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Thüringen

Immer mehr Thüringer leiden an Adipositas

Rund 220 000 Menschen im Freistaat haben eine diagnostizierte Adipositas - das ist in etwa jeder zehnte Thüringer. Tendenz steigend.



Bewegung hilft bei Übergewicht. Archiv-Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Bewegung hilft bei Übergewicht. Archiv-Foto: Sebastian Kahnert/dpa  

Erfurt - Die Zahl der deutlich übergewichtigen Thüringer nimmt weiter zu. Inzwischen lebe etwa jeder zehnte Einwohner des Freistaates mit einer gesicherten Diagnose Adipositas, berichtete die Barmer unter Verweis auf ihre Abrechnungsdaten am Freitag in Erfurt. In einem Zeitraum von zwei Jahren sei die Zahl der als fettleibig (adipös) geltenden Thüringer um mehr als 13 000 angestiegen. Damit müsse von insgesamt 220 000 Betroffenen im Land ausgegangen werden, so die Krankenkasse.

Lebten im Jahr 2014 noch etwa 9,6 Prozent der Einwohner des Landes mit einer Adipositas-Diagnose, so waren es im Jahr 2016 bereits 10,2 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt falle mit rund 9,8 Prozent im Jahr 2016 niedriger aus. Auch zeigten die Zahlen, dass unter den Thüringer Frauen der Anteil adipöser Menschen höher ist als unter den Männern.

Tatsächlich müsse sogar von einem noch größeren Anteil übergewichtigen Menschen an der Gesamtbevölkerung ausgegangen werden, befürchtet die Krankenkasse. Das sei damit zu erklären, dass vor allem gering adipösen Menschen nur selten diese Diagnose ausgestellt werde, erklärte Birgit Dziuk, die Landesgeschäftsführerin der Barmer in Thüringen. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts bestätige, dass sogar rund 22 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer in Thüringen unter Fettleibigkeit litten.

Als weiteres Indiz für das verbreitete starke Übergewicht führte die Barmer entsprechende Behandlungen in einem Krankenhaus an. Hier liege Thüringen bei der Zahl der Klinikaufenthalte bundesweit hinter Mecklenburg-Vorpommern auf dem zweiten Platz. Während es in Thüringen je 1000 Versicherten rund 20 Krankenhausbehandlungen im Jahr gebe, seien es bundesweit lediglich 14.

Die Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas reichen von Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapien über medikamentöse Behandlung bis hin zu operativen Eingriffen, den sogenannten bariatrischen Operationen, etwa die Einengung des Magens durch ein Band. Deutschlandweit gebe es derzeit 71 medizinische Zentren, die auf derartige Eingriffe spezialisiert sind. Zwei davon befinden sich nach den Angaben der Barmer in Thüringen in Gera und in Bad Salzungen.

"Eine Adipositas-Erkrankung geht mit erheblichen gesundheitlichen Risiken einher", sagte Dziuk. Starkes Übergewicht könne enorme Folge- und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, Herzinfarkt, Gallensteine, Gelenkverschleiß und psychische Erkrankungen bedingen. Neuere Erkenntnisse zeigten zudem ein erhöhtes Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen.

Von Adipositas ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 die Rede. Ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 gilt bei Erwachsenen nach der WHO als normal. Der BMI errechnet sich aus dem Körpergewicht (in Kilogramm) geteilt durch das Quadrat der Körpergröße (in Metern). epd/les

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16. 02. 2019
09:02 Uhr

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16. 02. 2019
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