Wenn sie zum Beispiel Anteile an einem Fonds erworben haben, der wiederum sein Geld zum Teil in Anleihen des Freistaats gesteckt hat.

Die Anleihen des Freistaats gelten ebenso wie die des Bundes als besonders sicher; anders als Festgeldanlagen bei manchen Banken. Die Wertpapiere des Landes seien mit der Bonitätsstufe AAA bewertet, sagt der Sprecher. Sie würden an den Finanzmärkten deshalb als "nahezu risikolos" gelten. Seit die Zinsen an den Kapitalmärkten in Folge der Finanzkrise abgesackt sind, müssen viele als besonders sicher geltende Staaten kaum noch Zinsen für von ihnen herausgegebene Anleihen zahlen.

Die andere Hälfte der Schulden Thüringens im Kernhaushalt wird nach Angaben des Finanzministeriums über sogenannte Schuldscheindarlehen finanziert. Dabei handelt es sich im Kern um Kredite, die der Freistaat aufnimmt und die nicht an der Börse gehandelt werden. Ende 2018 verfügte das Land über etwa 8,2 Milliarden Euro aus Geschäften mit diesen Schuldscheindarlehen.

Autor
Sebastian Haak

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Veröffentlicht am:
30. 07. 2019
00:00 Uhr

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Sebastian Haak

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30. 07. 2019
00:00 Uhr



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