Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

Thüringen

Jena prescht vor: Bald Maskenpflicht im Kampf gegen Corona

Nach dem Vorbild Österreichs sollen in Jena Geschäfte bald nur noch mit Schutzmasken betreten werden dürfen. Auch andernorts wird ein solcher Schritt erwogen. Doch die Meinungen zu dessen Nutzen sind gespalten.



Mundschutzmasken
Mundschutzmasken liegen auf einem Tisch.   Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild

Als wohl erste deutsche Großstadt verpflichtet Jena seine Bürger, in Supermärkten, Bussen und Bahnen gegen die Corona-Pandemie Schutzmasken zu tragen. «Ich werde mir zu Hause eine nähen», sagt eine Seniorin, die am Dienstag im Stadtzentrum unterwegs ist. Ein Student will sich mit einem großen Schal über dem Mund behelfen, wie er an diesem sonnigen Vormittag erzählt. Auf Facebook gibt es neben Zustimmung derweil auch Kritik. «Blinder Aktionismus», kritisiert ein Nutzer. «Ich würde die Leute zusätzlich noch zu Einweghandschuhen zwingen. Das wird ein Spaß», bemerkt ein anderer. Auch in der Politik gehen die Meinungen darüber auseinander.

Nach Angaben der Stadtverwaltung soll das Tragen eines Mund-und-Nasen-Schutzes in Verkaufsstellen, dem öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden mit Publikumsverkehr in einer Woche verpflichtend werden. Die Umsetzung werde schrittweise erfolgen, sagte Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) der Deutschen Presse-Agentur. «Wir wollen so die weitere Verbreitung des Virus innerhalb der Stadt durch Tröpfcheninfektion beim Niesen oder Husten eindämmen.» Beim Spazierengehen, Joggen oder anderen Aktivitäten im Freien sei allerdings kein Mundschutz Pflicht, ergänzte er.

Das Stadtoberhaupt betonte, dass es bei diesem Schritt nicht um den Eigenschutz, sondern um den Schutz anderer wie Verkäufer, Busfahrer und Pfleger gehe. Denn es sei neben den bestätigten Infektionen von einer hohen Dunkelziffer in der Bevölkerung auszugehen. Von diesen Menschen werde das Virus weitergetragen. Neben Masken seien auch Tücher oder Schals als Schutz möglich, wenn sie Nase und Mund bedeckten. Zudem seien die Bürger aufgerufen, selbst Mundschutze zu nähen nach dem Motto «Bürger nähen für Bürger».

Die Universitätsstadt gilt in Thüringen als Brennpunkt der Corona-Pandemie mit inzwischen mehr als 100 bestätigten Infektionen. Schon vor rund eineinhalb Wochen war sie mit einem Betretungsverbot für öffentliche Orte in Gruppen vorgeprescht. Mit dem Schritt nun folgt sie dem Vorbild Österreichs. Die dortige Regierung hatte am Montag eine Mundschutzpflicht unter anderem für Einkäufe in Supermärkten angekündigt.

Dabei ist der Nutzen der Masken umstritten: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutz-Tragen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, hatte WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan zu Wochenbeginn in Genf gesagt. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnähmen und sich dabei womöglich infizierten.

Entsprechend sind die Meinungen unter Politikern und Kommunen gespalten. «Eine Maskenpflicht halte ich im Moment nicht für sinnvoll», erklärte Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke). «Das vermittelt ein falsches Gefühl von Sicherheit.» Zugleich mahnte sie, dass überall im Freistaat die gleichen Regeln gelten sollten. «Alles andere ist schwer zu erklären.» Ihre sächsische Amtskollegin Petra Köpping (SPD) empfahl dagegen ausdrücklich Atemschutzmasken gegen das Coronavirus. Sie halte es «für außerordentlich wichtig, dass man in der Öffentlichkeit eine Maske trägt», sagte sie in Dresden. Von einer Maskenpflicht ist auch in Sachsen allerdings noch keine Rede.

Allerdings könnte der Vorstoß Jenas andernorts Schule machen. So will etwa der Kreis Nordhausen dem Vorstoß folgend ebenfalls per Allgemeinverfügung Festlegungen zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz treffen. Dagegen will der Saale-Orla-Kreis, wo Anfang März der erste Thüringer Corona-Fall bestätigt wurde, dem Beispiel nicht folgen.

«Das Tragen eines Mundschutzes dient mehr der gefühlten Sicherheit als einem tatsächlichen Schutz vor Sars-CoV-2», erklärte der Leiter des Schleizer Pandemiestabes, Torsten Bossert. Masken, die wirklichen Schutz böten, seien nicht in ausreichender Menge verfügbar, um weite Teile der Bevölkerung auszurüsten. «Hier sollte das medizinische Personal Vorrang genießen.» Bossert betonte, wer die Abstandsregel von mindestens eineinhalb Metern einhalte, brauche keinen Mundschutz.

Reserviert zeigte sich auch das Landratsamt im Kreis Greiz, der wie Jena zu den Corona-Brennpunkten im Freistaat zählt. «Wenn, dann sollten Atemschutzmasken von infizierten Personen getragen werden, um zu verhindern, dass Corona über Tröpfcheninfektion an nicht infizierte Personen weitergegeben wird», betonte Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) auf Anfrage. «Diese Personen sind in medizinischer Behandlung und in häuslicher Quarantäne.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 03. 2020
15:03 Uhr

Aktualisiert am:
31. 03. 2020
12:25 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bevölkerung Bürger CDU Deutsche Presseagentur FDP Facebook Gesundheitsminister Großstädte Heike Werner Kommunalverwaltungen Landräte Martina Schweinsburg Nahverkehr Petra Köpping SPD Senioren Städte Weltgesundheitsorganisation Öffentlichkeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Fahrgäste in einer Straßenbahn in Leipzig

Aktualisiert am 21.04.2020

Werner will Maskenpflicht für Geschäfte und Nahverkehr einführen

Nun also doch: Auch in Thüringen sollen sich die Bürger demnächst Mund und Nase im Kampf gegen das Coronavirus bedecken. Ab Freitag soll sie nun landesweit in Geschäften und im Nahverkehr gelten. Gesundheitsministerin He... » mehr

Wochenlang war die Innenstadt von Sonneberg wie leergefegt, die Menschen hielten sich an die Corona-Regeln. Doch mittlerweile ist die Stadt in Südthüringen bundesweit der Hotspot der Infektionen. Foto: Martin Schutt/dpa

13.05.2020

Zwei Corona-Problemregionen und Massentest in Sonneberg

Thüringen ist von der Corona-Pandemie vergleichsweise gering betroffen. Ein Rätsel aber ist, weshalb der Freistaat zwei der fünf deutschen Brennpunkte aufweist - Greiz und Sonneberg. » mehr

Sperrungen gibt es derzeit allerorten wie hier in Suhl. Ob das alles rechtlich so erlaubt ist, werden Juristen klären, wenn die Krise vorbei ist. Foto: ari

31.03.2020

Keine Lockerung der Corona-Maßnahmen in Sicht

Thüringen will an den strengen Vorschriften zur Bekämpfung des Coronavirus festhalten - zumindest erstmal bis zum 19. April. Auch eine Regelung für Treffen im öffentlichen Raum soll verlängert werden. » mehr

Jetzt folgt auch das Land dem Beispiel aus Jena: Mundschutzmasken werden unter anderem beim Einkaufen Pflicht. Archiv-Foto: Willnow/dpa

24.04.2020

Händler warten auf Kunden - Mundschutz nun Pflicht

Die Zwangspause für viele Händler ist vorbei - sie dürfen wieder öffnen. Dabei müssen sie einige Regeln einhalten - und nicht zu viele Kunden einlassen. Das gilt in Thüringen auch für die großen Einkaufscenter. » mehr

Einkaufstourismus ist die Folge unterschiedlicher Regelungen in den Bundesländern. So hat Bayern Baumärkten die Schließung auferlegt, in Thüringen dürfen sie öffnen - natürlich auch für Kunden aus dem Nachbar-Freistaat. Foto: Sina Schuldt/dpa

04.04.2020

Corona-Krise: Kommunen für mehr einheitliche Vorgaben vom Land

Der anfängliche Flickenteppich bei den Vorgaben zur Corona-Bekämpfung hat Kommunen und Bürger verunsichert. Gefordert werden klare einheitliche Regeln. Aber es gibt Grenzen. » mehr

Atemschutzmaske in öffentlichen Verkehrsmitteln

12.05.2020

Ab Mittwoch droht Bußgeld bei Verletzung der Maskenpflicht

Thüringern, die in Geschäften oder im öffentlichen Nahverkehr ohne Mund- und Nasenbedeckung unterwegs sind, droht ab Mittwoch ein Bußgeld von 50 Euro. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Heidewitzka Auto-Festival Meiningen

Heidewitzka Auto-Festival Meiningen |
» 56 Bilder ansehen

Autokonzert in Erfurt mit Heinz Rudolf Kunze

Autokonzert mit Heinz Rudolf Kunze Erfurt |
» 26 Bilder ansehen

unfall_meiningen_1.jpg Meiningen

Unfall Meiningen | 23.05.2020 Meiningen
» 3 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 03. 2020
15:03 Uhr

Aktualisiert am:
31. 03. 2020
12:25 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.