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Thüringen

Hochzeit, Kirmes, Kino: Die Corona-Lockerungen ab Samstag

Die Thüringer Landesregierung hat beschlossen, eine Vielzahl von coronabedingten Einschränkungen im Freistaat zu lockern. Vor allem viele Privatleute werden aufatmen.



Erfurt – Weil es in Thüringen weiterhin nur relativ wenige Corona-Fälle gibt, lockert die Landesregierung ab dem Wochenende eine Vielzahl von bislang geltenden Einschränkungen. Zentral dabei ist, dass das Kontaktverbot im Land zu einem Gebot abgestuft wird. Zwar empfehle die Landesregierung den Menschen im Land weiterhin, die physischen Kontakte soweit wie möglich zu reduzieren.

So sollten sich die Menschen nur mit den Angehörigen eines zweiten Haushaltes oder nicht mehr als zehn sonstigen Menschen treffen, sagte Thüringens Sozialministerin Heike Werner (Linke) am Dienstag in Erfurt nach einer Kabinettssitzung der Landesregierung. „Aber die bisher rechtlich verbindliche Kontaktbeschränkung entfällt.“ Dies gelte ab Samstag, dem 13. Juni. Das bedeute auch, dass die Polizei oder Ordnungsämter nicht mehr kontrollieren würden, ob kleine Gruppen aus zwei, drei oder vier Haushalten bestehen.

Gleichzeitig steige damit aber die Eigenverantwortung der Menschen, sagte Werner. Weil es gegen Covid-19 weder ein Medikament noch eine Impfung gebe, müssten sich die Menschen vor allem durch Achtsamkeit füreinander und durch Abstandhalten schützen. „Mehr Freiheit bedeutet auch mehr Verantwortung für den Einzelnen“, sagte sie.

Ein weiterer wichtiger Punkt der neuen Verordnung der Landesregierung, nach Angaben von Werner: Private Feiern wie Geburtstage und Hochzeiten sind ab Samstag wieder möglich. Allerdings müssten die Feiern 48 Stunden vor ihrem Beginn beim zuständigen Landkreis oder der zuständigen kreisfreien Stadt angemeldet werden, wenn sich dabei mehr als 30 Menschen innerhalb eines geschlossen Raumes aufhalten sollen. Gleiches gelte dann, wenn sich mehr als 75 Familienangehörige unter freiem Himmel versammeln möchten.

Dorffeste und ähnliche Veranstaltungen sollen dagegen auch weiterhin grundsätzlich verboten bleiben, sagte Werner. Ausnahmen von dieser Regelung seien zwar grundsätzlich denkbar. Die Gesundheitsämter müssten diese Veranstaltungen dann aber ausdrücklich genehmigen. Gerade aber einer Kirmes zum Beispiel falle es ihr schwer sich vorzustellen, wie eine solche Feier so organisiert werden können, dass dort die Hygieneregeln sicher eingehalten würden, erklärte Werner. Deshalb sei im Allgemeinen eher nicht damit zu rechnen, dass es in diesem Jahr solche Feste geben könne.

Weitere Lockerungen soll es nun auch für die Freizeitwirtschaft geben: Konzerte und Lesungen sollen ebenso wieder möglich sein, wie Kinovorführungen – unter besonderen Hygieneauflagen und nur dann, wenn es bei diesen Veranstaltungen ausschließlich Sitzplätze gibt. Kultureinrichtungen allerdings, die vom Freistaat institutionell gefördert werden, sollen weiterhin bis mindestens zum 31. August geschlossen, sagte Werner.

Auch Schwimm- und Freizeitbäder, Thermen und Saunen können ab Samstag wieder öffnen. Sie müssten allerdings ein Hygienekonzept nicht nur erarbeiten und umsetzen, sondern sich dies auch noch vom für sie zuständigen Gesundheitsamt genehmigen lassen. Das wiederum kritisiert Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Immerhin gelte diese Regelung auch für Saunen und Schwimmbereiche in Hotels.

„Das ist eine massive Benachteiligung der Hotels- und Badbetreiber und führt zu unnötigen bürokratischen Belastungen“, sagte Tiefensee. Die örtlich zuständigen Behörden seien angesichts ihrer Personalausstattung, der Vielzahl ihrer Aufgaben und der großen Zahl zu prüfender Einrichtungen überhaupt nicht in der Lage, dies in einem angemessenen Zeitraum umzusetzen. „Das ist eine Entscheidung an der Realität vorbei“, sagte er.

Das Wichtigste zusammengefasst:

- Es wird empfohlen, sich nur mit Personen von zwei Haushalten oder nicht mehr als zehn weiteren Personen zu treffen.

- Clubs, Diskotheken, Bordelle und Swingerclubs müssen weiterhin geschlossen bleiben.

- Messen, Ausstellungen und Spezialmärkte dürfen öffnen - auch in geschlossenen Räumen.

- Schwimm-, Freizeit- und Erlebnisbäder dürfen mit genehmigten Infektionsschutzkonzepten öffnen.

- Saunen und Thermen dürfen wieder Gäste empfangen - wenn die jeweiligen Schutzkonzepte bewilligt werden.

- Volks- und Dorffeste bleiben weiterhin verboten. Allerdings sind Ausnahmen möglich. In Einzelfällen kann eine Genehmigung beantragt werden.

- Private Feiern, bei denen mehr als 30 Gäste in geschlossenen Räumen oder mehr als 75 Teilnehmer unter freiem Himmel erwartet werden, müssen zwei Tage vorher angemeldet werden.

- Besuche von Patienten in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind weiterhin eingeschränkt. Erlaubt ist ein zu registrierender Besuch je Patient oder Bewohner täglich  - für höchstens zwei Stunden.

- In Geschäften und im Öffentlichen Nahverkehr bleibt es bei einer Maskenpflicht.

- Private Kinos und Theater dürfen öffnen. Institutionell vom Freistaat geförderte Theater und Orchester sollen ihren Spielbetrieb in geschlossenen Räumen erst nach dem 31. August wieder aufnehmen.
Ein weiterer Kabinettsbeschluss sieht grundlegende Änderungen im Bildungsbereich ab dem 15. Juni vor:

- In Kindergärten und Grundschulen sollen die Abstandsregeln entfallen.

- Stattdessen soll es feste Gruppen und Klassen mit jeweils festen Bezugspersonen geben.

- Die Notbetreuung an Kindergärten und Grundschulen endet.

- Ab dem neuen Schuljahr sollen Kindergärten und alle Schulen in den Regelbetrieb wechseln.

Autor

Sebastian Haak
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
09. 06. 2020
13:51 Uhr

Aktualisiert am:
09. 06. 2020
14:38 Uhr

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Sebastian Haak

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09. 06. 2020
13:51 Uhr

Aktualisiert am:
09. 06. 2020
14:38 Uhr



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