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Thüringen

K+S: Salz-Grenzwerte nicht einzuhalten

Die Abwasserentsorgung ist eine Achillesferse des Kali-Konzerns K+S. Neue Methoden sowie Einigungen mit Umweltschützern und Politikern sollen das Unternehmen in ruhigeres Fahrwasser bringen. Doch laut K+S ist der Zeitplan dafür nicht einhaltbar.



Kassel/Erfurt - Der Kali-Konzern K+S fordert mehr Zeit für die Lösung seiner Abwasserprobleme. Eine vereinbarte Absenkung der Salz-Grenzwerte in Werra und Weser sei nicht einzuhalten. "Wir würden erhebliche wirtschaftliche Probleme bekommen, wenn wir das so umsetzen müssten", sagte Unternehmenssprecher Ulrich Göbel am Dienstag in Kassel.

K+S hat daher eine Erlaubnis beim Regierungspräsidium Nordhessen beantragt, die zwar eine schrittweise Reduzierung der Salzeinleitung vorsieht. Die Zielwerte sind aber höher als es die Bundesländer an Werra und Weser vereinbart hatten. Kritik kam von Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne).

Die Produktionsmenge von K+S im hessisch-thüringischen Kalirevier hängt maßgeblich von der Möglichkeit ab, Salzabwässer zu entsorgen. Eine umstrittene Entsorgungsmethode - das Versenken in höheren Bodenschichten - steht dem Unternehmen ab Ende 2021 nicht mehr zur Verfügung. Die Hoffnungen ruhen auf der sogenannten Einstapelung, bei der Abwässer in alte Gruben geleitet werden. Dabei macht K+S zwar Fortschritte, aber nicht so schnell wie es nötig wäre.

Entsorgungslücke

K+S beantragt daher höhere Werte für die Werra, die in die Weser mündet: Ab 2022 soll demnach beispielsweise der Zielwert im Fluss nahe der thüringischen Gemeinde Gerstungen bei 2100 Milligramm Chlorid pro Liter Wasser liegen statt bei 1580. Ohne die Möglichkeit, mehr in die Werra zu leiten, hätte das Unternehmen bis 2027 eine Entsorgungslücke: "Wir hätten fünf Millionen Kubikmeter Prozessabwässer, die wir nach der derzeitigen Modellierung bei diesen Zielwerten nicht unterbringen könnten", erklärte Göbel. Allein der Transport dieser Menge zu anderen Entsorgungsorten würde 130 Millionen Euro kosten. Zudem hängen an dem Kalikonzern im Werra-Gebiet 5300 direkte Arbeitsplätze.

Siegesmund sprach von einem "Aufschub vom Aufschub". Sie erwarte, dass K+S am verabredeten Vorgehen festhalte, "denn die Salzwerte in der Werra sind nach wie vor zu hoch." Die im harten Ringen gefundenen Regelung müssten eingehalten werden. "Wir können auf keinen Fall bei den Bemühungen nachlassen, diese Werte wie geplant zu senken. Das ist auch zwingend notwendig, um die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie einzuhalten", so Siegesmund. Für die Versenkung der Produktionsabwässer in den Untergrund werde momentan die Möglichkeit des Einstapelns geprüft, bestätigte sie. Diese Alternative gelte es umzusetzen statt über höhere Salzbelastungen nachzudenken. Auch das hessische Umweltministerium reagierte reserviert.

Nicht so schnell

K+S wolle sich nicht aus der Verantwortung stehlen, sagte Unternehmenssprecher Göbel: "Wir wollen ebenfalls niedrigere Grenzwerte, aber nicht so schnell, weil das wirtschaftlich nicht möglich ist." Auch die Zielwerte des Unternehmens führten zu einer Verbesserungen für Werra und Weser. Ab 2028 werde man dann Süßwasserqualität einhalten.

Überraschend ist der Antrag von K+S nicht. Konzernchef Burkhard Lohr hatte bereits im August 2019 erklärt, dass man mit den Weseranrainerländern - der Flussgebietsgemeinschaft Weser (FGG) - "über die Gestaltung der Zielwerte" sprechen müsse. dpa

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Veröffentlicht am:
22. 04. 2020
09:22 Uhr

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Veröffentlicht am:
22. 04. 2020
09:22 Uhr



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