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Thüringen

In Thüringen mehr Männer als Frauen Opfer häuslicher Gewalt

In Thüringen werden ebenso viele Männer wie Frauen Opfer von schwerer häuslicher Gewalt. Der Befund überrascht. Die CDU fordert mehr Anstrengungen der Landesregierung.



Gewalt gegen Männer
In Thüringen werden genau so viele Männer wie Frauen Opfer schwerer häuslicher Gewalt, Symbolfoto   Foto: dpa, Archiv

 

Erfurt - In den Jahren 2011 bis 2016 wurden in Thüringen 151 Personen Opfer von schwerer häuslicher Gewalt. Das geht aus der Antwort von Innenminister Georg Maier (SPD) auf eine Anfrage von CDU-Innenpolitiker Raymond Walk hervor. Bei den von Maier aufgelisteten Fällen handelt es sich um "versuchte und vollendete Tötungsdelikte im sozialen Nahraum".

Besonders überrascht, dass entgegen der landläufigen Erwartung keineswegs vor allem Frauen Opfer von schwerer häuslicher Gewalt werden. Der Statistik zufolge wurden in dem Zeitraum 76 männliche Opfer erfasst und 75 weibliche. Die sogenannte Täter-Opfer-Beziehung stellt sich vielfältig dar. In vielen Fällen handelte es sich um "Bekanntschaft/Freundschaft", wie es in der Antwort des Innenministers heißt. Opfer sind aber auch Ehepartner, Eltern und Kinder, ebenso Partner in nichtehelichen Lebensgemeinschaften sowie Ex-Partner.

Im Jahr 2016 beispielsweise wurden 27 versuchte und vollendete Tötungsdelikte gezählt, bei denen Opfer und Täter in enger privater Beziehung standen. Männlich waren 17 Opfer, weiblich 10 Opfer. In 12 Fällen handelte es sich um eine Bekanntschaft oder Freundschaft. Viermal waren Ehepartner betroffen, einmal Eltern. In einem Fall ereignete sich die Gewalt in einer "engen Freundschaft". Sechs Mal wurden Kinder zu Opfern häuslicher Gewalt, zwei Mal Partner in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft.

Laut Innenminister Maier hat die Thüringer Polizei Spezialisten für den Bereich häusliche Gewalt. Es seien erfahrene Polizisten, die Kontakt sowohl zu den Opfern als auch den Tätern hätten. Sie arbeiteten in den regionalen Netzwerken gegen häusliche Gewalt mit. "Dies ermöglicht eine differenzierte Sicht auf unterschiedliche Fallkonstellationen und Gefährdungslagen, die bei Bedarf auch die Beteiligung weiterer Institutionen einbezieht", so Maier. Bei häuslicher Gewalt übermittele die Polizei, wenn die gefährdete Person zustimme, deren Daten an eine Interventionsstelle. Davon gebe es vier in Thüringen.

CDU-Innenpolitiker Walk zeigte sich besorgt über die hohe Opferzahl. "Wir reden hier nicht über Ladendiebstahl, sondern über Tötungsdelikte", sagte er. Besorgniserregend sei die hohe Zahl von Kindern unter den Opfern. Walk sagte, es sei sehr erstaunlich, dass bei den Tötungsdelikten ebenso viele Männer wie Frauen zu Opfern würden. Bei der häuslichen Gewalt im Allgemeinen seien Frauen zu 80 Prozent Opfer. Der CDU-Politiker forderte die Landesregierung auf, dem Bereich mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die Polizei sei zwar gut aufgestellt. Die Interventionsstellen aber hätten zu wenig Personal.

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Eike Kellermann
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Veröffentlicht am:
10. 01. 2018
10:29 Uhr

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Eike Kellermann

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Veröffentlicht am:
10. 01. 2018
10:29 Uhr



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